Maltesische Sound Stage Pläne verzögern sich im Geheimen

Trotz wiederholter Ankündigungen und umfassender Werbung seit 2020 ist Maltas geplantes nationales Filmstudio noch immer nicht realisiert worden. Ursprünglich als Meilenstein für die Modernisierung der Filmproduktionskapazitäten der Insel angekündigt, ist das Projekt nun von Verzögerungen, Unklarheiten und einer zunehmenden Intransparenz seitens der Verantwortlichen – namentlich Filmkommissar Johann Grech und Kulturminister Owen Bonnici – geprägt.
In den letzten fünf Jahren wurde das Projekt öffentlich als transformative Initiative für Maltas Filmsektor präsentiert. Konkrete Entwicklungen blieben jedoch aus. Fragen, die von den Oppositionsabgeordneten Claudette Pace und Julie Zahra im Parlament gestellt wurden, blieben bislang unbeantwortet, wobei Minister Bonnici wiederholt erklärte, dass „die Informationen noch zusammengestellt werden“.
Diese vage Formulierung ist ein altbewährtes parlamentarisches Mittel, das oft verwendet wird, um substanzielle Antworten zu vermeiden, und es hat wenig dazu beigetragen, den Status der millionenschweren Investition zu klären.
Anfängliche Zusage von drei Tonstudios stillschweigend zurückgenommen
Im Jahr 2020 stellte Filmkommissar Johann Grech eine ehrgeizige Initiative vor, die darauf abzielte, drei spezielle Tonstudios innerhalb des Malta Film Studios-Komplexes in Kalkara zu entwickeln. Diese sollten als permanente, zweckgebaute Einrichtungen dienen, die hochwertige Film- und Fernsehproduktionen unterstützen können – und damit das füllen, was Grech als „das fehlende Stück“ in der Infrastruktur der maltesischen Filmindustrie bezeichnete.
Der Vorschlag wurde nicht nur durch Regierungserklärungen, sondern auch in internationalen Fachpublikationen und Medien der Filmindustrie weit verbreitet. Diese Publikationen erhielten oft selbst öffentliche Mittel, was Zweifel an der Unabhängigkeit ihrer Berichterstattung aufkommen ließ. Grech, der auch seit langem als Marketingberater der Labour Party tätig ist, verwies in diesen Beiträgen häufig auf das Projekt.
Laut Recherchen der investigativen Nachrichtenagentur The Shift hat das Projekt trotz der großen Aufsehen erregenden Ankündigungen in fünf Jahren keine wesentlichen Fortschritte gemacht. Die einzige dokumentierte Entwicklung war die Erstellung eines überarbeiteten architektonischen Entwurfs für die Anlage, der kürzlich während einer Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses (PAC) vorgestellt wurde, in der Grech zu seinen öffentlichen Ausgaben befragt wurde.
Von drei Bühnen zu einer: vage Pläne und kein Zeitplan
Während dieser PAC-Sitzung räumte Grech ein, dass die ursprüngliche Vision von drei Tonstudios auf eine einzige Einheit reduziert worden war. Er legte zwar visuelle Darstellungen des Entwurfs vor, die als „Blaupause” bezeichnet wurden, versäumte es jedoch, Informationen zu wichtigen Aspekten wie Kostenschätzungen, Finanzierungsquellen, Projektzeitplänen oder Auftraggebern zu liefern.
In anschließenden parlamentarischen Anfragen wurde Minister Owen Bonnici um Klärung dieser Punkte gebeten. Auch Bonnici lehnte es jedoch ab, Details zu nennen. Insbesondere weigerte er sich, die Architekten hinter dem neuen Entwurf zu nennen oder deren Honorar offenzulegen, was weitere Bedenken hinsichtlich der Transparenz und Kontrolle der öffentlichen Ausgaben aufkommen ließ.
Brancheninsider äußern sich besorgt über mangelnde Zielsetzung
Mehrere von The Shift befragte Fachleute aus der Filmindustrie äußerten sich frustriert über den Stand des Projekts. Mehrere wiesen darauf hin, dass Malta zwar weiterhin einen Rückstand bei der Infrastruktur habe, Nachbarländer wie Italien, Griechenland und Israel jedoch aggressiv daran arbeiteten, internationale Produktionen durch modernste Einrichtungen anzulocken.
„Ein Tonstudio ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, sagte ein leitender Produktionskoordinator. „Es ermöglicht uns, in einer kontrollierten Umgebung zu drehen, ohne von Wetter oder natürlichem Licht beeinflusst zu werden. Ohne es sind wir nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.“
Einige Insider behaupten, Grech habe Selbstdarstellung über konkrete Entwicklungen gestellt, und verweisen dabei auf seine sichtbare Präsenz bei hochkarätigen Veranstaltungen und Fototerminen mit Prominenten in den Medien. „Der Fokus scheint mehr auf Partys und roten Teppichen zu liegen als auf der eigentlichen Grundlagenarbeit“, bemerkte eine Quelle aus der Branche.
