Polymarket droht französische ISP Blockade wegen Glücksspiel Compliance

Polymarket faces French ISP blocking order over gambling compliance

Frankreich hat seinen regulatorischen Ansatz im Bereich des Online-Glücksspiels verschärft und Internetdienstanbieter angewiesen, den Zugang zu Polymarket zu sperren – einer Plattform für Prognosemärkte, die nach Ansicht der französischen Glücksspielaufsichtsbehörde für einen rechtmäßigen Betrieb auf dem französischen Markt nicht geeignet ist. Diese jüngste Durchsetzungsmaßnahme spiegelt die zunehmende Aufmerksamkeit wider, die Prognosemärkten und deren Schnittstellen mit der Glücksspielregulierung, dem Verbraucherschutz und den Compliance-Verpflichtungen in ganz Europa zuteilwird.

Die Entscheidung wurde von der französischen Autorité Nationale des Jeux (ANJ) nach einer langwierigen Prüfung der Verfügbarkeit der Plattform für französische Nutzer getroffen. Nach Angaben der Regulierungsbehörde blieb die Plattform trotz früherer Maßnahmen, die darauf abzielten, Aktivitäten aus Frankreich einzuschränken, weiterhin zugänglich. Infolgedessen kam die Behörde zu dem Schluss, dass strengere Durchsetzungsmaßnahmen erforderlich seien.

Die Maßnahme verdeutlicht, dass sich die Regulierungsbehörden bei der Beurteilung, ob ein Online-Dienst den nationalen Glücksspielgesetzen entspricht, zunehmend nicht nur auf Zahlungssysteme, sondern auch auf die Zugänglichkeit von Websites, Verfahren zur Kundenidentifizierung und die Produktgestaltung konzentrieren.

ANJ weist Internetanbieter an, den Zugang zu sperren

Die französische Regulierungsbehörde bestätigte, dass ihr Präsident die Sperranordnung am 16. Juli nach einer umfassenden Bewertung der über Polymarket angebotenen Dienste unterzeichnet habe. Gemäß der Anordnung sind inländische Internetdienstanbieter verpflichtet, Nutzern mit Standort in Frankreich den Zugriff auf die Plattform zu verwehren.

Die Entscheidung stellt die jüngste Phase einer behördlichen Überprüfung dar, die Ende 2024 begann, als die ANJ erstmals die Verfügbarkeit der Plattform für französische Verbraucher untersuchte.

Nach Angaben der Behörde führten frühere Bemühungen zu Einschränkungen bei Finanztransaktionen aus Frankreich durch Geoblocking-Maßnahmen. Die Regulierungsbehörde erklärte jedoch, dass diese Einschränkungen die Nutzer nicht vollständig daran hinderten, auf den Dienst zuzugreifen.

Anstatt sich ausschließlich auf Zahlungen zu konzentrieren, zielt die jüngste Durchsetzungsmaßnahme auf den Zugriff auf die Website selbst ab. Dieser Ansatz spiegelt eine umfassendere Regulierungsstrategie wider, die darauf abzielt, den Kontakt der Verbraucher mit Diensten einzuschränken, die nach dem französischen Glücksspielrecht nicht zugelassen sind.

Warum die Regulierungsbehörde die Plattform als nicht zugelassen betrachtet

In Frankreich gilt ein reguliertes Glücksspielrecht, das von lizenzierten Anbietern die Einhaltung umfangreicher Verbraucherschutzmaßnahmen verlangt. Prognosemarktplattformen fallen derzeit nicht unter die im Land zugelassenen Glücksspielprodukte.

Die ANJ erklärte, dass Prognosemärkte zwar wichtige Merkmale mit traditionellen Wettprodukten teilen könnten, jedoch außerhalb der regulatorischen Schutzvorkehrungen operieren, die lizenzierte Glücksspielanbieter umsetzen müssen.

