Gericht Rotterdam: Betsson soll €385K an Spieler zurückzahlen

In einem Grundsatzurteil hat das Bezirksgericht Rotterdam die Online-Glücksspielbetreiber BML Group und Corona Limited, Tochtergesellschaften von Betsson AB, dazu verurteilt, einem niederländischen Spieler, der das Geld vor der Legalisierung des Online-Glücksspiels in den Niederlanden auf ihren Plattformen verloren hatte, 385.378 Euro zurückzuzahlen. Die Entscheidung des Gerichts, die Anfang April 2025 erging, verpflichtet die Beklagten außerdem zur Übernahme von Verfahrenskosten in Höhe von 5 751 Euro.
Glücksspielverluste vor der Regulierung als unrechtmäßig eingestuft
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein Kläger aus Schiedam, der im Jahr 2014 mehrere von der BML Group betriebene Online-Glücksspielplattformen, darunter Betsson und Kroon Casino, nutzte. Zu diesem Zeitpunkt war das Online-Glücksspiel in den Niederlanden noch nicht legal. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Betsson niederländischen Spielern Glücksspieldienste ohne lokale Lizenz anbot und somit nach niederländischem Verbraucher- und Glücksspielrecht unrechtmäßig tätig war. Folglich können alle Verluste, die niederländischen Spielern auf diesen Plattformen während des unregulierten Zeitraums entstanden sind, als erstattungsfähig angesehen werden.
In seinem Urteil hob das Bezirksgericht Rotterdam hervor, dass die Verträge zwischen dem Spieler und den Glücksspielbetreibern aufgrund der fehlenden Lizenzierung nichtig waren. Folglich muss das Geld, das der Spieler auf diesen nicht lizenzierten Websites verloren hat, in vollem Umfang zurückerstattet werden.
Verfahrensrechtliche Folgen und sofortige Vollstreckbarkeit
Das Urteil des Gerichts ist sofort rechtskräftig. BML Group und Corona Limited müssen dem Urteil innerhalb von 14 Tagen nachkommen oder riskieren gesetzliche Zinsen auf den nicht gezahlten Betrag. Sollten die Unternehmen dieser Verpflichtung nicht nachkommen, wird das Gericht eine zusätzliche Vollstreckungsgebühr von 92 € erheben.
Die Beklagten haben sich noch nicht öffentlich zu dem Urteil geäußert, und es ist unklar, ob sie Berufung gegen die Entscheidung einlegen werden. Die Vollstreckbarkeit des Urteils bedeutet jedoch, dass sie zur Zahlung verpflichtet sind, es sei denn, es wird ein Aufschub gewährt oder das Urteil wird in der Berufung aufgehoben.
Betssons Ausstieg und Wiedereinstieg auf dem niederländischen Markt
Betsson hat sein Glücksspielangebot für niederländische Spieler im Oktober 2021 eingestellt, demselben Jahr, in dem die Niederlande offiziell ihren regulierten Online-Glücksspielmarkt eröffnet haben. Trotz seiner langjährigen Präsenz in der europäischen Glücksspielszene hatte Betsson zunächst keine der zehn Betriebslizenzen erhalten, die im Rahmen des niederländischen Gesetzes über das ferngesteuerte Glücksspiel (KOA) erteilt wurden.
Das Unternehmen hat jedoch weiterhin Interesse am niederländischen Markt gezeigt. Im Februar 2024 erwarb Betsson Holland Gaming Technology Ltd, ein lokales Unternehmen mit Lizenzierungspotenzial, und signalisierte damit seine Absicht, wieder in den niederländischen Glücksspielmarkt einzutreten, und zwar unter Einhaltung der geltenden Vorschriften.
Bislang hat Betsson noch keine Lizenz direkt unter eigenem Namen erhalten. Die Übernahme von Holland Gaming Technology könnte den Weg für einen indirekten Marktzugang ebnen, je nachdem, wie die niederländischen Behörden die Beziehung interpretieren und die Einhaltung der Vorschriften beurteilen.
