Bally’s Intralot bietet 243 Mio. £ für die Übernahme von Evoke Plc

Bally’s Intralot hat offiziell ein Übernahmeangebot für Evoke Plc vorgelegt, den in London notierten Glücksspielanbieter, dem die Marken William Hill, Mr Green und 888 gehören. Nach mehrwöchigen Verhandlungen hat der Bieter ein Angebot vorgelegt, das Evoke mit rund 243,1 Millionen Pfund bewertet, was diese Transaktion zu einer der am meisten beachteten im europäischen Glücksspielsektor in diesem Jahr macht.
Der vorgeschlagene Deal kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für Evoke, das mit erheblichen regulatorischen, finanziellen und strategischen Herausforderungen zu kämpfen hat. Das Unternehmen leitete Ende 2025 eine strategische Überprüfung ein, nachdem Änderungen bei der Glücksspielbesteuerung im Vereinigten Königreich Bedenken hinsichtlich der zukünftigen Rentabilität seines auf Online-Geschäfte ausgerichteten Betriebs aufkommen ließen.
Sollte die Transaktion abgeschlossen werden, würde sie die Position von Bally’s Intralot auf dem europäischen Wett- und Glücksspielmarkt erheblich stärken und den Evoke-Aktionären gleichzeitig die Möglichkeit bieten, mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber den jüngsten Handelskursen auszusteigen.
Details des vorgeschlagenen Angebots
Gemäß den von Bally’s Intralot bekannt gegebenen Bedingungen würden die Evoke-Aktionäre 52 Pence pro Aktie in bar erhalten. Die Bewertung berücksichtigt rund 450,4 Millionen derzeit im Umlauf befindliche Aktien, weitere 18,5 Millionen Aktien, die potenziell ausgegeben werden könnten, sowie etwa 1,3 Millionen Aktien, die in Mitarbeiter-Trusts gehalten werden.
Der Bieter hat zudem eine alternative aktienbasierte Gegenleistung angeboten. Aktionäre, die eine Beteiligung am Eigenkapital bevorzugen, können sich für den Erhalt von 0,537 neu ausgegebenen, an der Euronext Athen notierten Bally’s Intralot-Aktien entscheiden. Basierend auf dem vom Bieter angegebenen Aktienkurs von 1,12 € wird diese Option als weitgehend gleichwertig mit dem Barangebot angesehen.
Das Angebot stellt einen erheblichen Aufschlag gegenüber der jüngsten Marktperformance von Evoke dar. Nach Angaben der Unternehmen liegt das Angebot etwa 77 Prozent über dem Aktienkurs, der vor der Veröffentlichung der Übernahmeverhandlungen im April verzeichnet wurde. Es entspricht zudem einem Aufschlag von etwa 138 Prozent gegenüber dem im Dezember 2025 erreichten Tiefststand.
Die Anleger reagierten positiv auf die Ankündigung, und die Evoke-Aktie legte im Londoner Handel nach der Bestätigung des Angebots deutlich zu.
Strategische Überprüfung und regulatorischer Druck
Die Entscheidung von Evoke, strategische Alternativen zu prüfen, wurde stark von regulatorischen Entwicklungen im Vereinigten Königreich beeinflusst.
Im Dezember leitete das Unternehmen eine formelle strategische Überprüfung ein, nachdem die britische Regierung Pläne angekündigt hatte, die Remote Gaming Duty ab April 2026 auf 40 Prozent anzuheben. Es wird erwartet, dass die höhere Steuerbelastung erhebliche Auswirkungen auf Online-Glücksspielanbieter haben wird, insbesondere auf diejenigen, deren Umsatz zu einem wesentlichen Teil aus dem digitalen Glücksspiel stammt.
Für Evoke, dessen Portfolio große Online-Wett- und Casino-Marken umfasst, bedeutete diese Änderung zusätzlichen Druck in einem ohnehin schon schwierigen Geschäftsumfeld. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren versucht, seine Rentabilität zu verbessern, während es gleichzeitig erhebliche Schuldenverpflichtungen bewältigte und größere Akquisitionen integrierte.
