PwC warnt vor Schwarzmarkt durch höhere Glücksspielsteuern

Eine aktuelle Studie von PwC, die vom Betting and Gaming Council (BGC) in Auftrag gegeben wurde, hat aufgezeigt, wie sich erhöhte Glücksspielsteuern und strengere Vorschriften in ganz Europa auf das Marktwachstum, das Verbraucherverhalten und die Staatseinnahmen ausgewirkt haben. Die Ergebnisse deuten auf eine komplexe und oft kontraproduktive Beziehung zwischen der Fiskalpolitik und der Aktivität der Spieler hin, wobei höhere Steuersätze offenbar die Abwanderung zu nicht lizenzierten Offshore-Glücksspielplattformen beschleunigen.
Die im Oktober abgeschlossene Analyse untersuchte die Glücksspielökosysteme von 17 europäischen Ländern mit ähnlichen Marktstrukturen wie das Vereinigte Königreich, darunter Frankreich, Deutschland, Spanien, die Niederlande und mehrere mittel- und osteuropäische Länder. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das derzeitige Rahmenwerk im Vereinigten Königreich relativ ausgewogen ist, während höhere Steuerbelastungen und Beschränkungen in anderen Ländern zu einem langsameren Wachstum, einer geringeren Kanalisierung und einer sinkenden Steuereffizienz geführt haben.
Überblick über die PwC-Studie
Der PwC-Bericht bewertete, wie sich Unterschiede in der Besteuerung von Glücksspielen und der Intensität der Regulierung auf mehrere wichtige Indikatoren auswirkten: Bruttospielertrag (GGR), Marktkanalisierung (Anteil der Aktivitäten innerhalb lizenzierter Betreiber) und Steuerleistung. Die Forscher untersuchten Trends seit 2014, einem Zeitraum, der durch große politische Veränderungen in ganz Europa gekennzeichnet war.
Der Bericht unterteilte die Märkte anhand ihrer Regulierungsstrukturen und Steuersätze in drei Hauptgruppen: stabil, restriktiv und liberal. Das Vereinigte Königreich wurde nach Änderungen wie der Erhöhung der Remote Gaming Duty (RGD) von 15 % auf 21 % im Jahr 2019 und der Einführung neuer Bonitätsprüfungen in die Kategorie „stabil” eingestuft.
Laut PwC liegen die durchschnittlichen Glücksspielsteuersätze im Vereinigten Königreich derzeit bei 25 % für Pferderennen, 21 % für Casinospiele und 15 % für Sportwetten. Diese Sätze entsprechen in etwa dem europäischen Durchschnitt, wodurch das Vereinigte Königreich zwischen den liberaleren Märkten im Osten und den restriktiven Regimes in Westeuropa positioniert ist.
Langsameres Wachstum in hoch besteuerten Märkten
Die Daten von PwC zeigen für den gesamten Kontinent ein klares Muster: In Ländern mit höheren Steuern und strengeren Vorschriften war das Wachstum des Bruttospielertrags tendenziell langsamer und die Beteiligung am Onshore-Markt schwächer. Zwischen 2019 und 2024 verzeichneten westeuropäische Länder, die ihre Glücksspielsteuern erhöhten, ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Bruttospielertrags von nur 6 %, verglichen mit 17 % in Märkten, die ihre Steuersätze beibehielten oder senkten.
Im Gegensatz dazu verzeichneten die mittel- und osteuropäischen Märkte mit weniger strengen Vorschriften und niedrigeren Steuern ein robusteres, wenn auch etwas volatileres Wachstum. PwC stellte fest, dass in diesen Ländern die Vorhersehbarkeit der Regulierung und eine moderate Steuerpolitik zu höheren Kanalisierungsraten und einem stärkeren Vertrauen der Betreiber beitrugen.
Diese Divergenz verdeutlicht eine wachsende Herausforderung für die Politik: die Balance zwischen dem Schutz der Verbraucher und der Maximierung der öffentlichen Einnahmen zu finden, ohne dabei unbeabsichtigt den Schwarzmarkt zu stärken.
