Malta scheitert erneut mit EU Gerichts Vorschlag

Die maltesische Regierung hat bei ihrem Versuch, einen neuen Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu ernennen, zum zweiten Mal in Folge einen Rückschlag erlitten, nachdem eine weitere Nominierung gescheitert war. Die jüngste Ablehnung kam vom Ausschuss 255, dem Gremium europäischer Rechtsexperten, das die Eignung von Richterkandidaten für eines der höchsten Gerichte der Europäischen Union beurteilen soll.
Dieser jüngste Rückschlag betrifft die Kandidatur von Veronique Dalli, einer Anwältin und Mitglied der Wahlkommission mit engen Verbindungen zur regierenden Arbeiterpartei. Trotz ihrer beruflichen und politischen Zugehörigkeit befand der Ausschuss, dass Dalli für das Amt nicht ausreichend qualifiziert sei. Diese Entscheidung wurde vom maltesischen Justizministerium nicht öffentlich bestätigt, was zu Spekulationen und Kritik an der Transparenz des Nominierungsverfahrens führte.
Hintergrund der Nominierung und ihr politischer Kontext
Veronique Dalli ist nicht nur Juristin, sondern auch die Schwester von Ministerin Miriam Dalli. Sie war auch als Vertreterin der Arbeiterpartei in der maltesischen Wahlkommission tätig. Darüber hinaus arbeitete sie früher als Reporterin für One TV, dem offiziellen Medienorgan der Labour Party, an der Seite des derzeitigen Justizministers Jonathan Attard.
Die Wahl von Dalli für das Amt des EuGH erfolgte, nachdem die Regierung zuvor erfolglos versucht hatte, Edward Zammit Lewis, einen ehemaligen Justizminister unter Joseph Muscat, für das Amt zu gewinnen. Zammit Lewis wurde vom Expertengremium ebenfalls für ungeeignet befunden und nicht in das Gericht berufen. Seine Verbindung zu umstrittenen Persönlichkeiten innerhalb der Labour-Regierung, einschließlich Muscat, könnte seine Kandidatur weiter untergraben haben.
Die Ablehnung der beiden Kandidaten – die beide eng mit der derzeitigen und früheren politischen Elite Maltas verbunden sind – hat die Bedenken über die Vorgehensweise der Regierung bei der Ernennung von Richtern neu entfacht. Kritiker argumentieren, dass politische Loyalität Vorrang vor Verdiensten, Erfahrung und juristischem Fachwissen haben könnte.
Der Ausschuss 255 und die Rolle der richterlichen Kontrolle
Der Ausschuss 255, benannt nach Artikel 255 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von EuGH-Richtern. Er bewertet die Kandidaten auf der Grundlage ihrer beruflichen Qualifikationen, ihrer Erfahrung im EU-Recht und ihrer richterlichen Eignung. Der Ausschuss soll sicherstellen, dass nur die kompetentesten und unparteiischsten Personen in eines der wichtigsten Justizorgane der EU berufen werden.
Laut Quellen, die mit dem Verfahren vertraut sind, blieb die Leistung von Veronique Dalli während des Überprüfungsverfahrens in Luxemburg hinter den Erwartungen des Ausschusses zurück. Dem Vernehmen nach äußerte der Ausschuss erhebliche Bedenken hinsichtlich ihrer begrenzten Erfahrung mit dem Recht der Europäischen Union – einer der wichtigsten Voraussetzungen für die Stelle – und kam zu dem Schluss, dass sie nicht über die erforderliche Kompetenz für eine richterliche Position auf dieser Ebene verfügt.
Bedenken hinsichtlich Qualifikation und Transparenz
Beobachter haben festgestellt, dass die Nominierung von Dalli von Anfang an Anlass zu Bedenken gab, insbesondere aufgrund ihrer begrenzten Erfahrung im Gerichtssaal und ihrer relativ geringen juristischen Spezialisierung. Ihr Hintergrund umfasst zwar Beratungstätigkeiten und politisches Engagement, aber Berichten zufolge kann sie keine nennenswerten Erfolge in der EU-Rechtsprechung oder bei Gerichtsverfahren auf europäischer Ebene vorweisen.
Diese Bedenken spiegeln die Bedenken wider, die bei der Nominierung von Edward Zammit Lewis geäußert wurden. In beiden Fällen scheint die Ablehnung durch den Ausschuss auf einer strengen Bewertung der juristischen Qualifikationen und nicht auf politischen Erwägungen zu beruhen. Dennoch stößt die Entscheidung der Regierung, Personen mit engen politischen Verbindungen zu nominieren, bei Juristen und Oppositionspolitikern weiterhin auf Kritik.