Branchenbeobachter sahen in der strategischen Überprüfung ein Zeichen dafür, dass das Management eine breite Palette von Optionen evaluierte, darunter den Verkauf von Vermögenswerten, Partnerschaften und eine mögliche Unternehmenstransaktion.
Eine dramatische Verschiebung der Bewertung
Die vorgeschlagene Bewertung von 243,1 Millionen Pfund steht in scharfem Kontrast zu den Akquisitionsaktivitäten von Evoke vor nur wenigen Jahren.
Im Jahr 2022 erwarb das Unternehmen die europäischen Vermögenswerte von William Hill und Mr Green von Caesars Entertainment im Rahmen einer Transaktion im Wert von rund 2,2 Milliarden Pfund. Diese Übernahme sollte die Wettbewerbsposition von Evoke in regulierten Glücksspielmärkten stärken und die Kundenreichweite in ganz Europa ausbauen.
Allerdings haben sich veränderte Marktbedingungen, eine verstärkte behördliche Aufsicht, höhere Steuern und ein allgemeiner wirtschaftlicher Druck auf die Bewertungen im gesamten Glücksspielsektor ausgewirkt.
Der Aktienkurs von Evoke hat in den letzten Jahren einen anhaltenden Rückgang verzeichnet. Die Aktie liegt weiterhin deutlich unter den Niveaus von 2021, was die Bedenken der Anleger hinsichtlich der Wachstumsaussichten, der Verschuldung und regulatorischer Herausforderungen widerspiegelt.
Obwohl das aktuelle Angebot das Unternehmen deutlich unter den früheren Transaktionswerten bewertet, ist der Vorstand zu dem Schluss gekommen, dass der Vorschlag eine überzeugende Chance für die Aktionäre darstellt.
Vorstand befürwortet die Transaktion
Der Vorstand von Evoke hat den Aktionären empfohlen, die geplante Übernahme zu unterstützen.
Vorstandsvorsitzender Mark Summerfield erklärte, dass der Zusammenschluss dazu beitragen würde, mehrere strategische und finanzielle Herausforderungen zu bewältigen, denen sich das Unternehmen derzeit gegenübersieht. Er wies darauf hin, dass die Eingliederung in eine größere Organisation mehr Größe, stärkere finanzielle Ressourcen und eine verbesserte operative Flexibilität mit sich bringen könnte.
Laut Summerfield bietet die Transaktion nach Ansicht des Vorstands den effektivsten Weg zur Schaffung langfristiger Werte für die Aktionäre und kommt gleichzeitig den Mitarbeitern, Kunden und anderen Stakeholdern zugute.
Es wird erwartet, dass die Empfehlung eine wichtige Rolle spielen wird, wenn Investoren in den kommenden Monaten die Vorzüge des Vorschlags bewerten.
Schaffung einer größeren europäischen Glücksspielgruppe
Die Übernahme würde die Präsenz von Bally’s Intralot in Europa erheblich ausweiten.
Bally’s Intralot entstand 2025 aus der Fusion von Bally’s International Interactive und Intralot. Das fusionierte Unternehmen hat seinen Schwerpunkt weiterhin stark auf das Lotteriegeschäft gelegt, insbesondere in Nord- und Südamerika.
Durch die Übernahme von Evoke würde ein umfangreiches Online-Wett- und Glücksspielportfolio hinzukommen, darunter etablierte Marken wie William Hill, Mr Green und 888sport.
Die Unternehmen schätzen, dass ein fusioniertes Unternehmen im Jahr 2025 einen jährlichen Pro-forma-Nettoumsatz von rund 3,2 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von rund 856 Millionen Euro erzielen würde. Die Managementteams haben zudem potenzielle Cash-Synergien in Höhe von fast 200 Millionen Pfund durch operative Effizienzsteigerungen und Integrationsinitiativen ermittelt.
