Maltesisches Filmrabattprogramm unterstützt lokale Reality TV Shows

Malta Film Rebate Scheme Funds Local Reality TV Productions

Eine von der Regierung unterstützte Initiative, die ursprünglich darauf abzielte, internationale Filmproduktionen nach Malta zu locken, wird laut jüngsten parlamentarischen Enthüllungen zunehmend von lokalen Fernsehproduzenten genutzt, um hochkarätige kommerzielle Reality-Programme zu finanzieren.

Das Programm – unter der Aufsicht von Filmkommissar Johann Grech im Zuständigkeitsbereich von Kulturminister Owen Bonnici – hat bis heute rund 4,2 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln für die Produktion von 15 im Inland produzierten Fernsehsendungen bereitgestellt. Dazu gehören Adaptionen weltweit bekannter Formate wie Love Island, Big Brother und The X Factor. Viele dieser Programme werden vom öffentlich finanzierten nationalen Sender Maltas, dem Public Broadcasting Services (PBS), ausgestrahlt.

Während die Maßnahme ursprünglich als finanzieller Anreiz gedacht war, um ausländische Filmemacher dazu zu bewegen, Malta als Drehort zu wählen, hat sie sich zu einer bedeutenden Finanzierungsquelle für eine kleine Anzahl maltesischer Produktionsfirmen entwickelt.

Wandel von der internationalen Filmförderung zur Unterstützung des heimischen Fernsehens

Bei seiner Einführung wurde das Rabattsystem als Teil einer Strategie beworben, Malta als wettbewerbsfähigen und attraktiven Drehort zu positionieren, ähnlich wie es auch in anderen europäischen Ländern praktiziert wird. Die Idee dahinter war, einen Prozentsatz der vor Ort angefallenen Produktionskosten zu erstatten, um so die Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze im Bereich der Filmdienstleistungen zu schaffen und die Einnahmen aus dem Tourismus zu steigern.

Parlamentarische Anfragen der Abgeordneten Julie Zahra von der Nationalistischen Partei haben jedoch eine Verschiebung in der praktischen Anwendung des Programms ans Licht gebracht. Die neuesten Daten zeigen, dass der bislang größte Begünstigte die Greatt Company Ltd ist, die voraussichtlich rund 2,8 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten wird.

Die wichtigsten Begünstigten und ihre Produktionen

Die Greatt Company Ltd hat mehrere bekannte Reality-TV-Adaptionen für das maltesische Publikum produziert, darunter „The Masked Singer“ und „Malta’s Got Talent“. Aus öffentlichen Aufzeichnungen geht auch hervor, dass das Unternehmen in den letzten Jahren mehrere Direktaufträge und öffentliche Ausschreibungen erhalten hat. Dazu gehören Arbeiten im Zusammenhang mit dem Mediterranean Film Festival, einer hochkarätigen Kulturveranstaltung, die unter der Leitung der Filmkommission organisiert wird.

Knapp dahinter liegt Media Exclusive Ltd, das Unternehmen, das für die Produktion von „Love Island Malta“ verantwortlich ist. Zu den Direktoren dieser Produktionsfirma gehören die bekannten maltesischen Fernsehmoderatoren Ben Camille und Christian Gravina.

Gemäß den Bestimmungen des Programms können Produktionen, die die Förderkriterien erfüllen, bis zu 40 % ihrer genehmigten lokalen Ausgaben erstattet bekommen. Für Big Brother Malta wurde berichtet, dass die Produzenten allein für die erste Staffel Kostenaufstellungen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro eingereicht haben. Wenn diese Zahlen durch eine staatliche Prüfung bestätigt werden, könnte das Unternehmen Anspruch auf eine Rückerstattung in Höhe von rund 760.000 Euro haben.

Bedenken hinsichtlich doppelter Finanzierung und die Rolle von PBS

PBS erhält derzeit eine jährliche staatliche Subvention in Höhe von rund 6 Millionen Euro. Diese öffentliche Förderung soll nicht-kommerzielle, im öffentlichen Interesse liegende Programme unterstützen – wie beispielsweise Bildungssendungen für Kinder, kulturelle Inhalte und Dokumentarfilme –, die weniger wahrscheinlich ausreichende kommerzielle Werbeeinnahmen erzielen.