Auswirkungen der Besteuerung auf das Verhalten der Betreiber
Die Studie ergab, dass Steuererhöhungen und regulatorische Beschränkungen die Betreiber zu erheblichen geschäftlichen Anpassungen veranlassten. Innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten einer neuen Steuer oder Regelung reduzierten 13 von 19 großen Betreibern die Spielboni als Anteil am Bruttospielertrag und 15 von 21 senkten ihre Marketingausgaben.
Höhere Steuerpflichten veranlassten die Betreiber, ihre Margen zu straffen. Dies geschah häufig in Form einer Erhöhung der Bruttogewinnmargen bei Wetten, wodurch die Auszahlungsquote effektiv gesenkt wurde. Diese Veränderungen waren zwar aus steuerlicher Sicht notwendig, um die Vorschriften einzuhalten, hatten jedoch spürbare Auswirkungen auf die Wertvorstellungen und das Engagement der Spieler.
In Frankreich und Spanien beispielsweise wurden die Werbeboni nach der Einführung strengerer Werberegeln um bis zu 47 % gekürzt. In Deutschland führte die Einführung einer Umsatzsteuer von 5,3 % auf Einsätze für Online-Slots und Poker zu einer Verringerung des Spielangebots und einem Rückgang der Steuereinnahmen aus diesen Bereichen um 50 % innerhalb des ersten Jahres.
Reaktion der Spieler und Marktverschiebung
Die Verbraucherumfrage von PwC identifizierte mehrere Faktoren, die die Entscheidungen der Spieler beeinflussen: Preiswettbewerbsfähigkeit, Verfügbarkeit von Boni und Vertrauen in die Betreiber. Spieler, insbesondere diejenigen in Segmenten mit höheren Ausgaben, reagieren schnell auf Veränderungen, die den wahrgenommenen Wert oder die Zugänglichkeit mindern.
Die obersten 5 % der Spieler, die zusammen rund 80 % der Gesamteinsätze generieren, reagierten am empfindlichsten auf reduzierte Boni und strengere Beschränkungen. Diese Nutzer, die oft mit internationalen Plattformen vertraut sind, neigen eher dazu, ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlagern, wenn sie die lokalen Märkte als weniger lohnend empfinden.
Umfragen in mehreren Ländern ergaben, dass zwischen 40 % und 53 % der Spieler offen für die Nutzung nicht lizenzierter Websites sind. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wettet mittlerweile etwa die Hälfte aller aktiven Online-Glücksspieler über Offshore-Kanäle. Diese wachsende Abhängigkeit von nicht regulierten Anbietern hat schwerwiegende Auswirkungen sowohl auf den Verbraucherschutz als auch auf die staatlichen Steuereinnahmen.
Steuer- und Einnahmenparadox
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der PwC-Studie betrifft den umgekehrten Zusammenhang zwischen Steuersätzen und Steuereinnahmen in bestimmten Fällen. Obwohl höhere Steuersätze theoretisch zu höheren Staatseinnahmen führen, stellte PwC fest, dass Länder, die 25 % des Bruttospielertrags überschritten, keine proportional höheren Erträge erzielten.
Tatsächlich verzeichneten Länder mit niedrigeren oder moderaten Steuersätzen einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg der Glücksspielsteuereinnahmen von 13 %, verglichen mit nur 9 % in Hochsteuerländern.
Die Niederlande liefern ein deutliches Beispiel: Trotz der Anhebung des Glücksspielsteuersatzes von 30,5 % auf 34,2 % rechnen die Regulierungsbehörden nun mit einem Rückgang der jährlichen Steuereinnahmen um 9 %. Dieses kontraintuitive Ergebnis unterstreicht, wie höhere Steuern Spieler in unregulierte Märkte treiben und damit die Steuerbasis untergraben können.
Die Studie legt nahe, dass politische Entscheidungsträger das Einnahmepotenzial hoher Steuersätze möglicherweise überschätzen und gleichzeitig die Elastizität des Spielerverhaltens als Reaktion auf Kostendruck unterschätzen.
