Infrastructure Malta unter Druck wegen 22,5 Mio. € Direktaufträgen

Infrastructure Malta Faces Scrutiny Over €22.5M Direct Orders

In der ersten Hälfte des Jahres 2025 genehmigte Infrastructure Malta – die für die Entwicklung und Instandhaltung der Straßeninfrastruktur Maltas zuständige Regierungsbehörde – Direktaufträge im Wert von über 22,5 Millionen Euro, was fast der Hälfte ihres gesamten Jahresbudgets entspricht. Das ungewöhnlich hohe Volumen an Direktaufträgen, insbesondere innerhalb eines so kurzen Zeitraums, hat ernsthafte Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Beschaffungspraktiken, der Governance-Standards und der Einhaltung nationaler und europäischer Rechtsvorschriften aufgeworfen.

Die Informationen, die im Staatsanzeiger veröffentlicht wurden, zeigen, dass zwischen Januar und Juni 2025 121 separate Direktaufträge erteilt wurden. Diese wurden während der Amtszeit von Steve Ellul, dem ehemaligen Kandidaten der Labour Party für das Europäische Parlament, genehmigt. Infrastructure Malta untersteht dem politischen Ressort von Verkehrsminister Chris Bonett.

Der Umfang und die Art dieser Direktaufträge haben bei Beschaffungsexperten, zivilgesellschaftlichen Kontrollinstanzen und Teilen der öffentlichen Verwaltung wachsende Besorgnis ausgelöst. Direktaufträge sind zwar an sich nicht illegal, aber sie sind nur unter außergewöhnlichen oder dringenden Umständen gesetzlich zulässig und unterliegen strengen Kontrollen. Ihre Verwendung soll sparsam und streng begründet sein. Das Muster, das sich aus dieser sechsmonatigen Momentaufnahme ergibt, deutet jedoch darauf hin, dass Infrastructure Malta möglicherweise systematisch wettbewerbsorientierte Ausschreibungsverfahren umgeht.

Fehlende öffentliche Begründung und unbeantwortete Fragen

Trotz wiederholter Bemühungen von Journalisten und unabhängigen Beobachtern um Klärung hat Steve Ellul keine öffentliche Erklärung für die hohe Zahl von Direktaufträgen abgegeben. Fragen, die sich speziell darauf beziehen, warum relativ routinemäßige und nicht dringende Anschaffungen – wie die Beschaffung von Büromöbeln oder die Renovierung von Toiletten – Direktauftragsverfahren erforderten, blieben unbeantwortet. Ebenso besorgniserregend ist die Tatsache, dass mehrere dieser Aufträge offenbar wiederholt an dieselben Auftragnehmer vergeben wurden, was potenzielle Bedenken hinsichtlich Fairness, Wettbewerb und Preis-Leistungs-Verhältnis aufwirft.

Ein Unternehmen, Cubed Turnkey Projects, das Berichten zufolge vom Eigentümer einer Tankstelle auf Manoel Island kontrolliert wird, erhielt vier separate Direktaufträge mit einem Gesamtwert von über 100.000 Euro. Dazu gehörten:

  • 73.000 € für die Renovierung von Toiletten
  • 5.500 € für Büromöbel
  • 11.000 € für Abdichtungsarbeiten
  • 16.000 € für allgemeine Bürorenovierungen

Solche Ausgaben, insbesondere wenn sie außerhalb einer öffentlichen Ausschreibung getätigt werden, haben Forderungen nach einer unabhängigen Prüfung oder Untersuchung laut werden lassen.

