Gozo Straßenprojekt nutzt illegalen Beton aus Werk ohne Lizenz

Gozo road project uses illegal concrete from unlicensed plant

Ein großes Straßenbauprojekt auf Gozo – die Verbindung zwischen Victoria und Marsalforn – ist in die Kritik geraten, weil angeblich illegal hergestellter Beton verwendet wird, was gegen die Bedingungen einer öffentlichen Ausschreibung im Wert von 9 Millionen Euro verstößt. Das Projekt, das vom Ministerium für Gozo überwacht wird, hat ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Einhaltung, Überwachung und Durchsetzung von Umwelt- und Baugesetzen auf der Insel aufgeworfen.

Laut Berichten und visuellen Beweisen, die vom Ministerium für Gozo selbst veröffentlicht wurden, wurden auf der Baustelle Betonmischfahrzeuge mit dem Namen Prax Ltd gesichtet. Das Unternehmen steht Berichten zufolge in Verbindung mit einem nicht lizenzierten Betonwerk in Kerċem, das seit 2019 ohne gültige Genehmigung in Betrieb ist. Trotz zahlreicher Medienberichte, die auf dieses Problem hingewiesen haben, soll das Werk seinen Betrieb ohne Unterbrechung fortgesetzt haben.

Die nicht genehmigte Anlage in Kerċem

Die fragliche Mischanlage soll sich auf öffentlichem Grund befinden und gehört Joseph Portelli zusammen mit seinen Partnern Mark Agius, allgemein bekannt als Ta' Dirjanu, und Daniel Refalo. Der fortgesetzte Betrieb der Anlage trotz fehlender Umwelt- und Planungsgenehmigungen gilt seit langem als Symbol für die lasche Durchsetzung der Vorschriften im Bausektor von Gozo.

Beobachter stellen fest, dass kleinere Betreiber wegen geringfügiger Verstöße mit Durchsetzungsmaßnahmen konfrontiert wurden, während die Anlage in Kerċem weiterhin offen Beton produzieren durfte. Kritiker argumentieren, dass diese offensichtliche Toleranz sowohl die Glaubwürdigkeit der Regulierungsbehörden als auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Rechtsstaatlichkeit untergräbt.

Reaktion der Regierung und Dementi des Ministers

Als er um eine Klarstellung gebeten wurde, ob das Ministerium wissentlich Beton aus einer illegalen Quelle verwendet habe, wies der Minister für Gozo, Clint Camilleri, die Vorwürfe öffentlich zurück. Trotz Fotos und Filmmaterial auf seinen eigenen Social-Media-Konten, die Lkw von Prax Ltd auf der Baustelle zeigen, behauptete Camilleri, dass das Projekt alle gesetzlichen Standards einhalte.

In einer Erklärung gegenüber den Medien sagte ein Sprecher des Ministeriums für Gozo:

„Nach Überprüfungen wurde der Auftraggeber (das Ministerium für Gozo) darüber informiert, dass der Beton von einem der Partner des Joint Ventures geliefert wird, der über eine legale Betonmischanlage verfügt.“

Das Ministerium übertrug die Verantwortung für die Einhaltung der Vorschriften dem Projektleiter und dem technischen Team und fügte hinzu, dass das Ministerium volles Vertrauen in seine Beamten und Projektleiter habe, um sicherzustellen, dass „alle vertraglichen Verpflichtungen während des gesamten Projektzyklus überwacht, eingehalten und respektiert werden“.

Fragen zur Struktur des Joint Ventures

Das Straßenbauprojekt wird Berichten zufolge von einem Joint Venture zwischen Prax Ltd und Gatt Tarmac Ltd, einem weiteren Bauunternehmen mit Sitz in Gozo, durchgeführt. Im Gegensatz zu Prax betreibt Gatt Tarmac bekanntermaßen eine zugelassene Mischanlage und Asphaltfabrik in Għajnsielem.

Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der für das Projekt verwendete Beton nicht aus der zugelassenen Anlage von Gatt Tarmac stammt, sondern aus der illegalen Anlage in Kerċem, die von Prax betrieben wird. Augenzeugen haben beobachtet, wie Lastwagen die Baustelle in Kerċem verlassen und ihre Ladung direkt an die Straßenbaustelle liefern, was der Behauptung des Ministeriums widerspricht, dass die Materialien aus einer legalen Anlage geliefert wurden.

