Geheimhaltung der Festivalkosten in Malta sorgt für Kritik

Das maltesische Kulturministerium steht erneut unter zunehmender Kritik, nachdem bekannt wurde, dass Filmkommissar Johann Grech den britischen Fernsehmoderator David Walliams zum vierten Mal in Folge als Moderator des Mediterrane Film Festivals engagiert hat. Trotz anhaltender Kontroversen und früherer öffentlicher Kritik an Walliams' Vergütung haben weder Kulturminister Owen Bonnici noch Grech die Kosten für seinen jüngsten Auftritt offengelegt.
Dieses anhaltende Schweigen hat erneut Kritik an der mangelnden Transparenz bei der Verwaltung der öffentlichen Mittel für das wichtigste Filmereignis des Landes ausgelöst. Quellen aus Regierungskreisen bezeichnen die Entscheidung als symbolisch für eine zunehmende Missachtung der Rechenschaftspflicht, insbesondere angesichts der zuvor gemeldeten Zahlung von 120.000 Euro an Walliams für eine zweistündige Präsentation bei den Malta Film Awards 2022.
Öffentliche Gelder und politischer Ermessensspielraum
Die Angelegenheit ist mittlerweile mehr als nur eine Frage der Veranstaltungsplanung; sie wirft nun ernsthafte Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Beschaffungsverfahren und des potenziellen Missbrauchs staatlicher Ressourcen auf. Das Fehlen eines Wettbewerbsverfahrens und die mangelnde Veröffentlichung der Vertragsbedingungen werfen wichtige Fragen der Regierungsführung auf.
Mehrere Quellen behaupten, dass Grech – der unter der Regierung von Premierminister Robert Abela erheblichen politischen Schutz genießt – ein Netzwerk von Regierungsstellen genutzt hat, um Gelder auf eine Weise zu beschaffen, die eine ordnungsgemäße Beschaffungskontrolle umgeht. Diese dezentrale Finanzierungsstrategie ermöglicht es dem Kommissar Berichten zufolge, die üblichen Kontrollmechanismen zu umgehen, darunter die parlamentarische Kontrolle, Ausschreibungen und die Aufsicht durch das Ministerium.
Anhaltende Herausforderungen im Bereich der Informationsfreiheit
Nachdem sowohl Bonnici als auch Grech sich geweigert hatten, Angaben zu den Ausgaben für Walliams' Auftritt im Jahr 2025 zu machen, hat The Shift News einen Antrag auf Informationsfreiheit (FOI) gestellt, um Unterlagen über die Ausgaben des Festivals zu erhalten. Das Medienhaus hat bereits einen Rechtsstreit in einem ähnlichen FOI-Fall im Zusammenhang mit der Ausgabe 2023 des Festivals gewonnen, doch die Informationen werden aufgrund einer Berufung des Filmkommissars weiterhin zurückgehalten.
Obwohl der Datenschutzbeauftragte zugunsten einer Offenlegung entschieden hat, hat Grechs Berufung zu weiteren Verzögerungen geführt, was die Frustration und das Misstrauen der Öffentlichkeit weiter verstärkt hat. Anfragen nach Zahlungsbelegen für die Ausgaben 2024 und 2025 sind weiterhin ungelöst und warten auf eine ministerielle oder gerichtliche Intervention.
Unerklärliche Ausgaben und steigende Budgetschätzungen
Obwohl die genauen Kosten weiterhin nicht offengelegt werden, schätzen zuverlässige Quellen innerhalb der Logistikteams des Festivals, dass das Mediterrane Film Festival jährlich zwischen 4 und 5 Millionen Euro kostet. Diese Zahlen sollen eine Vielzahl von Ausgaben abdecken, darunter Luxusunterkünfte, Charterflüge, Catering, Bühnenproduktion, Feuerwerke und den Transport der Gäste mit Yachten.
Ein beträchtlicher Teil dieses Budgets scheint für eine exklusive Galaveranstaltung vorgesehen zu sein, die laut Kritikern eher als Networking-Soirée für eine politisch vernetzte Elite dient als eine legitime kulturelle Feier. Dutzende von Eingeladenen sollen Bekannte von Grech und Bonnici sein, was Bedenken hinsichtlich Bevorzugung und mangelnder leistungsorientierter Einbeziehung aufkommen lässt.