Standards und gesetzliche Verpflichtungen im öffentlichen Beschaffungswesen

Nach maltesischem Vergaberecht und in Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien sind öffentliche Behörden verpflichtet, offene Ausschreibungen durchzuführen, es sei denn, außergewöhnliche und eindeutig dokumentierte Umstände rechtfertigen eine Abweichung. Dieser Rahmen dient der Gewährleistung von Transparenz, der Verhinderung von Absprachen und der Förderung der Kosteneffizienz. Die systematische Verwendung von Direktaufträgen birgt die Gefahr, diese rechtliche Infrastruktur zu untergraben und die Behörde – und damit auch den Staat – einem Reputations- und finanziellen Risiko auszusetzen.

Experten für Vergaberecht haben festgestellt, dass Direktaufträge zwar für Notfallarbeiten oder Fälle zulässig sind, in denen nur ein Lieferant eine bestimmte Dienstleistung erbringen kann, das schiere Volumen und die Art der fraglichen Aufträge bei Infrastructure Malta jedoch auf eine Abweichung von diesen Grundsätzen hindeuten.

Darüber hinaus haben Aufsichtsbehörden und Befürworter von Transparenz die Bedeutung einer gründlichen Prüfung durch Institutionen wie das National Audit Office (NAO) und das Public Contracts Review Board (PCRB) betont. Sie argumentieren, dass diese Stellen die fraglichen Beschaffungsverfahren sorgfältig untersuchen und sicherstellen sollten, dass ihre Schlussfolgerungen unverzüglich und mit vollständiger Transparenz veröffentlicht werden.

Verwendung von Mitteln für nicht infrastrukturbezogene Sponsoringmaßnahmen

Neben Verträgen im Zusammenhang mit Bau- und Instandhaltungsarbeiten wurden mehrere Direktaufträge für das Sponsoring von Unterhaltungsprogrammen festgestellt. Dazu gehörten:

  • 15.000 € für die lokale Ausgabe von Big Brother
  • 6.000 € zur Unterstützung des maltesischen Beitrags zum Eurovision Song Contest
  • 8.000 € für The Mask Singer

Solche Ausgaben haben aufgrund ihres geringen Bezugs zum gesetzlichen Auftrag von Infrastructure Malta für Stirnrunzeln gesorgt. Öffentliche Einrichtungen müssen in der Regel einen direkten Zusammenhang zwischen ihren Ausgaben und ihrem organisatorischen Auftrag nachweisen. Rechtsexperten haben gewarnt, dass solche Ausgaben ohne klare und rationale Begründung nicht nur gegen nationale Finanzvorschriften, sondern auch gegen den allgemeineren Grundsatz der Wahrung des öffentlichen Interesses verstoßen könnten.

Großvolumige Infrastrukturverträge ohne Ausschreibung

Infrastructure Malta vergab bedeutende Direktaufträge für großvolumige Infrastrukturprojekte. Einer dieser Aufträge im Wert von 1,2 Millionen Euro wurde an Central Asphalt Ltd für den Straßenbau in Mellieħa vergeben. Darüber hinaus erhielt Universal Cement Ltd über 2 Millionen Euro durch einen Direktauftrag für die Lieferung von Zementmaterialien. Diese Aufträge sind besonders bedeutsam, da es in Malta andere Lieferanten gibt, die potenziell die gleichen Materialien oder Dienstleistungen anbieten könnten und die bei einer offenen Ausschreibung möglicherweise wettbewerbsfähigere Preise angeboten hätten.

Dies wirft nicht nur Fragen hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses auf, sondern auch hinsichtlich der Frage, ob die Beschaffungsvorschriften bewusst umgangen wurden, um bestimmte Unternehmen zu begünstigen. Obwohl derzeit noch keine konkreten Verstöße rechtlich festgestellt wurden, geben diese Muster Anlass zu einer genaueren Prüfung, insbesondere angesichts der Verpflichtungen Maltas gemäß den EU-Beschaffungsstandards.