Der Fall des Vereinigten Königreichs
Für das Vereinigte Königreich deuten die Ergebnisse von PwC auf ein relativ stabiles Gleichgewicht zwischen Fiskalpolitik und Marktnachhaltigkeit hin. Die jüngsten Debatten über Bonitätsprüfungen und mögliche künftige Steueranpassungen haben jedoch erneut Bedenken unter den Betreibern hinsichtlich möglicher Störungen ausgelöst.
Der Betting and Gaming Council (BGC), der den Bericht in Auftrag gegeben hat, hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, ein regulatorisches Umfeld aufrechtzuerhalten, das verantwortungsbewusstes Glücksspiel fördert und gleichzeitig die Spieler innerhalb des lizenzierten Systems hält.
Ein Sprecher des BGC erklärte: „Beispiele aus ganz Europa zeigen die Gefahren einer übermäßigen Besteuerung und unverhältnismäßigen Regulierung, die die Verbraucher zu nicht lizenzierten Anbietern treiben, die keine der Schutzmaßnahmen des regulierten Sektors bieten.“
Der Bericht weist auch darauf hin, dass die britische Glücksspielkommission (UKGC) kürzlich eingeräumt hat, dass sie nicht in der Lage ist, die Größe des Schwarzmarktes im Land genau zu bestimmen, sodass den politischen Entscheidungsträgern keine genauen Daten über das Ausmaß des Offshore-Glücksspiels vorliegen.
Lehren für europäische Entscheidungsträger
Die Analyse von PwC legt nahe, dass Regierungen zwar ein berechtigtes Interesse an der Steigerung der Einnahmen und dem Schutz der Verbraucher haben, dass jedoch übermäßig aggressive Steuererhöhungen beide Ziele untergraben können. Die Studie plädiert für einen ausgewogenen, evidenzbasierten Ansatz in der Glücksspielpolitik, der neben der sozialen Verantwortung auch der Nachhaltigkeit des Marktes Vorrang einräumt.
Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:
- Durchführung regelmäßiger Folgenabschätzungen vor der Umsetzung von Steuer- oder Werbeänderungen.
- Erwägung schrittweiser Steueranpassungen, um den Betreibern eine Anpassung zu ermöglichen.
- Verbesserung der Aufklärung der Spieler und der Instrumente für verantwortungsbewusstes Spielen innerhalb des regulierten Sektors.
- Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden und Branchenakteuren zur Überwachung von Offshore-Aktivitäten.
Politiker in ganz Europa, von Brüssel bis Berlin, kämpfen derzeit mit diesem heiklen Gleichgewicht. Der Kompromiss zwischen Steuereinnahmen und Marktgesundheit bleibt ein zentraler Konfliktpunkt in der Glücksspielregulierung.
Weiterreichende Auswirkungen auf die iGaming-Branche
Für den iGaming-Sektor dient der Bericht von PwC sowohl als Warnung als auch als Aufruf zum Handeln. Er zeigt auf, wie Besteuerung und Regulierung, obwohl sie wesentliche Instrumente der Governance sind, unbeabsichtigte Folgen haben können, wenn sie nicht auf die Marktgegebenheiten abgestimmt sind.
Die Betreiber müssen sich in diesem Umfeld zurechtfinden, indem sie ihre Portfolios diversifizieren, die Compliance optimieren und in nachhaltige Engagement-Strategien investieren. Unterdessen stehen die Regierungen vor der ständigen Herausforderung, die Regulierung sowohl wirksam als auch verhältnismäßig zu gestalten und sicherzustellen, dass die Spieler in sicheren, lizenzierten Ökosystemen bleiben, anstatt zu unregulierten Alternativen abzuwandern.
Letztendlich bestätigen die Ergebnisse von PwC einen Grundsatz, der Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern gleichermaßen bekannt ist: Wenn die Besteuerung eher strafend als pragmatisch ist, besteht die Gefahr, dass sowohl die Marktintegrität als auch der öffentliche Nutzen beeinträchtigt werden.