Beteiligung von Prominenten und selektive Offenlegung
Die wiederholte Teilnahme von David Walliams an der Veranstaltung ist zu einem Schwerpunkt der Kritik geworden, nicht nur wegen der angeblich hohen Honorare, sondern auch wegen des Fehlens einer öffentlichen Ausschreibung oder einer formellen Begründung für seine wiederholte Auswahl. Die mangelnde Vertragstransparenz wirft Fragen darüber auf, ob die ausgegebenen Mittel mit den Grundsätzen der guten Regierungsführung und der Wirtschaftlichkeit vereinbar sind.
In ähnlicher Weise ist auch der maltesische Tenor Joseph Calleja zu einer festen Größe bei der Veranstaltung geworden, wobei seine Auftrittsvereinbarungen ebenfalls undurchsichtig sind. Zwar gibt es keine Anzeichen für ein Fehlverhalten, doch die Weigerung, selbst die grundlegendsten Informationen – wie Gagen, Flug- und Unterbringungskosten – offenzulegen, untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit.
Historischer Kontext: Von der Preisverleihung zum vollwertigen Festival
Die anhaltende Finanzkontroverse lässt sich bis zu den Malta Film Awards 2022 zurückverfolgen, bei denen David Walliams sein Debüt als Moderator einer prominenten, staatlich finanzierten Veranstaltung gab, die die Steuerzahler vermutlich mehr als 1 Million Euro gekostet hat. Die öffentliche Empörung konzentrierte sich damals auf die unverhältnismäßigen Kosten für eine kurze Veranstaltung in einem Land, das mit zahlreichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hat.
Bis 2023 wurde die Veranstaltung zum Mediterrane Film Festival umgestaltet, einer erweiterten Version, die Filmvorführungen, Branchenpanels und Preisverleihungen über mehrere Tage hinweg umfasst. Während die Formatänderung als Schritt in Richtung internationaler kultureller Anerkennung positioniert wurde, blieb die finanzielle Aufsicht durchweg vage.
Politische Folgen und ignorierte Warnungen
Die Kontroverse hat sich nicht in einem Vakuum entwickelt. Im Jahr 2023 soll der damalige Tourismusminister Clayton Bartolo, der inzwischen seines Amtes enthoben wurde, Grech angewiesen haben, Praktiken, die als übertrieben und ungerechtfertigt angesehen werden, nicht zu wiederholen. Diese Anweisungen scheinen ignoriert worden zu sein.
Eine besonders umstrittene Entscheidung von Grech betraf die Beauftragung eines 10-minütigen Kurzfilms mit einem Budget von 500.000 Euro, in dem er persönlich mitspielte. Diese Ausgabe stieß auf erhebliche Kritik von Oppositionspolitikern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, von denen viele sie als unverantwortliche Verwendung von Mitteln zur Förderung der Kreativwirtschaft Maltas bezeichneten.
Grechs Handlungen wurden keineswegs eingeschränkt, sondern scheinen unvermindert fortgesetzt worden zu sein, was umfassendere Fragen zur ministeriellen Aufsicht und zur Rechtsstaatlichkeit aufwirft.
Ein systemischer Mangel an Rechenschaftspflicht
Die anhaltende Intransparenz in Bezug auf das Mediterrane Film Festival verdeutlicht ein allgemeineres Problem der Regierungsführung im maltesischen Kultursektor. Während die Förderung der Kultur eine legitime und wertvolle Verwendung öffentlicher Mittel ist, öffnet das Fehlen strenger Finanzkontrollen und öffentlicher Berichtsmechanismen Tür und Tor für potenziellen Missbrauch und fördert den Zynismus der Öffentlichkeit.
Die wiederholte Weigerung von Ministerin Bonnici, grundlegende finanzielle Informationen wie Festivalbudgets, Beschaffungsunterlagen und Gasthonorare offenzulegen, deutet auf einen beunruhigenden Trend zur Undurchsichtigkeit hin. Darüber hinaus wirft die anhaltende Unterstützung von Grech durch Premierminister Abela trotz zahlreicher Kontroversen berechtigte Bedenken hinsichtlich der Politisierung staatlich finanzierter Kulturinitiativen auf.
