Neurodivergente Personen haben höheres Glücksspiel Risiko

Eine von GambleAware in Auftrag gegebene umfassende Studie, die von IFF Research in Zusammenarbeit mit der Universität Bristol durchgeführt wurde, hat wichtige Erkenntnisse über das Risiko von Glücksspielschäden bei Menschen mit neurodiversen Störungen zutage gefördert. Die Studie zeigt, dass Menschen, bei denen neurologische Entwicklungsstörungen wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrum-Störung (ASS) diagnostiziert wurden, ein wesentlich höheres Risiko haben, negative Folgen des Glücksspiels zu erleiden – doppelt so hoch wie ihre neurotypischen Mitmenschen.
Diese Studie ist Teil eines umfassenderen Projekts zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen neurodiversen Störungen und Glücksspielverhalten. Die Forscher betonen, wie wichtig es ist, zu verstehen, wie neurodiverse Menschen Glücksspiel betreiben und was getan werden kann, um die damit verbundenen potenziellen Schäden zu mindern.
Verständnis der Glücksspielanfälligkeit neurodiverser Menschen
Die Studie lässt zwar nicht den Schluss zu, dass neurodivergente Menschen häufiger Glücksspiele spielen als andere, sie hebt jedoch wichtige Verhaltens- und kognitive Merkmale hervor, die sie anfälliger für glücksspielbezogene Schäden machen können. Im Gegensatz zu neurotypischen Menschen spielen neurodivergente Menschen häufig, um Routinen zu etablieren, sensorische Bedürfnisse zu befriedigen oder soziale Interaktionen in einer strukturierten Umgebung zu bewältigen.
Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie ist, dass bestimmte Formen des Glücksspiels, insbesondere schnelle und sich wiederholende Spiele wie Spielautomaten, ein erhöhtes Risiko für neurodivergente Spieler darstellen. Diese Spiele bieten unmittelbare Rückmeldung, ein strukturiertes, aber dynamisches Erlebnis und sensorische Stimulation, was für Personen mit ADHS und ASD besonders attraktiv sein kann. Diese erhöhte Anziehungskraft auf schnelles und sich wiederholendes Spielen erhöht das Risiko, dass sie ein problematisches Spielverhalten entwickeln.
Wie sensorische und kognitive Faktoren das Glücksspielverhalten beeinflussen
Viele neurodivergente Menschen verarbeiten Informationen anders als neurotypische Menschen. Die strukturierte, vorhersehbare Natur einiger Glücksspiele kann mit den kognitiven Vorlieben von Menschen mit Autismus übereinstimmen, während die hohe Stimulation und die sofortige Belohnung bei Glücksspielen für Menschen mit ADHS besonders attraktiv sein können.
Bei Personen mit ADHS können Impulsivität und Schwierigkeiten mit der verzögerten Belohnung zu längeren Glücksspielsitzungen führen, was die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung schädlicher Glücksspielmuster erhöht. Andererseits können sich Autisten zum Glücksspiel hingezogen fühlen, da es sich um ein sich wiederholendes Spiel handelt, das in einer strukturierten Umgebung abläuft und bei dem kaum unvorhersehbare soziale Interaktionen erforderlich sind.
Diese Tendenzen machen neurodivergente Personen anfälliger für Glücksspielschäden, auch wenn sich ihre Gesamthäufigkeit des Glücksspiels nicht wesentlich von der neurotypischer Personen unterscheidet.
Hindernisse für die Inanspruchnahme formaler Unterstützung bei Glücksspielproblemen
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist die Frage, wie neurodivergente Personen mit spielbedingten Schäden umgehen. Viele verlassen sich stark auf informelle Unterstützungsnetzwerke, wie Familienmitglieder, enge Freunde oder Online-Communities, anstatt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Mehrere Hindernisse tragen zu dieser Zurückhaltung bei, formelle Unterstützung zu suchen. Neurodivergente Menschen sind oft sensorisch empfindlich, so dass sie überfüllte oder ungewohnte Umgebungen als überwältigend empfinden. Die Navigation durch komplexe Unterstützungssysteme, das Ausfüllen von Papieren oder lange Gespräche mit Fachleuten können auch kognitiv anstrengend sein. All diese Faktoren halten viele neurodiverse Menschen davon ab, die professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie benötigen.