Ein umfassenderes Problem: Illegales Glücksspiel ist nach wie vor weit verbreitet
Das Rotterdamer Gerichtsurteil ist zwar bedeutsam, spiegelt aber auch ein breiteres Problem wider, mit dem sich die niederländischen Behörden weiterhin auseinandersetzen müssen – nämlich das Fortbestehen illegaler Glücksspielaktivitäten.
Der jüngste Jahresbericht (FY24) der Kansspelautoriteit (KSA), der niederländischen Glücksspielbehörde, zeigte, dass der regulierte Markt zwar um 6 % wuchs und ein Bruttospielergebnis von 1,47 Mrd. € erreichte, dass aber immer noch etwa die Hälfte aller Glücksspielausgaben im Land durch nicht lizenzierte Anbieter fließt.
Diese Daten unterstreichen die anhaltende Attraktivität und Verfügbarkeit illegaler Glücksspielangebote trotz der strengen Durchsetzungs- und Regulierungsmaßnahmen der niederländischen Regierung.
Laufende Durchsetzung durch die niederländische Regulierungsbehörde
Die KSA ist aktiv gegen nicht zugelassene Anbieter vorgegangen. Anfang April 2025 verhängte die Aufsichtsbehörde gegen die in Curaçao ansässige Techno Offshore Ltd. eine Geldstrafe in Höhe von 1,2 Millionen Euro, weil sie niederländischen Spielern illegale Online-Casino-Dienste angeboten hatte. Dies folgt einer Reihe von Durchsetzungsmaßnahmen gegen Offshore- und nicht zugelassene Unternehmen, die weiterhin die niederländischen Vorschriften umgehen, indem sie ihre Dienste online zugänglich machen.
In einem separaten Bericht erläuterte die KSA ihre Prioritäten im Bereich des Spielerschutzes, zu denen die Erhöhung der Transparenz, die Verbesserung der Erschwinglichkeitsprüfungen und die Sicherstellung, dass die Glücksspielwerbung den nationalen Standards entspricht, gehören.
Für das laufende Jahr hat sich die KSA vorgenommen, einen besonderen Schwerpunkt auf die Suchtprävention zu legen. Sie hat ein spezielles Team innerhalb der Regulierungsbehörde eingerichtet, das sich mit der Bekämpfung von Glücksspielschäden, der Durchsetzung von Spielerbeschränkungen und der verstärkten Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden befasst.
Präzedenzfall könnte die Schleusen öffnen
Das Urteil des Rotterdamer Gerichts könnte einen wichtigen Präzedenzfall in der niederländischen Rechtsprechung schaffen. Rechtsexperten vermuten, dass andere Spieler, die vor 2021 auf nicht lizenzierten Glücksspielplattformen Geld verloren haben, nun unter Berufung auf ähnliche Rechtsgrundlagen eine Entschädigung fordern könnten. Dies könnte zu einer Welle von Rechtsstreitigkeiten gegen Offshore-Anbieter führen, die vor der offiziellen Regulierung des Marktes die niederländischen Rechtsvorschriften nicht eingehalten haben.
Der hier aufgestellte Grundsatz, dass nicht zugelassene Betreiber keine Rechtsgrundlage hatten, um niederländischen Spielern Dienstleistungen anzubieten, und daher für zurückgegebene Verluste haften, könnte sich als wegweisend erweisen. Berichten zufolge prüfen Anwaltskanzleien in den Niederlanden bereits die Möglichkeit von Sammelklagen oder Massenklagen gegen ausländische Betreiber, die den niederländischen Markt vor 2021 ins Visier genommen haben.
Reaktion der Branche und Auswirkungen auf die Betreiber
Die Entscheidung hat in der europäischen Online-Glücksspielbranche große Wellen geschlagen. Betreiber, die in der Vergangenheit ohne ordnungsgemäße Lizenzierung auf dem niederländischen Markt tätig waren, bewerten ihr rechtliches Risiko neu. Abhängig von den nationalen Gesetzen drohen den Unternehmen nicht nur Ansprüche wegen Kundenverlusten, sondern auch Strafen für das illegale Anbieten von Dienstleistungen.
Darüber hinaus unterstreicht das Urteil die Bedeutung lokaler Zulassungsregelungen. Selbst wenn keine förmliche Beschwerde vorliegt, kann das Anbieten von Diensten in einem Land ohne ordnungsgemäße Genehmigung später ein Grund für rechtliche Schritte sein.