Aus Sicht der Regulierungsbehörde hängt die rechtliche Einstufung eines Dienstes davon ab, wie er funktioniert, und nicht davon, wie er beschrieben wird. Produkte, die es Nutzern ermöglichen, auf zukünftige Ereignisse zu spekulieren, können daher in den Fokus der Regulierungsbehörde geraten, wenn sie Wettaktivitäten ähneln.

Diese Auslegung misst der tatsächlichen Struktur von Prognosemärkten sowie der Frage, ob sie in bestimmten Rechtsordnungen der Glücksspielregulierung unterliegen sollten, zunehmende Bedeutung bei.

KYC und Identitätsprüfung bleiben zentrale Anliegen

Eines der Hauptanliegen der Regulierungsbehörde betrifft die Verfahren zur Kundenidentifizierung.

Die ANJ verwies auf eine im Mai eingeleitete Untersuchung zu Vorwürfen bezüglich manipulierter Wetterprognosemärkte. Nach Angaben der Regulierungsbehörde habe die Untersuchung aufgezeigt, dass die Systeme zur Nutzeridentifizierung bei den Polymarket-Diensten, die Nutzern in Frankreich und anderen Teilen Europas zugänglich sind, ihrer Ansicht nach unzureichend seien.

Die Behörde wies darauf hin, dass wirksame „Know Your Customer“-Verfahren (KYC) eine wesentliche Rolle bei der Betrugsbekämpfung, dem Verbraucherschutz und der Wahrung der Marktintegrität spielen.

Die französischen Regulierungsbehörden betrachteten die Identitätsprüfung daher nicht nur als technische Compliance-Anforderung. Vielmehr stellten sie sie als eine zentrale Sicherheitsmaßnahme zur Aufrechterhaltung des Vertrauens in regulierte Glücksspielumgebungen dar.

Die Regulierungsbehörde wies zudem darauf hin, dass strengere Überprüfungsmaßnahmen dazu beitragen könnten, die mit Marktmanipulation und unbefugter Teilnahme verbundenen Risiken zu verringern.

Ein bedeutendes französisches Publikum beeinflusste die Entscheidung

Auch die Besucherzahlen flossen in die Bewertung der Aufsichtsbehörde ein.

Laut ANJ verzeichnete Polymarket im Juni rund 578.751 Besuche von 205.057 einzelnen Besuchern mit Standort in Frankreich. Diese Zugriffszahlen zeigen, dass die Plattform bei französischen Nutzern eine beachtliche Bekanntheit erreicht hat.

Für die Aufsichtsbehörden erhöht diese öffentliche Präsenz die Bedeutung der Durchsetzung, da eine weitreichend zugängliche Plattform zur Teilnahme anregen kann, unabhängig davon, ob letztendlich Finanztransaktionen getätigt werden.

Die Behörde stellte zudem fest, dass die fortlaufende Darstellung verfügbarer Prognosemärkte und der damit verbundenen Preisgestaltung an sich bereits eine Werbung für einen nicht zugelassenen Dienst darstellen kann.

Dies spiegelt eine zunehmend weit gefasste Auslegung des Verbraucherkontakts wider, bei der Sichtbarkeit und Verfügbarkeit eine ähnliche regulatorische Aufmerksamkeit erhalten können wie die Zahlungsabwicklung.

Die Durchsetzung folgt einer etablierten Regulierungsstrategie

Obwohl der Fall „Polymarket“ beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist er Teil eines umfassenderen Durchsetzungsprogramms der französischen Regulierungsbehörde.

Die ANJ berichtete, dass sie im Jahr 2025 im Rahmen ihrer Verwaltungsbefugnisse die Sperrung von 1.290 URLs angeordnet habe.

Dies zeigt, dass Frankreich bereits über einen aktiven Durchsetzungsrahmen verfügt, der auf Websites abzielt, von denen angenommen wird, dass sie außerhalb der nationalen Glücksspielgesetzgebung operieren.

Die Entscheidung im Fall Polymarket ist jedoch aufgrund des internationalen Profils der Plattform und der zunehmenden Debatte um Prognosemärkte von besonderer Bedeutung.

