Österreich legt Entwurf der Glücksspielreformen der EU-Kommission vor

Österreich hat einen bedeutenden Schritt zur Neugestaltung seines Glücksspielsektors unternommen, nachdem es seine vorgeschlagenen Glücksspielreformen der Europäischen Kommission zur Prüfung vorgelegt hat. Der Gesetzentwurf stellt die umfassendste Überarbeitung der Glücksspielregulierung des Landes seit mehr als zwanzig Jahren dar und könnte die Art und Weise, wie Online-Glücksspiele lizenziert und beaufsichtigt werden, grundlegend verändern.
Mit der Einreichung beginnt eine formelle Prüfung im Rahmen des Informationssystems für technische Vorschriften der Europäischen Union, allgemein bekannt als TRIS. Während der vorgeschriebenen dreimonatigen Stillhaltefrist haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Möglichkeit, die Vorschläge zu prüfen und festzustellen, ob bestimmte Elemente im Widerspruch zum europäischen Recht in Bezug auf Wettbewerb, den Binnenmarkt oder den freien Dienstleistungsverkehr stehen.
Sollte die Prüfung ohne nennenswerte Hindernisse verlaufen, beabsichtigt Österreich, noch vor Oktober 2027 – wenn die derzeitige Monopol-Lizenz von Win2Day ausläuft – ein wettbewerbsorientiertes Lizenzsystem für Online-Glücksspiele einzuführen.
Österreich auf dem Weg zu einem wettbewerbsorientierten Online-Glücksspielmarkt
Seit Jahrzehnten gilt in Österreich ein Monopolmodell für Online-Glücksspiele. Die vorgeschlagenen Reformen würden diese Struktur durch einen offenen Lizenzrahmen ersetzen, der es mehreren qualifizierten Anbietern ermöglicht, in den regulierten Markt einzutreten, sofern sie strenge regulatorische Standards erfüllen.
Das Gesetzespaket gilt weithin als eine der wichtigsten Änderungen in der Glücksspielpolitik, die Österreich in der jüngeren Geschichte eingeführt hat. Neben der Steigerung des Wettbewerbs zielt es auch darauf ab, die behördliche Aufsicht zu stärken, den Schutz vor verantwortungslosem Glücksspiel zu verbessern und klarere Compliance-Verpflichtungen für die Anbieter zu schaffen.
Regierungsvertreter sind der Ansicht, dass der überarbeitete Rahmen moderne europäische Regulierungsstandards besser widerspiegeln und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen mit Verbraucherschutz in Einklang bringen wird.
Prüfung durch die Europäische Kommission im Rahmen des TRIS-Verfahrens beginnt
Die Notifizierung Österreichs an die Europäische Kommission löst das TRIS-Verfahren aus, das sicherstellen soll, dass neue nationale technische Vorschriften mit dem EU-Recht vereinbar sind, bevor sie formell verabschiedet werden.
Während der Stillhaltefrist können andere Mitgliedstaaten Stellungnahmen oder detaillierte Gutachten einreichen, wenn sie der Ansicht sind, dass die vorgeschlagene Gesetzgebung Handelshemmnisse schafft oder im Widerspruch zu bestehenden europäischen Rechtsgrundsätzen steht.
Obwohl das Verfahren die Verabschiedung der Gesetzgebung nicht automatisch verhindert, ermöglicht es, potenzielle rechtliche Probleme bereits vor der Umsetzung zu identifizieren. Etwaige Bedenken, die während der Konsultationsphase geäußert werden, können dazu führen, dass Österreich vor der endgültigen Verabschiedung Teile der vorgeschlagenen Gesetzgebung präzisieren, ändern oder begründen muss.
Die Überprüfung gilt als wichtiger Verfahrensschritt, da die Glücksspielregulierung europaweit weiterhin einer genauen rechtlichen Prüfung unterliegt, wobei die Mitgliedstaaten unterschiedliche Lizenzierungsmodelle anwenden.
Das Ende des Win2Day-Monopols rückt näher
Ein zentrales Ziel des Reformpakets ist es, Österreich auf das Auslaufen der derzeit von Win2Day gehaltenen exklusiven Online-Glücksspiellizenz im Oktober 2027 vorzubereiten.
Win2Day ist der seit langem etablierte Monopolanbieter für regulierte Online-Glücksspieldienste des Landes und gehört zu Casinos Austria. Casinos Austria ist seit Jahrzehnten eine dominierende Kraft in der österreichischen Glücksspielbranche.