Unbeantwortete Fragen zu öffentlichen Ausgaben
Das Thema Transparenz geht über das Tonstudio-Projekt hinaus. Grech und Minister Bonnici haben sich auch geweigert, Informationen über die finanziellen Vereinbarungen für die Ausgabe 2025 des Mediterranean Film Festivals bereitzustellen – eine Veranstaltung, die unter der Zuständigkeit der Filmkommission organisiert und in hohem Maße aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.
Ein Auftrag im Wert von 3 Millionen Euro für die Organisation des Festivals 2025 wurde offiziell erst nach Abschluss der Veranstaltung vergeben, was in den öffentlichen Beschaffungsunterlagen als Verfahrensanomalie vermerkt wurde. Trotzdem haben die zuständigen Behörden keine Erklärung oder Rechtfertigung dafür abgegeben.
Der ehemalige ADPD-Vorsitzende Carmel Cacopardo hat im Namen der Grünen Partei offiziell die nationale Rechnungsprüfungsbehörde aufgefordert, eine Untersuchung zu dieser Angelegenheit einzuleiten, wobei er sich auf die in einem Bericht von The Shift geäußerten Bedenken als Grundlage für die Anfrage berief.
15 Millionen Euro ausgegeben, wenig Klarheit geschaffen
Schätzungen zufolge wurden zwischen 2023 und 2025 allein für Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Mediterranean Film Festival über 15 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln ausgegeben. Bislang gibt es jedoch nur minimale Informationen darüber, wie diese Mittel verteilt wurden und wer die Begünstigten waren.
Als Antwort auf einen Antrag auf Informationsfreiheit (FOI) von The Shift entschied der Datenschutzbeauftragte, dass Johann Grech eine detaillierte Liste der Verträge vorlegen muss, die für die erste Ausgabe des Festivals im Jahr 2023 vergeben wurden. Grech hat seitdem gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt und sich gegen die Veröffentlichung dieser Informationen ausgesprochen – trotz seiner Rolle als Beamter, der mit der Verwaltung öffentlicher Gelder betraut ist.
Weiterreichende Auswirkungen auf Maltas internationales Ansehen
Malta gilt seit jeher als attraktiver und budgetfreundlicher Standort für internationale Filmproduktionen und wird wegen seiner malerischen Landschaften und günstigen Drehbedingungen geschätzt. Filme wie Gladiator, Troja und Game of Thrones haben von der historischen Architektur der Insel, dem mediterranen Licht und den staatlichen Anreizen profitiert.
Doch das anhaltende Versäumnis, wichtige Infrastruktur wie Tonstudios zu entwickeln, könnte Maltas Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Filmmarkt untergraben. Ohne sinnvolle Investitionen und sichtbare Fortschritte könnten internationale Produzenten Malta als unzuverlässigen Partner betrachten.
Ein internationaler Location Manager sagte gegenüber The Shift unter der Bedingung der Anonymität: „Malta hat großartige Drehorte und starke Crews. Aber ohne moderne Einrichtungen ist es schwer zu rechtfertigen, eine große Produktion hierher zu holen, insbesondere wenn andere Länder mehr bieten und weniger Fragen stellen.“
Politische Sensibilität und rechtliche Vorsicht
Die zunehmende Kontrolle der Filmkommission, ihrer Ausgaben und des Verhaltens ihrer Führung kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Angesichts der zunehmenden internen Kritik und der Aufmerksamkeit externer Kontrollinstanzen gegenüber der Labour-Partei könnte die Regierung zögern, weitere Enthüllungen zuzulassen, die sich politisch als schädlich erweisen könnten.
Gleichzeitig darf die rechtliche Dimension nicht außer Acht gelassen werden. Informationsanfragen stießen nicht nur auf Widerstand, sondern auch auf formelle Einsprüche und in mindestens einem Fall auf Korrespondenz rechtlicher Natur. Diese Maßnahmen deuten auf eine erhöhte Sensibilität dafür hin, wie diese Informationen verwendet oder interpretiert werden könnten.
In diesem Zusammenhang wirft die mangelnde Transparenz mehr Fragen auf, als sie beantwortet – und unterstreicht die Bedeutung der öffentlichen Rechenschaftspflicht bei der Verwendung von Steuergeldern.