Allgemeinere Bedenken hinsichtlich der Leistung und des politischen Kontexts

Infrastructure Malta ist im Laufe der Jahre wegen verschiedener betrieblicher Mängel erheblicher öffentlicher und politischer Kritik ausgesetzt gewesen. Die Behörde wurde wegen unzureichender Planung, ungleichmäßiger Umsetzung von Straßeninfrastrukturinitiativen und ihrer Unfähigkeit, das wachsende Problem der Verkehrsüberlastung in Malta wirksam anzugehen, vielfach kritisiert. Trotz Ausgaben in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro in den letzten Jahren deuten Daten der Verkehrsbehörde und unabhängiger Mobilitätsforscher darauf hin, dass die Verkehrsüberlastung und die Zahl der Verkehrsunfälle weiter zunehmen.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirksamkeit der Behörde wurde durch einen wahrgenommenen Mangel an Rechenschaftspflicht und eine begrenzte öffentliche Kommunikation weiter untergraben. Befürworter von Transparenz argumentieren, dass Infrastructure Malta nicht nur seine Beschaffungspraktiken verbessern, sondern auch seinen Governance-Rahmen überarbeiten muss, um eine bessere Erbringung öffentlicher Leistungen zu gewährleisten.

Forderungen nach Gesetzes- und Verwaltungsreformen

Die Enthüllungen haben innerhalb der Zivilgesellschaft und in politischen Kreisen erneut Diskussionen über die Angemessenheit der Durchsetzungsmechanismen für das Beschaffungswesen in Malta ausgelöst. Es wurden Vorschläge für eine strengere Aufsicht durch die Direktion für öffentliche Aufträge und für eine obligatorische Vorabgenehmigung von Direktaufträgen mit hohem Wert durch den Generalstaatsanwalt oder einen zentralen Beschaffungsprüfungsausschuss gemacht.

Einige haben auch die Einführung von Whistleblower-Schutzmaßnahmen innerhalb von Behörden wie Infrastructure Malta gefordert, um die interne Meldung von Unregelmäßigkeiten zu fördern. Ohne solche Reformen, so warnen Kritiker, werden systemische Schwachstellen bestehen bleiben und das Vertrauen in öffentliche Institutionen weiter untergraben.

Reaktion der Regierung und der Politik

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels haben weder Verkehrsminister Chris Bonett noch Premierminister Robert Abela direkt zu dieser Angelegenheit Stellung genommen. Das Fehlen einer klaren öffentlichen Haltung seitens der Regierungsführung hat weitere Spekulationen und Unruhe geschürt. Oppositionsparteien haben die vollständige Offenlegung aller in den letzten drei Jahren erteilten Direktaufträge gefordert und eine parlamentarische Untersuchung der Beschaffungspolitik von Infrastructure Malta beantragt.

Unterdessen haben Akteure der Bauindustrie ihre Frustration über die ihrer Meinung nach ungleichen Wettbewerbsbedingungen zum Ausdruck gebracht. Mehrere mittelständische Bauunternehmen haben öffentlich beklagt, dass sie nicht in der Lage sind, fair um staatliche Aufträge zu konkurrieren, und dabei auf mangelnde Transparenz und die bevorzugte Behandlung bestimmter Firmen hingewiesen.

Risikomanagement und rechtliche Überlegungen

Aus rechtlicher Sicht bietet die Veröffentlichung von Beschaffungsdaten im Staatsanzeiger ein gewisses Maß an Verfahrens-Transparenz. Die zugrunde liegende Sorge ist jedoch, ob diese Daten die Einhaltung der materiellen Anforderungen des Vergaberechts widerspiegeln. Die Nichteinhaltung dieser Grundsätze kann die Behörde einer gerichtlichen Überprüfung, einem Vergabestreit oder einer Intervention durch Regulierungsbehörden auf EU-Ebene aussetzen.

Rechtsexperten schlagen vor, dass Infrastructure Malta und das Verkehrsministerium zur Minderung der Haftung eine proaktive interne Prüfung einleiten und uneingeschränkt mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten sollten. Dies würde guten Willen demonstrieren, dazu beitragen, Verfahrensschwächen zu identifizieren, und eine Grundlage für künftige politische Korrekturen schaffen.