In der Praxis hat der nationale Sender jedoch zunehmend kommerziell erfolgreiche Unterhaltungssendungen ausgestrahlt, von denen viele auch Begünstigte des Rückerstattungsprogramms der Filmkommission sind. Diese Situation wirft die Frage einer möglichen „Doppelfinanzierung“ auf, bei der eine Produktion sowohl von der PBS-Zuwendung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auch von der Rückerstattungsregelung profitiert, die separat aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

Mögliche Auswirkungen auf staatliche Beihilfen

Die Frage der Vereinbarkeit mit den Beihilfevorschriften der Europäischen Union wurde von Beobachtern aus dem Rundfunk- und Kultursektor wiederholt aufgeworfen. Nach EU-Recht dürfen staatliche Beihilfen den Wettbewerb nicht in einer Weise verzerren, die bestimmte Unternehmen unangemessen begünstigt oder ihnen einen unfairen Marktvorteil verschafft.

Obwohl die Regierung keinen formellen Verstoß öffentlich eingeräumt hat, könnte die Überschneidung öffentlicher Subventionen aus verschiedenen Kanälen für dieselben Produktionen grundsätzlich als nicht konform mit den EU-Vorschriften angesehen werden. Sollte sich dies bestätigen, könnte eine solche Regelung Abhilfemaßnahmen erforderlich machen, einschließlich der Rückzahlung von Mitteln.

Bislang haben die maltesischen Behörden jedoch die derzeitige Struktur toleriert – und in einigen Fällen sogar verteidigt – und dabei auf den kulturellen und wirtschaftlichen Wert der Unterstützung der heimischen Kreativwirtschaft verwiesen.

Kritiker stellen den Schwerpunkt und die Wirksamkeit des Programms in Frage

Kritiker argumentieren, dass das Rabattprogramm erheblich von seinem ursprünglichen Zweck abgewichen ist. Anstatt in erster Linie große ausländische Produktionen anzuziehen – die erhebliche Ausgaben in die lokale Wirtschaft bringen und Malta international bekannt machen würden –, finanziert das Programm nun in hohem Maße lokal produzierte Unterhaltungsformate.

Zwar ist unbestritten, dass solche Produktionen Arbeitsplätze für maltesische Crews, Schauspieler und technisches Personal schaffen, doch fragen sich die Gegner, ob dies die effektivste Nutzung eines Programms ist, das als Anreiz für die „Filmindustrie” vermarktet wird. Einige Branchenfachleute befürchten, dass eine solche Umleitung von Mitteln die Glaubwürdigkeit Maltas bei internationalen Produzenten untergraben und das Land als weniger engagiert bei der Ausrichtung ausländischer Dreharbeiten erscheinen lassen könnte.

Befürworter betonen Vorteile für die lokale Industrie

Befürworter des derzeitigen Ansatzes argumentieren, dass die Unterstützung einheimischer Produktionen zur Entwicklung lokaler Talente beiträgt, den nationalen Fernsehsektor stärkt und sicherstellt, dass das maltesische Publikum mit einheimischer Unterhaltung versorgt wird. Sie weisen darauf hin, dass internationale Filmproduktionen nicht garantiert jedes Jahr in großer Zahl kommen, während lokale Produzenten eine konstante Produktion planen und stabile Beschäftigungsmöglichkeiten bieten können.

Befürworter argumentieren außerdem, dass erfolgreiche Reality-Formate die Werbeeinnahmen steigern, kulturelle Berührungspunkte schaffen und Investitionen in Maltas Rundfunkinfrastruktur fördern können.

Parlamentarische Kontrolle und zukünftige Ausrichtung

Die Angelegenheit hat in den letzten Monaten zunehmend politische Aufmerksamkeit erlangt, mit parlamentarischen Anfragen, die darauf abzielen, zu klären, wie das Programm verwaltet wird, welche Produktionen Fördermittel erhalten und ob es Schutzmaßnahmen gibt, um potenziellen Missbrauch zu verhindern.