Der Fall dient auch als deutliche Warnung an Offshore-Unternehmen, die in den Niederlanden weiterhin unerlaubte Glücksspiele anbieten. Trotz moderner Geoblocking-Tools und Compliance-Mechanismen sind viele Websites immer noch für niederländische Spieler zugänglich, oft mit übersetztem Inhalt, lokalen Zahlungslösungen und niederländischsprachigem Kundensupport – Praktiken, die nach Ansicht der KSA auf den heimischen Markt abzielen.
Schlussfolgerung
Die Entscheidung des Rotterdamer Gerichts bestätigt nicht nur die Rechte von Spielern, die durch nicht lizenziertes Glücksspiel geschädigt wurden, sondern ist auch ein Zeichen für die Reifung der niederländischen Glücksspielrechtsprechung in der Zeit nach der Regulierung. In dem Maße, in dem die KSA ihre Durchsetzungsmaßnahmen verschärft und Gerichte ihre Bereitschaft zeigen, ausländische Betreiber zur Verantwortung zu ziehen, wird der Druck auf den grauen Markt immer größer.
Es bleibt abzuwarten, ob dieser Fall ähnliche Klagen nach sich ziehen oder zu einer Verbesserung der Gesetzgebung führen wird. Es ist jedoch klar, dass sowohl die Gerichte als auch die Aufsichtsbehörden in den Niederlanden sich zunehmend für den Schutz der Spieler einsetzen und Glücksspielunternehmen zur Rechenschaft ziehen – insbesondere solche, die außerhalb der Legalität agieren.
FAQs
Wie lautete das Urteil des Rotterdamer Gerichts über Betsson?
Das Bezirksgericht Rotterdam hat die Betsson-Tochtergesellschaften BML Group und Corona Limited dazu verurteilt, einem niederländischen Spieler 385.378 € für Verluste auf nicht lizenzierten Plattformen zu erstatten.
Warum hat der Spieler eine Rückerstattung erhalten?
Das Gericht entschied, dass die Glücksspieldienste illegal angeboten wurden, da die Unternehmen zu diesem Zeitpunkt keine niederländische Lizenz besaßen, so dass die Vereinbarung nichtig war.
Seit wann sind Online-Glücksspiele in den Niederlanden legal?
Die Niederlande haben das Online-Glücksspiel im Oktober 2021 durch das Gesetz über Fernwetten (KOA) legalisiert.
Was passiert, wenn Betsson den Betrag nicht zurückzahlt?
Wenn der Betrag nicht innerhalb von 14 Tagen zurückgezahlt wird, werden gesetzliche Zinsen und eine Vollstreckungsgebühr von 92 € fällig.
Besitzt Betsson derzeit eine niederländische Lizenz?
Nein, Betsson besitzt keine niederländische Lizenz, hat aber 2024 Holland Gaming Technology erworben, um möglicherweise wieder auf den Markt zu kommen.
Ist dies der erste Fall dieser Art in den Niederlanden?
Es ist einer der bekanntesten Fälle, und Rechtsexperten glauben, dass er einen Präzedenzfall für ähnliche Klagen schaffen könnte.
Wie viel ist in den Niederlanden im illegalen Glücksspiel im Umlauf?
Nach Angaben der KSA gehen immer noch etwa 50 % der Ausgaben für Glücksspiele an nicht zugelassene Anbieter.
Welche Schritte unternimmt die KSA gegen illegale Anbieter?
Die KSA verhängt Geldbußen, verstärkt die Durchsetzung der Vorschriften und verbessert die Mechanismen zum Schutz der Spieler, einschließlich der Suchtprävention.
Können andere Spieler jetzt gegen nicht zugelassene Betreiber klagen?
Ja, dieses Urteil könnte andere betroffene Spieler ermutigen, rechtliche Schritte gegen Betreiber einzuleiten, die vor 2021 illegale Glücksspiele angeboten haben.
Wie hat die Glücksspielbranche reagiert?
Das Urteil hat bei den internationalen Betreibern Besorgnis über die bisherigen rechtlichen Risiken und die Risiken bei der Einhaltung der Vorschriften in regulierten Märkten ausgelöst.
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