Nachtbetrieb und lokale Störungen

Die Einwohner von Kerċem haben außerdem einen deutlichen Anstieg des Schwerlastverkehrs in den Nachtstunden gemeldet. Voll beladene Beton-Lkw von Prax sollen nachts auf dem Weg zur Baustelle durch die zentralen Straßen des Dorfes fahren. Diese Entwicklung hat Berichten zufolge zu Störungen geführt und Sicherheitsbedenken bei den Einheimischen ausgelöst, da die Straßen in der Wohngegend schmal sind und die Sichtverhältnisse eingeschränkt sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Werk Gatt Tarmac in Għajnsielem nachweislich nachts den Betrieb einstellt, was darauf hindeutet, dass der für die Nachtarbeiten gelieferte Beton nicht von dort stammen kann. Dies untermauert die Behauptung, dass das illegale Werk in Kerċem weiterhin in Betrieb ist und direkt zu dem öffentlichen Bauprojekt beiträgt.

Muster wiederholter Verstöße

Dies ist nicht der erste Fall, in dem öffentliche Projekte in Gozo mit der Verwendung nicht zugelassener Materialien aus Portellis Unternehmen in Verbindung gebracht wurden. In den letzten Jahren tauchten ähnliche Vorwürfe während des Baus eines Schwimmbadkomplexes in Victoria auf. Diese Anlage, die von Premierminister Robert Abela eingeweiht wurde, wurde Berichten zufolge ebenfalls mit Beton aus demselben illegalen Werk beliefert.

Portelli und seine Geschäftspartner wurden in öffentlichen Diskussionen über Überentwicklung und Umweltzerstörung in Gozo häufig genannt. Trotz dieser Kontroversen erhielten ihre Projekte jedoch weiterhin Planungsgenehmigungen und Regierungsaufträge.

Regulierungslücken und Bedenken hinsichtlich der Rechenschaftspflicht

Die Situation verdeutlicht ein allgemeineres Problem hinsichtlich der Durchsetzung von Umwelt- und Baugesetzen in Malta und Gozo. Analysten und Branchenexperten argumentieren, dass es zwar auf dem Papier strenge Gesetze gibt, deren Umsetzung jedoch aufgrund politischer Einmischung oder administrativer Ineffizienzen oft ins Stocken gerät.

Experten für öffentliches Beschaffungswesen betonen, dass Verträge, die mit Steuergeldern finanziert werden, streng an gesetzliche und ethische Standards gebunden sind, einschließlich der Beschaffung von Materialien aus zugelassenen Betrieben. Die Verwendung von Beton aus einem nicht zugelassenen Werk könnte, selbst wenn dies nur indirekt geschieht, einen Verstoß gegen die Vorschriften für das öffentliche Beschaffungswesen darstellen.

Ein pensionierter Rechnungsprüfer, der mit ähnlichen Fällen vertraut ist, erklärte, dass die Situation „verdeutlicht, wie Interessenkonflikte und schwache Kontrollmechanismen das Vertrauen in öffentliche Institutionen untergraben können”.

Politischer Kontext und öffentliche Wahrnehmung

Die Beteiligung von Persönlichkeiten, die eng mit der regierenden Labour-Partei verbunden sind, verleiht der Kontroverse eine politische Dimension. Obwohl kein formelles Fehlverhalten festgestellt wurde, schürt die Wahrnehmung von Begünstigung oder selektiver Durchsetzung von Gesetzen weiterhin die Skepsis der Öffentlichkeit.

Zivilgesellschaftliche Organisationen und Umweltverbände haben mehr Transparenz gefordert und die Planungsbehörde sowie die Umwelt- und Ressourcenbehörde (ERA) aufgefordert, entschlossen gegen illegale Bautätigkeiten vorzugehen. Einige haben auch den Rechnungshof aufgefordert, zu untersuchen, ob öffentliche Gelder missbraucht oder Vergaberegeln verletzt wurden.

Auswirkungen auf die Umwelt und das Kulturerbe von Gozo

Umweltschützer warnen davor, dass eine unregulierte Betonproduktion schwerwiegende ökologische Folgen haben kann. Die Gewinnung von Rohstoffen, die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen und die mangelnde Kontrolle der Emissionen tragen zu einer langfristigen Umweltzerstörung bei. Gozo, bekannt für seinen ländlichen Charme und sein Naturerbe, hat aufgrund des anhaltenden Entwicklungsdrucks bereits erhebliche Landschaftsveränderungen erfahren.

Der fortgesetzte Betrieb des Werks in Kerċem ohne Umweltgenehmigung könnte diese Probleme möglicherweise noch verschärfen, insbesondere wenn Abfallabflüsse oder Staubemissionen nahegelegene landwirtschaftliche Flächen oder Wohngebiete beeinträchtigen.

Forderung nach Untersuchung und Reform

Angesichts der Höhe der öffentlichen Investitionen werden die Forderungen nach einer unabhängigen Überprüfung der Lieferkette des Projekts immer lauter. Rechtsexperten betonen, dass selbst wenn das Ministerium in gutem Glauben gehandelt hat, jede nachgewiesene Verwendung von nicht zugelassenen Materialien dazu führen könnte, dass bestimmte Aspekte des Projekts gegen nationale und EU-Vergabevorschriften verstoßen.