Zu den Eigentümern von Casinos Austria gehört der österreichische Staat über die ÖBAG, während der internationale Glücksspielkonzern Allwyn nach einer früheren Unternehmensumstrukturierung ebenfalls eine bedeutende Beteiligung hält.
Das Auslaufen der bestehenden Lizenz bietet der Regierung die Gelegenheit, das Regulierungssystem neu zu gestalten, anstatt die Monopolregelung einfach zu verlängern.
Eine Öffnung des Marktes für lizenzierten Wettbewerb würde Österreich stärker an mehrere andere europäische Rechtsordnungen angleichen, die mehrere lizenzierte Betreiber unter strengen Aufsichtsanforderungen regulieren.
Neue Lizenzierungsvorschriften für Betreiber
Der Gesetzentwurf führt detaillierte Lizenzierungsbedingungen für Betreiber ein, die Zugang zum künftigen regulierten Online-Glücksspielmarkt Österreichs anstreben.
Antragsteller müssten finanzielle Stabilität, technische Leistungsfähigkeit, die Einhaltung von Verpflichtungen zum verantwortungsvollen Glücksspiel sowie die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Meldepflichten nachweisen.
Eine der am meisten beachteten Bestimmungen betrifft Unternehmen, die derzeit österreichische Kunden ohne lokale Genehmigung bedienen.
Gemäß dem Vorschlag müssen Betreiber, die eine künftige Lizenz erhalten möchten, die Erbringung von Dienstleistungen für österreichische Kunden bis zum 1. Januar 2027 einstellen, sofern sie derzeit ohne gesetzliche Genehmigung tätig sind.
Die Nichteinhaltung dieser Übergangsvorschrift würde erhebliche Strafen nach sich ziehen.
Unternehmen, die ihre nicht genehmigte Tätigkeit fortsetzen, könnten mit einem Ausschluss vom Lizenzierungsverfahren für die Dauer von achtzehn Monaten rechnen. Ab 2030 würde sich diese Ausschlussfrist auf vierundzwanzig Monate verlängern.
Die Regierung ist der Ansicht, dass diese Übergangsregelungen eine frühzeitige Einhaltung der Vorschriften fördern und gleichzeitig klare Erwartungen für potenzielle Marktteilnehmer schaffen.
Der Spielerschutz wird zu einer zentralen Säule
Der Verbraucherschutz ist eines der wichtigsten Themen der vorgeschlagenen Glücksspielreformen.
Die Gesetzgebung führt eine Reihe von Schutzmaßnahmen ein, die darauf abzielen, glücksspielbedingte Schäden zu verringern und den Aufsichtsbehörden gleichzeitig eine bessere Überwachung der Spieleraktivitäten zu ermöglichen.
Einzahlungslimits würden für alle lizenzierten Anbieter gelten und nicht mehr individuell von jedem Unternehmen geregelt werden.
Für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 26 Jahren würden niedrigere Einzahlungsgrenzen gelten, da jüngere Spieler nachweislich einem höheren Risiko im Zusammenhang mit Glücksspielen ausgesetzt sind.
Die Behörden beabsichtigen zudem, eine zentrale Überwachungsplattform einzurichten, die für die Kontrolle der Einzahlungsgrenzen und die Einhaltung der Vorschriften durch die Anbieter im gesamten regulierten Markt zuständig ist.
Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Einrichtung eines landesweiten Selbstausschlussregisters.
Diese einheitliche Datenbank würde es Einzelpersonen ermöglichen, sich über ein einziges nationales System – statt über separate Ausschlussprogramme – vom Glücksspiel auf Online-Plattformen, in Casinos und an Spielautomatenstandorten auszuschließen.
Befürworter sind der Ansicht, dass dieser integrierte Ansatz die Wirksamkeit von Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Glücksspiel verbessern und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand verringern könnte.
Auch die Vorschriften für Spielautomaten unterliegen strengeren Kontrollen
Die vorgeschlagene Gesetzgebung geht über das Online-Glücksspiel hinaus und führt mehrere Änderungen ein, die die Regulierung von Spielautomaten betreffen.
Die maximalen Einsatzbeträge würden gesenkt, während gleichzeitig die Spielgeschwindigkeit verlangsamt würde, um ein kontrollierteres Spielverhalten zu fördern.
Darüber hinaus würden Spieler, die ununterbrochen an Spielautomaten spielen, nach längerem Spiel einer obligatorischen 90-minütigen Abkühlungsphase unterliegen.
Diese Maßnahmen spiegeln einen breiteren regulatorischen Trend in ganz Europa wider, bei dem sich die politischen Entscheidungsträger zunehmend darauf konzentrieren, übermäßige Spielintensität durch Anforderungen an die Produktgestaltung zu reduzieren.