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, den Zugang zu Unterstützungsdiensten für Glücksspieler zu erleichtern, indem diese auf die besonderen kognitiven und sensorischen Bedürfnisse neurodiverser Menschen zugeschnitten werden. Dazu gehört, dass der Zugang zu Unterstützungsprogrammen vereinfacht wird, dass alternative Kommunikationsmethoden wie Online-Chat oder textbasierte Beratungen angeboten werden und dass Interventionen entwickelt werden, die unterschiedlichen Verarbeitungsstilen Rechnung tragen.
Personalisierte Behandlungs- und Interventionsstrategien
Als Reaktion auf diese Ergebnisse betonen die Forscher, wie wichtig es ist, spezielle Interventionsstrategien zu entwickeln. Herkömmliche Unterstützungsdienste für Glücksspieler sind für neurodiverse Personen möglicherweise nicht wirksam, so dass eine Verlagerung hin zu individuelleren, flexibleren und integrativen Behandlungsoptionen erforderlich ist.
„Wir hoffen, dass die wichtigen Erkenntnisse aus dieser Studie auch in die künftigen Präventions- und Behandlungssysteme für Glücksspielschäden einfließen werden, um sicherzustellen, dass sie für alle wirksam sind.
Die Schaffung von Unterstützungsprogrammen, die auf neurodiverse Menschen zugeschnitten sind, bedeutet, dass ihre besonderen Bedürfnisse erkannt werden. Zu den Strategien könnten gehören:
- Sinnesfreundliche Unterstützungsoptionen: Bereitstellung ruhigerer Räume, Online-Therapiesitzungen oder textbasierte Beratungsstellen, um die Reizüberflutung zu reduzieren.
- Vereinfachte Hilfsprozesse: Erleichterung des Zugangs zu Unterstützungsdiensten für Spielsüchtige durch den Abbau bürokratischer Hürden und eine klarere Anleitung.
- Kognitive und verhaltenstherapeutische Anpassungen: Einsatz von Instrumenten wie strukturierte Verhaltenstherapie, Zielsetzungsstrategien und alternative Bewältigungsmechanismen, um Glücksspielprobleme effektiver anzugehen.
Die letzte Phase: Co-Design von Unterstützungsressourcen
Die Forschung befindet sich derzeit in der letzten Phase, in der in Zusammenarbeit mit Experten, Fachleuten und Personen mit Lebenserfahrung spezielle Ressourcen für Unterstützungsdienste bei Glücksspielschäden entwickelt werden. Durch die Einbeziehung neurodiverser Personen in den Entwicklungsprozess soll sichergestellt werden, dass die angebotene Unterstützung sowohl effektiv als auch zugänglich ist.
„Wir freuen uns, dass wir jetzt mitten in der dritten und letzten Phase dieser Forschung sind, in der wir gemeinsam mit Ara und unserem Beratungsgremium aus Fachleuten und Experten für Lebenserfahrung die Hilfsmittel entwickeln. Dieser wichtige Schritt wird sicherstellen, dass die Forschung einen bedeutenden Einfluss auf die künftige Bereitstellung von Glücksspielunterstützungsdiensten für Menschen mit neurodiversen Störungen haben wird.
Dieser kollaborative Ansatz wird dazu beitragen, eine Zukunft zu gestalten, in der Interventionsprogramme für das Glücksspiel unter Berücksichtigung der Inklusion entwickelt werden. Ziel ist es, neurodiversen Menschen die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, und gleichzeitig die üblichen Hindernisse für den Zugang zur Hilfe zu beseitigen.
Umgang mit Glücksspielschäden in einer neurodiversen Gesellschaft
Die Veröffentlichung dieser Studie fällt mit der Neurodiversity Celebration Week zusammen, einer jährlichen Initiative, die das Bewusstsein und das Verständnis für Neurodiversität fördert. GambleAware und seine Forschungspartner hoffen, durch die Verknüpfung dieser Studie mit einer breiteren Diskussion über Neurodiversität ein größeres öffentliches Bewusstsein für die besonderen Herausforderungen zu schaffen, denen sich neurodiverse Menschen beim Glücksspiel gegenübersehen, und politische Maßnahmen zu ergreifen.
Da das Bewusstsein für neurodiverse Menschen weiter wächst, ist es unerlässlich, dass die Politik zur Regulierung des Glücksspiels und Strategien zur Schadensbegrenzung die besonderen Bedürfnisse neurodiverser Menschen berücksichtigen. Diese Forschung dient als Aufruf zum Handeln für politische Entscheidungsträger, Gesundheitsdienstleister und die Glücksspielindustrie, gemeinsam an der Entwicklung von inklusiven und effektiven Maßnahmen zur Prävention von Glücksspielschäden zu arbeiten.