Da sich diese Produkte weiterentwickeln, prüfen Regulierungsbehörden in verschiedenen Rechtsordnungen, ob bestehende rechtliche Rahmenbedingungen ihren Besonderheiten angemessen Rechnung tragen.

Die Erwartungen an die Einhaltung der Vorschriften entwickeln sich weiter

Der Fall bietet praktische Orientierungshilfen für Betreiber, Technologieanbieter und Unternehmen, die im Bereich Online-Glücksspiel oder Ereignisprognosedienste tätig sind.

Die Regulierungsbehörden erwarten zunehmend, dass Compliance-Maßnahmen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel funktionieren.

Geolokalisierung, Zahlungsbeschränkungen, Kundenidentifizierungssysteme, Produktgestaltung und Maßnahmen zum verantwortungsvollen Glücksspiel werden allesamt als miteinander verknüpfte Elemente eines regelkonformen Betriebs angesehen.

Die Beschränkung der Zahlungsabwicklung allein reicht möglicherweise nicht mehr aus, um die regulatorischen Erwartungen zu erfüllen, wenn Verbraucher weiterhin über andere Kanäle auf den Dienst zugreifen oder mit ihm interagieren können.

Unternehmen, die Zugang zu regulierten Märkten anstreben, sollten daher die Compliance über die gesamte Customer Journey hinweg bewerten – vom ersten Zugriff auf die Website über die Kontoeröffnung und Identitätsprüfung bis hin zur laufenden Überwachung.

Auswirkungen auf Anbieter und Marketingpartner

Die Durchsetzungsmaßnahme hat auch Auswirkungen über die Plattformbetreiber hinaus.

Technologieanbieter, Softwareentwickler, Zahlungsdienstleister, Marketingpartner und Affiliates spielen alle eine Rolle innerhalb des umfassenderen Ökosystems des Online-Glücksspiels.

Unternehmen, die an der Kundenakquise oder an Werbeaktivitäten beteiligt sind, sollten sicherstellen, dass Marketingkampagnen den gesetzlichen Anforderungen jeder Rechtsordnung entsprechen, in der sich Verbraucher befinden könnten.

Die Darstellung von Quoten, Prognosen, Verträgen oder Werbeinhalten kann die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden auf sich ziehen, selbst wenn sich der zugrunde liegende Dienst anders beschreibt als herkömmliche Glücksspielprodukte.

Marktteilnehmer sollten daher die lokalen rechtlichen Rahmenbedingungen sorgfältig prüfen, bevor sie Produkte in mehreren Ländern bewerben.

Das Interesse an Prognosemärkten in Europa nimmt zu

Die Entscheidung Frankreichs trägt zu einer breiteren europäischen Diskussion über Prognosemärkte, Verbraucherschutz und Marktintegrität bei.

Da Prognosemarktplattformen international weiter expandieren, prüfen die Regulierungsbehörden derzeit, ob die bestehenden Glücksspielgesetze diese Produkte ausreichend abdecken oder ob zusätzliche rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich werden könnten.

Fragen zur Produktklassifizierung stehen weiterhin im Mittelpunkt dieser Diskussion. Wenn ein Ereignisvertrag einer Wette sehr ähnlich ist, könnten die Regulierungsbehörden prüfen, ob gleichwertige Verbraucherschutzmaßnahmen gelten sollten.

Zukünftige regulatorische Überprüfungen werden sich wahrscheinlich auch auf Geolokalisierungssysteme, KYC-Verfahren, Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Spielen, Marktüberwachung und Schutzvorkehrungen konzentrieren, die darauf abzielen, Manipulationsmöglichkeiten zu verringern.

Das Ergebnis dieser Diskussionen könnte Einfluss darauf haben, wie Prognosemarktbetreiber ihre Expansion in regulierte europäische Rechtsräume angehen.

Fazit

Die Entscheidung Frankreichs, Internetdienstanbieter zu verpflichten, den Zugang zu Polymarket zu sperren, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Regulierungsbehörden im Bereich des Online-Glücksspiels umfassendere Durchsetzungsstrategien verfolgen. Anstatt sich ausschließlich auf Zahlungsbeschränkungen zu konzentrieren, prüfen die Behörden zunehmend die Zugänglichkeit von Websites, Kundenverifizierungssysteme, Verbraucherschutzmaßnahmen und die allgemeine Produktgestaltung.