Der Vorsitzende Sokratis Kokkalis bezeichnete den Vorschlag als den Beginn eines bedeutenden neuen Kapitels für das Unternehmen. Soo Kim, Vorsitzender der Bally’s Corporation, zeigte sich ebenfalls zuversichtlich, dass durch den Zusammenschluss ein diversifizierter europäischer Glücksspielanbieter mit beträchtlicher Größe und Marktreichweite entstehen könnte.
Die Verschuldung bleibt ein wichtiger Faktor
Trotz der strategischen Gründe für die Transaktion dürften Investoren ihr Augenmerk vor allem auf die Finanzprofile beider Unternehmen richten.
Evoke wies zum Jahresende 2025 eine Nettoverschuldung von rund 1,9 Milliarden Pfund aus. Auch Bally’s Intralot ist erheblich verschuldet und meldete im ersten Quartal 2026 Schulden in Höhe von rund 1,75 Milliarden Euro.
Um den Übernahme- und Refinanzierungsprozess zu erleichtern, hat sich ein Konsortium privater Kreditgeber bereit erklärt, umfangreiche finanzielle Unterstützung zu leisten. Zu der Kreditgebergruppe gehören TPG Credit und Oaktree, von denen erwartet wird, dass sie eine Second-Lien-Term-Facility in Höhe von 889 Millionen Euro bereitstellen.
Das Finanzierungspaket soll die Rückzahlung der 2028 fälligen Verbindlichkeiten von Evoke unterstützen und dazu beitragen, die Kapitalstruktur des fusionierten Unternehmens zu straffen.
Das Management geht davon aus, dass die Transaktion zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 abgeschlossen wird, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und des Erhalts aller erforderlichen behördlichen Genehmigungen.
Der Konsolidierungstrend in der Glücksspielbranche hält an
Die geplante Übernahme ist Teil einer breiteren Konsolidierungswelle, die die globale Glücksspielbranche erfasst hat.
Als Reaktion auf steigende Compliance-Kosten, zunehmende Besteuerung und verschärften Wettbewerb streben die Betreiber weiterhin nach größerer Skalierung. Größere Unternehmen sind oft besser in der Lage, in Technologie, Marketing und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu investieren und gleichzeitig die Kosten auf einen breiteren Kundenstamm zu verteilen.
Die jüngsten Fusions- und Übernahmeaktivitäten in den Vereinigten Staaten haben diesen Trend weiter unterstrichen. In den letzten Wochen sind mehrere groß angelegte Vorhaben mit bedeutenden Casino- und Glücksspielbetreibern bekannt geworden, was das anhaltende Interesse an Konsolidierungsmöglichkeiten in der gesamten Branche widerspiegelt.
Branchenanalysten stellen fest, dass Unternehmen mit starken Marken, reguliertem Marktzugang und etablierten Kundenstämmen trotz allgemeiner Marktherausforderungen weiterhin attraktive Übernahmeziele bleiben.
Führungswechsel bei Evoke
Die Ankündigung der Übernahme erfolgt kurz nachdem Evoke sein Führungsteam durch eine wichtige Personalie im Finanzbereich verstärkt hat.
Das Unternehmen hat kürzlich Janice Duncan zur neuen Group Finance Director ernannt. Duncan bringt umfangreiche Erfahrung sowohl aus der Finanzdienstleistungsbranche als auch aus der Glücksspielbranche mit.
Ihre Karriere begann in verschiedenen Positionen im Bankwesen bei der National Australia Group, der Royal Bank of Scotland und RBC Insurance, bevor sie 2013 in die Glücksspielbranche wechselte.
Anschließend hatte sie Führungspositionen bei Coral und William Hill inne, bevor sie 2019 Finance Director bei William Hill wurde. Später hatte sie Positionen als Chief Financial Officer bei Rank Interactive und dem Online-Casino-Betreiber Casumo inne.