Schlussfolgerung
Die jüngste Studie von GambleAware ist ein entscheidender Schritt zum Verständnis der Überschneidung von Neurodivergenz und Glücksspielproblemen. Da neurodiverse Menschen ein erhöhtes Risiko für glücksspielbezogene Probleme haben, ist es dringend notwendig, Unterstützungsdienste auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Durch die Anpassung von Interventionsstrategien und die Verbesserung der Zugänglichkeit können die Bemühungen zur Prävention von Glücksspielschäden integrativer und wirksamer werden.
In der letzten Phase dieser Forschungsarbeit wird die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus den Bereichen Glücksspiel, psychische Gesundheit und Neurodiversität entscheidend sein. Das letztendliche Ziel ist es, ein Glücksspielumfeld zu schaffen, in dem alle Menschen, unabhängig von ihrem neurologischen Profil, Zugang zu der Unterstützung und den Ressourcen haben, die sie benötigen, um informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.
FAQs
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Neurodivergenz und Glücksspielschäden?
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass neurodivergente Personen, wie z. B. Menschen mit ADHS und Autismus, im Vergleich zu neurotypischen Personen doppelt so häufig von Glücksspielschäden betroffen sind.
Spielen neurodivergente Menschen häufiger als andere?
Die Studie fand keine schlüssigen Beweise dafür, dass neurodivergente Personen häufiger Glücksspiele spielen, aber sie könnten aufgrund bestimmter kognitiver und verhaltensbezogener Merkmale anfälliger für glücksspielbezogene Schäden sein.
Warum sind neurodivergente Menschen anfälliger für Glücksspielschäden?
Faktoren wie sensorische Stimulation, Routineverhalten und eine Vorliebe für strukturierte Umgebungen tragen zu einem erhöhten Risiko von Glücksspielschäden bei neurodiversen Personen bei.
Wie wirken sich rasante Glücksspiele auf neurodivergente Spieler aus?
Spiele mit schnellem Feedback, wie z. B. Spielautomaten, können aufgrund ihres strukturierten und sich wiederholenden Charakters besonders attraktiv für neurodiverse Menschen sein und das Risiko eines problematischen Spielverhaltens erhöhen.
Auf welche Unterstützungssysteme verlassen sich neurodivergente Menschen, wenn sie Glücksspielprobleme haben?
Viele neurodiverse Menschen verlassen sich eher auf informelle Unterstützungsnetze wie Freunde und Familie, als dass sie professionelle Hilfe beim Glücksspiel in Anspruch nehmen.
Welche Barrieren hindern neurodivergente Menschen daran, Glücksspielsupport in Anspruch zu nehmen?
Kognitive Überlastung, sensorische Empfindlichkeiten und Schwierigkeiten, sich in komplexen Unterstützungssystemen zurechtzufinden, sind häufige Hindernisse, die neurodiverse Menschen davon abhalten, Hilfe zu suchen.
Wie können Glücksspielservices für neurodiverse Menschen verbessert werden?
Maßgeschneiderte Interventionsstrategien, die kognitive und sensorische Herausforderungen berücksichtigen, können den Zugang zu Glücksspielangeboten für neurodiverse Menschen erleichtern und ihre Wirksamkeit erhöhen.
Welche Rolle spielt GambleAware bei der Bekämpfung von Glücksspielschäden?
GambleAware gibt Forschungsarbeiten in Auftrag und entwickelt Programme zur Vorbeugung und Verringerung von Glücksspielschäden, einschließlich Studien über gefährdete Bevölkerungsgruppen wie neurodiverse Menschen.
Welche Bedeutung hat die Neurodiversity Celebration Week für diese Forschung?
Die Neurodiversity Celebration Week schärft das Bewusstsein für unterschiedliche kognitive Verarbeitungsstile und ist daher ein wichtiger Zeitpunkt, um die Forschung zu Glücksspielrisiken bei neurodiversen Menschen zu beleuchten.
Was sind die nächsten Schritte in dieser Forschung?
In der letzten Phase werden gemeinsam mit Experten und Personen mit Lebenserfahrung spezielle Ressourcen zur Unterstützung beim Glücksspiel entwickelt, um die Zugänglichkeit und Wirksamkeit zu verbessern.
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