Der Fall veranschaulicht auch die sich wandelnde regulatorische Behandlung von Prognosemärkten, während die politischen Entscheidungsträger prüfen, wo diese Produkte in die bestehende Glücksspielgesetzgebung einzuordnen sind. Auch wenn sich die rechtlichen Ansätze zwischen den einzelnen Rechtsordnungen unterscheiden mögen, sollten international tätige Unternehmen erkennen, dass die Compliance-Anforderungen über die reine Lizenzierung hinausgehen.

Für Betreiber, Anbieter, Partner und Technologieanbieter ist die Botschaft klar: Robuste Geolokalisierungssysteme, wirksame KYC-Verfahren, verantwortungsvolle Marketingpraktiken und eine sorgfältige Bewertung der lokalen rechtlichen Anforderungen werden zu wesentlichen Bestandteilen eines nachhaltigen Betriebs in regulierten Märkten. Da die europäische Aufsicht weiter zunimmt, werden Unternehmen, die Compliance bereits in den frühesten Phasen der Produktentwicklung priorisieren, besser aufgestellt sein, um sich an ein sich wandelndes regulatorisches Umfeld anzupassen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Polymarket?
Polymarket ist eine Online-Plattform für Prognosemärkte, auf der Nutzer Kontrakte handeln, die auf den Ergebnissen zukünftiger Ereignisse basieren.

Warum hat Frankreich den Zugang zu Polymarket gesperrt?
Die französischen Regulierungsbehörden kamen zu dem Schluss, dass die Plattform zugänglich war, ohne die im Rahmen des französischen Glücksspielrechts vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen zu erfüllen.

Welche Behörde hat die Sperranordnung erlassen?
Die Anordnung wurde von der französischen „Autorité Nationale des Jeux“, allgemein bekannt als ANJ, erlassen.

Reguliert Frankreich Prognosemärkte als Glücksspiel?
Frankreich lässt Prognosemarktplattformen derzeit nicht als regulierte Glücksspielprodukte zu, und die Aufsichtsbehörden können sie je nach ihrer Funktionsweise bewerten.

Welche Bedenken hat die ANJ hinsichtlich Polymarket geäußert?
Die Aufsichtsbehörde hob Probleme in Bezug auf Geolokalisierungskontrollen, Kundenidentifizierungsverfahren, Verbraucherschutz und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften hervor.

Was bedeutet KYC im Online-Glücksspiel?
„Know Your Customer“ (KYC) bezeichnet Identitätsprüfungsverfahren, die dazu dienen, die Identität von Kunden zu bestätigen und Betrug, Geldwäsche sowie andere Compliance-Risiken zu verhindern.

Betrifft die Anordnung Internetdienstanbieter?
Ja. Die Anordnung verpflichtet französische Internetdienstanbieter, den Zugriff auf die Plattform von Frankreich aus zu sperren.

Warum sind Geolokalisierungsmaßnahmen wichtig?
Geolokalisierungsmaßnahmen tragen dazu bei, sicherzustellen, dass Online-Dienste nur in Rechtsordnungen verfügbar sind, in denen sie rechtlich zum Betrieb zugelassen sind.

Könnten ähnliche Maßnahmen auch in anderen europäischen Ländern ergriffen werden?
Jede Rechtsordnung wendet ihren eigenen Rechtsrahmen an, obwohl die Aufsichtsbehörden in ganz Europa Prognosemarktdienste zunehmend unter die Lupe nehmen.

Was sollten Glücksspielanbieter aus diesem Fall lernen?
Anbieter sollten sicherstellen, dass die Einhaltung von Lizenzbestimmungen, Geolokalisierungssysteme, Identitätsprüfungen, Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Spielen und lokale gesetzliche Anforderungen vollständig in ihre Betriebsabläufe integriert sind.

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