Fazit

Die Entwicklungen bei Infrastructure Malta deuten auf ein möglicherweise umfassenderes systemisches Problem innerhalb Teilen der öffentlichen Verwaltung hin. Das Mandat der Behörde ist zwar für die nationale Infrastrukturentwicklung nach wie vor von wesentlicher Bedeutung, doch müssen ihre Praktiken den höchsten Standards in Bezug auf Rechtmäßigkeit, Transparenz und Haushaltsverantwortung entsprechen. Direktaufträge, die ohne klare Begründung in großem Umfang vergeben werden, gefährden das Vertrauen der Öffentlichkeit und setzen die Regierung potenziellen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen aus.

Wenn diese Situation nicht durch umfassende Reformen rasch behoben wird, besteht die Gefahr, dass sowohl die Glaubwürdigkeit von Infrastructure Malta als auch das gesamte öffentliche Beschaffungssystem, auf das sich das Land stützt, Schaden nimmt.

FAQs

Was ist ein Direktauftrag im öffentlichen Beschaffungswesen?
Ein Direktauftrag ist eine Beschaffungsmethode, bei der ein Auftrag ohne offene Ausschreibung vergeben wird und die in der Regel nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommt.

Sind Direktvergaben in Malta legal?
Ja, aber sie unterliegen strengen Vorschriften und sind für dringende oder außergewöhnliche Fälle vorgesehen, in denen ein offener Wettbewerb nicht möglich ist.

Warum werden die Direktvergaben von Infrastructure Malta untersucht?
Das Volumen und die Art der Direktvergaben – insgesamt 22,5 Millionen Euro in nur sechs Monaten – deuten auf einen möglichen Missbrauch dieser außergewöhnlichen Beschaffungsmethode hin.

Wer ist Steve Ellul?
Steve Ellul ist der derzeitige CEO von Infrastructure Malta und ehemaliger Kandidat der Labour Party für das Europäische Parlament.

Welches Unternehmen erhielt mehrere Direktaufträge von Infrastructure Malta?
Cubed Turnkey Projects, das einem Betreiber einer Tankstelle auf Manoel Island gehört, erhielt vier Aufträge im Wert von über 100.000 Euro.

Warum hat Infrastructure Malta Unterhaltungsprogramme finanziert?
Die Behörde stellte Mittel für Shows wie Big Brother und The Mask Singer bereit, aber die Gründe für diese Ausgaben bleiben unklar.

Was sind die rechtlichen Auswirkungen übermäßiger Direktaufträge?
Die übermäßige Verwendung von Direktaufträgen könnte gegen nationale und EU-Vergaberechte verstoßen und möglicherweise zu rechtlichen Schritten oder Sanktionen führen.

Hat die Regierung auf die Kontroverse reagiert?
Bislang gibt es keine offizielle Stellungnahme von Verkehrsminister Chris Bonett oder dem Premierminister.

Welche Reformen werden als Reaktion darauf vorgeschlagen?
Es wurden Forderungen nach einer strengeren Aufsicht laut, darunter Audits, Schutz für Whistleblower und strengere Kontrollen bei Direktaufträgen mit hohem Wert.

Besteht die Gefahr von Rechtsstreitigkeiten oder Maßnahmen der EU?
Ja, wenn die Vergaberegeln systematisch ignoriert werden, könnte Malta mit rechtlichen Schritten im Inland oder seitens der Europäischen Kommission konfrontiert werden.

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Ich halte mich gerne kurz. Ich bin ein Schriftsteller, der auch weiß, wie man seine Zeilen reimt. Ich kann Artikel schreiben, sie redigieren und auch einige poetische Zeilen aus meinem Kopf herausschnitzen. Ausbildung B.A. - Englisch, Delhi University, Indien, Abschluss 2017.