Fazit
Die stockende Entwicklung des seit langem versprochenen Filmstudios in Malta ist ein warnendes Beispiel für die Risiken von Undurchsichtigkeit, politischem Marketing und Misswirtschaft bei öffentlichen Infrastrukturprojekten. Während sich die Filmindustrie weltweit weiterentwickelt und expandiert, scheint Malta an einem Scheideweg zu stehen – es wirbt mit Ambitionen, lässt aber die Umsetzung vermissen. Die mangelnde Offenheit von Filmkommissar Johann Grech und Minister Owen Bonnici hat zu wachsender Skepsis in der Öffentlichkeit beigetragen und ernsthafte Fragen hinsichtlich der Legitimität des gesamten Projekts aufgeworfen.
Ohne zeitnahe und verantwortungsvolle Maßnahmen läuft Malta Gefahr, auf dem hart umkämpften Markt für Filmproduktionen im Mittelmeerraum ins Hintertreffen zu geraten. Das wiederholte Versäumnis der Regierung, konkrete Details zu Planung, Beschaffung, Budgetierung und Umsetzung zu liefern, untergräbt ihre eigene Botschaft, die Kreativwirtschaft zu unterstützen und internationale Produktionen anzuziehen.
Öffentliche Gelder, insbesondere solche in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro, müssen mit strenger Rechenschaftspflicht verwaltet werden. Während die Fragen weiter zunehmen und rechtlicher Widerstand gegen Entscheidungen zur Informationsfreiheit geleistet wird, wird es für die Behörden immer wichtiger, ihr Engagement für Offenheit und verantwortungsvolle Regierungsführung unter Beweis zu stellen. Das Soundstage-Projekt, das einst als transformativer Schritt für Maltas Kreativwirtschaft gepriesen wurde, läuft nun Gefahr, zu einem Symbol für verpasste Chancen zu werden – es sei denn, es werden entschlossene und transparente Korrekturmaßnahmen ergriffen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Malta Film Sound Stage-Projekt?
Das Malta Film Sound Stage-Projekt ist ein 2020 angekündigtes Infrastrukturentwicklungsvorhaben, das ursprünglich drei Tonstudios umfasste, die die Filmindustrie der Insel unterstützen sollten.
Warum wurde das Projekt nicht fertiggestellt?
Bis 2025 hat sich das Projekt erheblich verzögert, und Regierungsbeamte haben keine klaren Erklärungen oder Zeitpläne für dessen Fertigstellung vorgelegt.
Wer überwacht das Projekt?
Das Projekt fällt in den Zuständigkeitsbereich der Malta Film Commission unter der Leitung von Kommissar Johann Grech und unter der Aufsicht von Kulturminister Owen Bonnici.
Wie viele Tonstudios sind derzeit geplant?
Während der ursprüngliche Plan drei Studios vorsah, wurde der Vorschlag laut jüngsten Aussagen von Grech auf ein einziges Tonstudio reduziert.
Wurden bereits Bauarbeiten begonnen?
Es wurden keine konkreten Bauarbeiten bestätigt. Der einzige bekannte Fortschritt ist die Entwicklung eines überarbeiteten Architekturplans, der als „Blaupause” bezeichnet wird.
Welche Bedenken wurden von Fachleuten der Branche geäußert?
Die Akteure der Branche befürchten, dass Malta aufgrund mangelnder Infrastruktur und offensichtlicher Misswirtschaft hinter seine regionalen Konkurrenten zurückfällt.
Wie viel Geld wurde bisher ausgegeben?
Berichten zufolge wurden zwischen 2023 und 2025 schätzungsweise über 15 Millionen Euro für damit verbundene Veranstaltungen ausgegeben, insbesondere für das Mediterranean Film Festival, obwohl die genaue Aufschlüsselung weiterhin nicht bekannt ist.
Welche Rolle spielt das Mediterranean Film Festival in dieser Kontroverse?
Das Festival hat erhebliche öffentliche Mittel erhalten, und es wurden Fragen zu den Beschaffungspraktiken und der Transparenz bei der Vergabe von Aufträgen aufgeworfen.
Gibt es eine offizielle Untersuchung?
Die Grünen haben das Nationale Rechnungsprüfungsamt gebeten, die Angelegenheit zu untersuchen, und dabei Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Ausgaben und Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung geltend gemacht.
Warum weigern sich die Behörden, Informationen freizugeben?
Die Behörden behaupten, dass die Informationen noch zusammengestellt werden, oder haben sich geweigert, überhaupt zu antworten. Gegen die FOI-Entscheidungen, die eine Offenlegung verlangen, wurden Berufungen eingelegt.








