Ihre Ernennung wird als Maßnahme zur Stärkung der finanziellen Führung in einer Phase bedeutender unternehmerischer Veränderungen angesehen.
Fazit
Die geplante Übernahme von Evoke Plc durch Bally’s Intralot stellt für beide Unternehmen eine potenziell transformative Transaktion dar. Der Deal würde etablierte Vermögenswerte aus den Bereichen Wetten, Glücksspiel und Lotterie unter einer einzigen Unternehmensstruktur zusammenführen und gleichzeitig eine größere europäische Glücksspielgruppe mit beträchtlicher Größe und Markenbekanntheit schaffen.
Für die Aktionäre von Evoke bietet das Angebot die Möglichkeit, einen sofortigen Wertzuwachs mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber den jüngsten Aktienkursen zu realisieren. Für Bally’s Intralot würde die Übernahme die Expansion in die Bereiche Sportwetten und Online-Glücksspiel beschleunigen und gleichzeitig die Position des Unternehmens in wichtigen regulierten Märkten stärken.
Obwohl behördliche Genehmigungen, Aktionärsabstimmungen und Finanzierungsaspekte weiterhin wichtige Hürden darstellen, unterstreicht der Vorschlag die anhaltende Konsolidierung, die die globale Glücksspielbranche neu gestaltet. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Transaktion wie geplant verläuft und ob das fusionierte Unternehmen die vom Management dargelegten strategischen und finanziellen Vorteile erfolgreich umsetzen kann.
FAQs
Was bietet Bally’s Intralot für Evoke Plc?
Bally’s Intralot hat ein Angebot von 52 Pence pro Aktie unterbreitet, wodurch Evoke Plc mit etwa 243,1 Millionen Pfund bewertet wird.
Welche Marken gehören zu Evoke Plc?
Evoke besitzt mehrere bekannte Glücksspielmarken, darunter William Hill, Mr Green und 888.
Warum hat Evoke eine strategische Überprüfung eingeleitet?
Das Unternehmen leitete eine strategische Überprüfung ein, nachdem Änderungen der britischen Fernspielsteuer den finanziellen Druck auf Online-Glücksspielanbieter erhöht hatten.
Welchen Aufschlag beinhaltet das Angebot?
Der Vorschlag beinhaltet einen erheblichen Aufschlag im Vergleich zu den jüngsten Handelskursen und historischen Tiefstständen von Evoke.
Können Aktionäre Aktien anstelle von Bargeld wählen?
Ja. Aktionäre können sich dafür entscheiden, neu ausgegebene Aktien von Bally’s Intralot anstelle der Barzahlung zu erhalten.
Was ist Bally’s Intralot?
Bally’s Intralot ist ein Glücksspiel- und Lotterieunternehmen, das 2025 durch die Fusion von Bally’s International Interactive und Intralot entstanden ist.
Wie groß würde das fusionierte Unternehmen werden?
Die Unternehmen schätzen, dass das fusionierte Unternehmen einen jährlichen Nettoumsatz von etwa 3,2 Milliarden Euro erzielen würde.
Welche Synergien wurden identifiziert?
Das Management hat durch operative Effizienzsteigerungen und Integrationsmaßnahmen potenzielle Cash-Synergien in Höhe von fast 200 Millionen Pfund ermittelt.
Wer ist Janice Duncan?
Janice Duncan ist die neu ernannte Group Finance Director von Evoke und verfügt über umfangreiche Erfahrung sowohl im Finanz- als auch im Glücksspielsektor.
Wann wird der Abschluss der Transaktion erwartet?
Vorbehaltlich der Genehmigungen und behördlichen Freigaben erwarten die Unternehmen, dass die Transaktion zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 abgeschlossen wird.













