Das Kulturministerium und die Filmkommission haben bisher behauptet, dass alle Zuweisungen den Förderkriterien des Programms entsprechen. Es gibt jedoch keine Anzeichen dafür, dass die Regierung beabsichtigt, die Regeln anzupassen, um ausländischen Produktionen, wie ursprünglich vorgesehen, klarer Vorrang einzuräumen.

Fazit

Das maltesische Filmförderprogramm ist nach wie vor eine wichtige Quelle öffentlicher Finanzhilfen für den audiovisuellen Sektor des Landes. Allerdings hat sich das Gleichgewicht zwischen der Anziehung internationaler Filmprojekte und der Unterstützung einheimischer Unterhaltungsprogramme im Laufe der Zeit deutlich verschoben.

Die Zuführung von Mitteln in lokale Produktionen kann zwar die einheimische Industrie stärken, wirft aber auch Fragen hinsichtlich der Prioritäten der öffentlichen Finanzierung, möglicher Doppelungen von Subventionen und der Vereinbarkeit mit den EU-Vorschriften für staatliche Beihilfen auf.

Ob Malta das System neu ausrichten wird, um sich wieder auf seinen ursprünglichen Zweck zu konzentrieren, oder es weiterhin als breitere Kultur- und Unterhaltungssubvention nutzen wird, bleibt abzuwarten. Derzeit gehören lokale Produktionsfirmen zu den Hauptnutznießern einer Maßnahme, die ursprünglich darauf abzielte, Malta für internationale Filmemacher attraktiv zu machen.

FAQs

Was ist Maltas Filmförderprogramm?
Es handelt sich um ein staatliches Programm, das Film- und Fernsehproduktionen, die in Malta förderfähige Ausgaben tätigen, eine finanzielle Rückerstattung gewährt.

Wer verwaltet das Programm?
Das Programm wird von der Filmkommission unter der Aufsicht des Kulturministeriums verwaltet.

Was war der ursprüngliche Zweck des Programms?
Es wurde entwickelt, um internationale Filmemacher nach Malta zu locken, indem ein Teil ihrer Produktionskosten übernommen wird.

Wie hat sich der Schwerpunkt des Programms verändert?
Es finanziert zunehmend inländische Reality- und Unterhaltungsfernsehprogramme anstelle von hauptsächlich ausländischen Filmen.

Wer sind die Hauptnutznießer des Programms?
Aktuelle Daten zeigen, dass Greatt Company Ltd und Media Exclusive Ltd zu den größten Empfängern von Fördermitteln gehören.

Wie hoch ist die maximale Rückerstattung, die eine Produktion erhalten kann?
Förderfähige Produktionen können bis zu 40 % der förderfähigen lokalen Produktionskosten geltend machen.

Warum ist PBS in die Debatte involviert?
PBS sendet viele Sendungen, die von dem Programm profitieren, und erhält darüber hinaus eine separate Förderung für öffentliche Dienstleistungen, was zu Bedenken hinsichtlich einer doppelten Förderung führt.

Gibt es rechtliche Bedenken hinsichtlich des Programms?
Einige Beobachter haben Fragen zur Einhaltung der EU-Beihilfevorschriften aufgeworfen, obwohl kein formeller Verstoß gemeldet wurde.

Was sagen Kritiker über das Programm?
Sie argumentieren, dass die Förderung einheimischer Unterhaltungsformate die ursprüngliche Absicht des Programms, großbudgetierte ausländische Produktionen anzuziehen, verwässert.

Was sprechen Befürworter für die derzeitige Nutzung?
Sie glauben, dass die Unterstützung lokaler Produktionen nationale Talente fördert, Arbeitsplätze sichert und den Fernsehsektor Maltas stärkt.

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Ich halte mich gerne kurz. Ich bin ein Schriftsteller, der auch weiß, wie man seine Zeilen reimt. Ich kann Artikel schreiben, sie redigieren und auch einige poetische Zeilen aus meinem Kopf herausschnitzen. Ausbildung B.A. - Englisch, Delhi University, Indien, Abschluss 2017.