Eine Untersuchung könnte helfen festzustellen, ob der Auftragnehmer des Projekts oder Beamte des Ministeriums das Problem bewusst übersehen haben oder ob Kommunikationsprobleme innerhalb des Joint Ventures zur Verwendung von illegalem Beton geführt haben.

Unterdessen argumentieren Befürworter einer guten Regierungsführung weiterhin, dass solche Fälle die dringende Notwendigkeit struktureller Reformen im öffentlichen Beschaffungswesen und bei der Durchsetzung von Planungsvorschriften unterstreichen. Ohne wirksame Kontrollmechanismen, so warnen sie, dürften sich ähnliche Vorfälle wiederholen.

Fazit

Die Kontroverse um das Straßenbauprojekt Victoria–Marsalforn deckt systemische Schwächen in der Bauaufsicht und den Mechanismen der öffentlichen Rechenschaftspflicht auf Gozo auf. Während offizielle Stellungnahmen jegliches Fehlverhalten bestreiten, deuten immer mehr Beweise und Augenzeugenberichte darauf hin, dass illegaler Beton aus einem nicht lizenzierten Betonwerk tatsächlich Teil der Lieferkette des Projekts sein könnte.

Angesichts der zunehmenden öffentlichen Aufmerksamkeit wird dieser Fall wahrscheinlich sowohl das Bekenntnis der Regierung zur Transparenz als auch Maltas allgemeines Durchsetzungsrahmenwerk auf die Probe stellen. Unabhängig davon, ob es sich um eine unabhängige Untersuchung oder eine behördliche Intervention handelt, wird das Ergebnis langfristige Auswirkungen darauf haben, wie öffentliche Bauvorhaben auf Maltas kleinster Inselregion verwaltet werden – und wie die Rechtsstaatlichkeit gewahrt wird.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Hauptproblem beim Straßenbauprojekt auf Gozo?
Das Projekt wird derzeit untersucht, da es angeblich Beton aus einem nicht zugelassenen Betonwerk in Kerċem verwendet, was gegen die Ausschreibungsbedingungen verstößt.

Wem gehört das illegale Betonwerk in Kerċem?
Das Werk gehört Berichten zufolge dem Bauträger Joseph Portelli und seinen Partnern Mark Agius und Daniel Refalo.

Was sagt das Ministerium von Gozo zu den Vorwürfen?
Das Ministerium hat jegliches Fehlverhalten bestritten und behauptet, der Beton stamme von einem legalen Partner des Projekt-Joint-Ventures.

Welche Unternehmen sind an dem Projekt beteiligt?
Das Projekt wird von einem Joint Venture zwischen Prax Ltd und Gatt Tarmac Ltd durchgeführt, die beide ihren Sitz in Gozo haben.

Wo befindet sich die zugelassene Betonmischanlage?
Gatt Tarmac betreibt eine zugelassene Mischanlage in Għajnsielem, während die Anlage von Prax in Kerċem nicht zugelassen ist.

Warum sind die Anwohner über den Nachtbetrieb besorgt?
Anwohner haben über Lärm und starken Lkw-Verkehr durch das Dorf Kerċem in der Nacht berichtet und damit Sicherheits- und Belästigungsbedenken geäußert.

Ist dieses Problem schon einmal aufgetreten?
Ja, ähnliche Vorwürfe wurden während des Baus eines von der Regierung finanzierten Schwimmbadkomplexes in Victoria erhoben.

Welche Umweltrisiken birgt die Nutzung illegaler Anlagen?
Unregulierte Anlagen können aufgrund fehlender Umweltkontrollen zu Umweltverschmutzung, Staubemissionen und Landschaftsverschandelung führen.

Gibt es mögliche rechtliche Konsequenzen für das Ministerium?
Wenn nachgewiesen wird, dass wissentlich nicht genehmigte Materialien verwendet wurden, könnte dies einen Verstoß gegen Beschaffungs- und Umweltvorschriften darstellen.

Wie geht es weiter?
Es werden zunehmend Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung laut, um die Verantwortlichkeiten zu klären und die künftige Einhaltung der öffentlichen Vergaberegeln sicherzustellen.

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Ich halte mich gerne kurz. Ich bin ein Schriftsteller, der auch weiß, wie man seine Zeilen reimt. Ich kann Artikel schreiben, sie redigieren und auch einige poetische Zeilen aus meinem Kopf herausschnitzen. Ausbildung B.A. - Englisch, Delhi University, Indien, Abschluss 2017.