Verschärfte Durchsetzung gegen illegales Glücksspiel
Neben erweiterten Lizenzierungsmöglichkeiten plant Österreich auch eine verschärfte Durchsetzung gegen nicht lizenzierte Glücksspieldienste.
Der Gesetzentwurf räumt den Regulierungsbehörden zusätzliche Befugnisse ein, darunter Maßnahmen zur Sperrung von Zahlungen, die darauf abzielen, Finanztransaktionen im Zusammenhang mit illegalen Anbietern zu unterbinden.
Ebenfalls vorgesehen sind Mechanismen zur Netzwerksperrung, die es den Behörden ermöglichen, den Zugang zu Websites zu beschränken, die weiterhin ohne Genehmigung österreichische Kunden ansprechen.
Behördenvertreter argumentieren, dass die Kombination von Durchsetzungsbefugnissen mit einem wettbewerbsorientierten Lizenzmarkt die Kanalisierung verbessern wird, indem Spieler dazu ermutigt werden, regulierte Alternativen zu wählen.
Branchenvertreter diskutieren jedoch weiterhin, ob die vorgeschlagenen Übergangsregelungen während der Umsetzungsphase unbeabsichtigt nicht lizenzierten Anbietern zugutekommen könnten.
Bedenken der Branche hinsichtlich der Übergangsregelungen
Nicht alle Interessengruppen haben jeden Aspekt der vorgeschlagenen Reformen begrüßt.
Der Österreichische Wett- und Glücksspielverband hat Bedenken hinsichtlich der obligatorischen Ausstiegsfrist geäußert, die Anbietern auferlegt wird, die derzeit ohne österreichische Lizenzen tätig sind.
Nach Ansicht des Verbandes könnten diese Einschränkungen die Zahl der Betreiber verringern, die bereit sind, unmittelbar nach der Liberalisierung in den künftigen regulierten Markt einzutreten.
Die Organisation hat zudem darauf hingewiesen, dass längere Ausschlussfristen unbeabsichtigt illegale Glücksspielaktivitäten verstärken könnten, wenn Verbraucher weiterhin nach Angeboten suchen, die auf dem regulierten Markt nicht verfügbar sind.
Es wird erwartet, dass diese Bedenken sowohl im Rahmen des Überprüfungsverfahrens der Europäischen Kommission als auch in der innerstaatlichen Gesetzgebungsdebatte in Österreich Gegenstand umfassenderer Diskussionen sein werden.
Auch Lizenzen für landbasierte Casinos sollen reformiert werden
Der Gesetzentwurf sieht zudem erhebliche Änderungen für den österreichischen Sektor der landbasierten Casinos vor.
Im Rahmen der überarbeiteten Regelung würden bis zu dreizehn Casino-Lizenzen zur Verfügung stehen.
Anstatt einzelne Lizenzen separat zu vergeben, plant die Regierung, diese in gebündelten Paketen zu vergeben.
Behördenvertreter argumentieren, dass diese Struktur die Marktstabilität fördert und gleichzeitig einen, wie sie es bezeichnen, übermäßigen Wettbewerb verhindert.
Einige potenzielle Marktteilnehmer haben diesen Ansatz kritisiert, da sie der Ansicht sind, dass Lizenzpakete größere Betreiber mit umfangreicheren finanziellen Ressourcen begünstigen und kleineren Unternehmen den Markteintritt erschweren könnten.
Das Vergabemodell dürfte daher eines der am genauesten unter die Lupe genommenen Elemente des gesamten Reformpakets bleiben.
Ausblick für den österreichischen Glücksspielsektor
Die vorgeschlagenen Glücksspielreformen in Österreich stellen einen Meilenstein für die Glücksspielbranche des Landes dar. Sollten sie verabschiedet werden, würden sie ein seit langem bestehendes Monopol durch ein reguliertes, wettbewerbsorientiertes Lizenzmodell ersetzen, das durch einen verbesserten Spielerschutz, strengere Durchsetzungsinstrumente und moderne Compliance-Standards gestützt wird.
Die derzeitige Überprüfung durch die Europäische Kommission bietet eine wichtige Gelegenheit, die Gesetzgebung vor ihrer Umsetzung anhand der Rechtsgrundsätze der Europäischen Union zu bewerten. Auch wenn weitere Änderungen möglich bleiben, ist das Ziel der Regierung klar: Sie strebt die Schaffung eines modernen Regulierungsrahmens an, der in der Lage ist, Marktwettbewerb, Verbraucherschutz und wirksame behördliche Aufsicht in Einklang zu bringen, bevor die bestehende Monopollizenz im Jahr 2027 ausläuft.