Internationales Image versus lokale Verantwortung
Veranstaltungen wie das Mediterrane Film Festival werden oft als Instrumente der Soft Power beworben, die Maltas internationales Profil stärken und ausländische Investitionen anziehen sollen. Diese Ziele müssen jedoch mit den Erwartungen der Bevölkerung hinsichtlich Integrität, Fairness und finanzpolitischer Vorsicht in Einklang gebracht werden.
Indem die Regierung es versäumt, auf die wachsende Zahl von Fragen von Journalisten, Oppositionspolitikern und Akteuren aus dem Kulturbereich einzugehen, riskiert sie, genau die Glaubwürdigkeit zu untergraben, die sie auf der internationalen Bühne aufbauen möchte. Der wiederholte Einsatz ausländischer Prominenter zu erheblichen öffentlichen Kosten, ohne Ausschreibungsverfahren oder ordnungsgemäße Rechnungslegung, verstärkt den Eindruck institutioneller Straffreiheit.
Fazit
Die anhaltende Kontroverse um David Walliams' Beteiligung am Mediterrane Film Festival und die damit verbundenen größeren Probleme hinsichtlich der Finanzierung sollten als Katalysator für Reformen dienen. Malta kann zwar viel von Kulturdiplomatie und globaler Öffentlichkeitsarbeit profitieren, doch dürfen diese Ziele nicht auf Kosten der Transparenz, des öffentlichen Vertrauens oder der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gehen.
Zu den sofortigen Maßnahmen sollten die Veröffentlichung detaillierter Abrechnungen für alle öffentlichen Kulturausgaben, die Einrichtung unabhängiger Aufsichtsgremien für die Beschaffung von Veranstaltungen und eine erneute Verpflichtung der Regierungsbeamten gehören, im öffentlichen Interesse und nicht zum persönlichen oder politischen Vorteil zu handeln.
FAQs
Was ist das Mediterrane Film Festival?
Es handelt sich um ein jährliches Filmfestival in Malta, das darauf abzielt, filmisches Talent zu präsentieren und die Insel als kulturelles Reiseziel zu fördern.
Wer ist David Walliams und warum ist er daran beteiligt?
David Walliams ist ein britischer Komiker und Autor, der vier Jahre in Folge als Moderator des Festivals engagiert wurde.
Wie viel wurde David Walliams bezahlt?
Im Jahr 2022 erhielt Walliams Berichten zufolge 120.000 Euro für eine zweistündige Veranstaltung. Die Kosten für 2023–2025 sind weiterhin nicht bekannt.
Warum gibt es Kontroversen um das Festival?
Die Hauptbedenken beziehen sich auf die mangelnde Transparenz bei den öffentlichen Ausgaben und das Fehlen eines wettbewerbsorientierten Beschaffungswesens.
Wer ist Johann Grech?
Er ist Maltas Filmbeauftragter und die Hauptfigur hinter der Organisation und Finanzierung des Mediterrane Film Festivals.
Welche Rolle spielt Owen Bonnici?
Als Kulturminister ist er politisch für die Aufsicht über die Filmkommission verantwortlich, hat jedoch wichtige finanzielle Details nicht offengelegt.
Wurden rechtliche Schritte unternommen, um die Kosten offenzulegen?
Ja, Journalisten haben Anträge auf Informationsfreiheit gestellt und Berufung eingelegt, aber viele Unterlagen bleiben weiterhin unzugänglich.
Wie hoch sind die geschätzten Kosten des Festivals pro Jahr?
Schätzungen zufolge kostet das Festival die Steuerzahler jährlich zwischen 4 und 5 Millionen Euro.
Sind weitere Prominente an der Veranstaltung beteiligt?
Ja, der maltesische Tenor Joseph Calleja tritt ebenfalls regelmäßig beim Festival auf.
Welche Reformen werden gefordert?
Kritiker fordern mehr finanzielle Transparenz, öffentliche Ausschreibungen für Verträge und eine unabhängige Kontrolle der Kulturausgaben.








