Politische Bindungen und Fragen der Unparteilichkeit
Die beiden gescheiterten Kandidaten der Regierung haben langjährige Verbindungen zur Labour-Partei. Edward Zammit Lewis gehörte dem Kabinett von Joseph Muscat an und verteidigte die Regierung auch in der öffentlichen Diskussion nach wie vor vehement. Sein Scheitern, einen Kabinettsposten unter Premierminister Robert Abela zu erhalten, wurde weithin als ein Zeichen für den schwindenden Einfluss innerhalb der Partei gedeutet.
Die Nominierung von Veronique Dalli schien von ihrer politischen Nähe zu Justizminister Jonathan Attard zu profitieren, mit dem sie zuvor in der Medienabteilung der Arbeiterpartei zusammenarbeitete. Solche engen Verbindungen sind zwar an sich nicht disqualifizierend, haben aber die öffentliche Besorgnis darüber geschürt, ob bei der Ernennung von Richtern an internationalen Gerichten die Grundsätze der Leistungsorientierung gewahrt werden.
Der Weg nach vorn: alternative Kandidaten werden geprüft
Angesichts dieser beiden Ablehnungen steht die maltesische Regierung nun unter erhöhtem Druck, einen Kandidaten zu nominieren, der den hohen Anforderungen des Ausschusses 255 entspricht. Laut Quellen, die mit dem Nominierungsprozess vertraut sind, stehen noch drei weitere Personen auf einer Liste, die zuvor von einem lokalen Ausschuss unter dem Vorsitz des ehemaligen Richters Antonio Mizzi erstellt wurde. Mizzi ist der Ehemann der ehemaligen Labour-Abgeordneten Marlene Mizzi, eine Verbindung, die auch Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit des ursprünglichen Auswahlverfahrens aufgeworfen hat.
Die drei in die engere Wahl gezogenen Kandidaten sind:
- David Ciliberti, ein hoher Beamter, der derzeit im Team von Kommissar Glenn Micallef arbeitet.
- Rashida Sheikh, eine Rechtslinguistin, die derzeit am Europäischen Gerichtshof beschäftigt ist.
- Jacques Rene Zammit, ein angesehener EU-Anwalt, der auch als Pressesprecher am Gerichtshof in Luxemburg tätig ist.
Jeder dieser Kandidaten verfügt Berichten zufolge über einen stärkeren Hintergrund im EU-Recht und eine direktere Beteiligung an europäischen Rechtsinstitutionen, was ihre Chancen auf eine Zulassung durch den Prüfungsausschuss erhöhen könnte.
Mangel an offizieller Kommunikation wirft Fragen der Rechenschaftspflicht auf
Trotz der zunehmenden Aufmerksamkeit der Medien und der internen Beratungen der Regierung hat das Justizministerium noch keine offizielle Erklärung abgegeben, in der die Ablehnung der Nominierung von Veronique Dalli bestätigt wird. Dieser Mangel an Transparenz hat zu öffentlicher Verwirrung und Spekulationen über die nächsten Schritte der Regierung geführt.
Juristen und Organisationen der Zivilgesellschaft haben betont, wie wichtig transparente und nachvollziehbare Verfahren bei der Ernennung von Justizkandidaten sind, insbesondere für Positionen von solch internationaler Bedeutung. Die Nichteinhaltung dieser Grundsätze, so argumentieren sie, könnte Maltas Glaubwürdigkeit innerhalb der EU untergraben und das Vertrauen der Öffentlichkeit in seine Institutionen schwächen.
Historische Herausforderungen bei der Ernennung von Richtern durch Malta
Maltas Erfahrungen mit Nominierungen für EU-Gerichtsorgane waren in den letzten Jahren turbulent. Mehrfach wurden Vorwürfe politischer Bevorzugung und unzureichend strenger Überprüfungen laut, die auf strukturelle Probleme bei der Ernennung hochrangiger Juristen hinweisen.
Die Ablehnung von zwei aufeinanderfolgenden Kandidaten, die beide der Regierungspartei nahestehen, stellt einen wichtigen Moment in Maltas sich entwickelnden Beziehungen zu den europäischen Rechtsinstitutionen dar. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, sicherzustellen, dass alle künftigen Kandidaten nicht nur rechtlich qualifiziert sind, sondern auch als unparteiisch, kompetent und unabhängig von politischem Einfluss wahrgenommen werden.