Fazit
Die PwC-Studie liefert wertvolle Einblicke in das komplexe Zusammenspiel zwischen Besteuerung, Regulierung und Verbraucherverhalten auf den europäischen Glücksspielmärkten. Sie kommt zu dem Schluss, dass höhere Glücksspielsteuern und restriktive Maßnahmen nicht unbedingt zu höheren Einnahmen oder sichererem Spielen führen. Stattdessen vertreiben sie oft die Verbraucher aus regulierten Umgebungen und untergraben damit genau die Ziele, die sie erreichen wollen.
Während die europäischen Regierungen ihre Glücksspielrahmenbedingungen weiter neu kalibrieren, bietet die Analyse von PwC eine zeitgemäße Erinnerung: Eine wirksame Regulierung muss auf Ausgewogenheit beruhen, nicht auf Belastung.
Häufig gestellte Fragen
Was war der Zweck der PwC-Studie?
Die Studie hatte zum Ziel, zu untersuchen, wie sich unterschiedliche Steuer- und Regulierungspolitiken auf den europäischen Glücksspielmärkten auf das Spielerverhalten, das Marktwachstum und die staatlichen Einnahmen auswirken.
Wer hat den Bericht in Auftrag gegeben?
Die Analyse wurde vom Betting and Gaming Council (BGC) in Auftrag gegeben, der lizenzierte Glücksspielanbieter im Vereinigten Königreich vertritt.
Was hat PwC über den britischen Glücksspielmarkt herausgefunden?
PwC stellte fest, dass der britische Markt relativ stabil bleibt, wobei die Steuersätze weitgehend dem europäischen Durchschnitt entsprechen und moderate Regulierungsmaßnahmen die Spieler weitgehend innerhalb des lizenzierten Systems halten.
Wie wirken sich höhere Glücksspielsteuern auf die Spieler aus?
Höhere Steuern führen oft zu niedrigeren Boni, weniger Werbeaktionen und schlechteren Renditen für die Spieler, was einige dazu veranlasst, zu Offshore- oder nicht lizenzierten Anbietern zu wechseln.
Was versteht man unter Kanalisierung im Glücksspiel?
Kanalisierung bezieht sich auf den Prozentsatz der Glücksspielaktivitäten, die über lizenzierte, regulierte Anbieter innerhalb einer Gerichtsbarkeit stattfinden.
Welche europäischen Länder haben die restriktivsten Glücksspielregelungen?
Frankreich, Deutschland und die Niederlande wurden als Beispiele für stark regulierte Märkte mit relativ niedrigen Onshore-Beteiligungsquoten genannt.
Warum sind die Glücksspieleinnahmen in Deutschland zurückgegangen?
Die Einführung einer Umsatzsteuer von 5,3 % auf Einsätze reduzierte die verfügbaren Spielarten erheblich und führte zu einem starken Rückgang der Steuereinnahmen aus Online-Slots und Poker.
Wie reagieren Spieler auf reduzierte Boni?
Spieler, insbesondere diejenigen in Segmenten mit höheren Ausgaben, reagieren sehr empfindlich auf Wertminderungen und suchen eher nach nicht lizenzierten Alternativen.
Was sind die Empfehlungen von PwC für politische Entscheidungsträger?
PwC schlägt vor, Verbraucherschutz und fiskalische Ziele in Einklang zu bringen, starke Steuererhöhungen zu vermeiden und die Zusammenarbeit zur Überwachung der Schwarzmarktaktivitäten zu verstärken.
Was ist das allgemeine Fazit der Studie?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass höhere Glücksspielsteuern und strenge Regulierung oft nach hinten losgehen, da sie die Onshore-Aktivitäten und die allgemeine Steuereffizienz verringern und die Spieler zu unregulierten Plattformen treiben.








