Während die Diskussionen zwischen Regulierungsbehörden, Branchenvertretern und europäischen Institutionen weitergehen, werden die Reformen voraussichtlich die österreichische Glücksspiellandschaft für viele Jahre prägen.
Fazit
Die Entscheidung Österreichs, seine Glücksspielreformen der Europäischen Kommission vorzulegen, markiert den Beginn eines wichtigen Gesetzgebungsprozesses, der den Glücksspielmarkt des Landes erheblich umgestalten könnte. Die Vorschläge zielen darauf ab, das bestehende Monopol durch einen wettbewerbsorientierten Lizenzrahmen zu ersetzen und gleichzeitig strengere Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Spielen, eine verbesserte Durchsetzung der Vorschriften sowie klarere Compliance-Standards für Betreiber einzuführen.
Auch wenn die Konsultationsphase zu weiteren Diskussionen oder Änderungen führen kann, zeigt der Gesetzentwurf die Absicht Österreichs, seinen Regulierungsansatz im Einklang mit den sich wandelnden europäischen Erwartungen zu modernisieren. Das endgültige Ergebnis wird von Betreibern, Investoren, Regulierungsbehörden und Verbrauchern aufmerksam verfolgt werden, während sich das Land auf einen möglichen Übergang zu einem neuen Lizenzierungssystem im Jahr 2027 vorbereitet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es bei den österreichischen Glücksspielreformen?
Die österreichischen Glücksspielreformen zielen darauf ab, das derzeitige Online-Glücksspielmonopol durch ein wettbewerbsorientiertes Lizenzsystem zu ersetzen und gleichzeitig strengere Maßnahmen zum Spielerschutz sowie eine verstärkte behördliche Aufsicht einzuführen.
Warum hat Österreich den Gesetzentwurf bei der Europäischen Kommission eingereicht?
Die Vorschriften der Europäischen Union verpflichten die Mitgliedstaaten, bestimmte Gesetzentwürfe im Rahmen des TRIS-Verfahrens zu notifizieren, damit andere Mitgliedstaaten deren Vereinbarkeit mit dem EU-Recht prüfen können.
Was ist die TRIS-Stillhaltefrist?
Die TRIS-Stillhaltefrist beträgt drei Monate und ermöglicht es den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, vorgeschlagene Rechtsvorschriften zu prüfen, bevor diese verabschiedet werden.
Wann könnte der neue österreichische Online-Glücksspielmarkt an den Start gehen?
Die österreichische Regierung plant, den neuen Lizenzrahmen rechtzeitig bis Oktober 2027 einzuführen, wenn die bestehende Monopollizenz ausläuft.
Wer betreibt derzeit das österreichische Online-Glücksspielmonopol?
Win2Day betreibt derzeit als Teil von Casinos Austria das regulierte österreichische Online-Glücksspielmonopol.
Welche Maßnahmen zum Spielerschutz sind in den Reformen vorgesehen?
Die Vorschläge umfassen Einzahlungslimits, ein nationales Selbstausschlussregister, niedrigere Limits für junge Erwachsene, obligatorische Abkühlungsphasen und eine verstärkte Überwachung der Einhaltung der Vorschriften.
Wie wird Österreich gegen illegale Glücksspielanbieter vorgehen?
Die Behörden planen die Einführung von Zahlungssperren, Netzwerksperren und Lizenzbeschränkungen für Anbieter, die weiterhin nicht genehmigte Glücksspieldienste anbieten.
Werden mehr Casino-Lizenzen verfügbar sein?
Ja. Der Gesetzentwurf sieht die Vergabe von bis zu dreizehn Lizenzen für landbasierte Casinos im Rahmen von gebündelten Zuteilungspaketen vor.
Warum sind einige Branchenverbände besorgt?
Einige Branchenvertreter sind der Ansicht, dass die vorübergehenden Lizenzbeschränkungen die Marktteilnahme hemmen und unbeabsichtigt illegalen Anbietern zugutekommen könnten.
Kann sich der Gesetzentwurf noch ändern?
Ja. Rückmeldungen, die im Rahmen des Überprüfungsverfahrens der Europäischen Kommission oder bei den innerstaatlichen Gesetzgebungsdiskussionen eingehen, könnten zu Änderungen führen, bevor die Reformen offiziell verabschiedet werden.













