Rechtliche Implikationen und Reputationsrisiken
Die Ablehnungen selbst haben zwar keine rechtlichen Folgen, können aber innerhalb der EU-Institutionen den Eindruck erwecken, dass das maltesische Verfahren zur Ernennung von Richtern und Staatsanwälten unangemessen politisiert ist. Solche Wahrnehmungen könnten langfristige Auswirkungen haben, insbesondere in einer Zeit, in der die Unabhängigkeit der Justiz und die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit in den EU-Mitgliedstaaten zunehmend auf dem Prüfstand stehen.
Um den potenziellen Imageschaden zu mindern, sollte die maltesische Regierung möglicherweise Reformen der Art und Weise in Betracht ziehen, wie Kandidaten im Inland ausgewählt und bewertet werden, bevor sie für internationale Aufgaben vorgeschlagen werden. Mehr Transparenz, die Einbindung unabhängiger Rechtsexperten und die Bevorzugung leistungsbezogener Kriterien könnten das Vertrauen in das Verfahren wiederherstellen.
Schlussfolgerung
Die Tatsache, dass es der maltesischen Regierung nach zwei Anläufen nicht gelungen ist, eine erfolgreiche Nominierung für den Europäischen Gerichtshof zu erreichen, stellt einen Moment der Abrechnung für ihren Ansatz bei der Ernennung von Richtern dar. Da das internationale Rampenlicht nun fest auf Maltas Engagement für die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit seines Rechtssystems gerichtet ist, wird die nächste Nominierung wahrscheinlich nicht nur als Test für die juristische Kompetenz, sondern auch als Ausdruck der Bereitschaft der Regierung angesehen werden, Kompetenz über politische Loyalität zu stellen.
Während Malta sich darauf vorbereitet, einen dritten Kandidaten vorzuschlagen, werden Beobachter innerhalb der EU und der breiteren juristischen Gemeinschaft genau hinschauen. Die Wahl, die in den kommenden Wochen getroffen wird, könnte dazu beitragen, Maltas Glaubwürdigkeit in europäischen Justizkreisen wiederherzustellen – oder den Eindruck verstärken, dass politische Erwägungen weiterhin wichtiger sind als Verdienste.
FAQs
Wer ist Veronique Dalli und warum wurde ihre Nominierung abgelehnt?
Veronique Dalli ist Juristin und Mitglied der Wahlkommission in Malta. Ihre Nominierung wurde wegen unzureichender Kenntnisse des EU-Rechts abgelehnt.
Was ist der Ausschuss 255 und welche Rolle spielt er?
Der Ausschuss 255 ist ein Expertengremium, das die Eignung von Kandidaten für Richterstellen am Europäischen Gerichtshof bewertet.
Warum wurde auch Edward Zammit Lewis abgelehnt?
Edward Zammit Lewis wurde als nicht geeignet für das Amt des EuGH angesehen, unter anderem aufgrund von Bedenken hinsichtlich seiner Qualifikationen und seiner politischen Zugehörigkeit.
Welche Qualifikationen sind für das Amt eines EuGH-Richters erforderlich?
Nominierte Richter müssen über umfangreiche Erfahrungen im Rechtswesen, insbesondere im EU-Recht, verfügen und ihre richterliche Kompetenz unter Beweis gestellt haben.
Sind die Nominierungen politisch beeinflusst?
Beide gescheiterten Kandidaten hatten enge Verbindungen zur regierenden Labour-Partei, was zu Bedenken hinsichtlich politischer Motivationen im Nominierungsverfahren führte.
Hat die Regierung die Ablehnung von Dalli offiziell bekannt gegeben?
Bislang hat das Justizministerium keine öffentliche Erklärung zur gescheiterten Nominierung von Veronique Dalli abgegeben.
Welche anderen Kandidaten werden in Betracht gezogen?
David Ciliberti, Rashida Sheikh und Jacques Rene Zammit stehen noch auf der Auswahlliste und werden möglicherweise für die Nominierung in Betracht gezogen.
Wie werden die Nominierten in Malta ausgewählt?
Ein lokaler Ausschuss stellt eine Auswahlliste auf, die endgültige Entscheidung trifft jedoch die Regierung. Die Transparenz dieses Prozesses ist in Frage gestellt worden.
Welche Risiken bestehen, wenn eine Nominierung wiederholt abgelehnt wird?
Wiederholte Ablehnungen können der Glaubwürdigkeit Maltas in der EU schaden und Zweifel an der Unabhängigkeit und Professionalität der maltesischen Justiz aufkommen lassen.
Könnte das Nominierungsverfahren reformiert werden?
Experten sind der Meinung, dass transparentere und leistungsbezogene Auswahlverfahren dazu beitragen würden, die Integrität der maltesischen Nominierungen zu verbessern.













































