EGBA fordert EU Zustimmung für sicheren Glücksspielstandard

Die European Gaming and Betting Association (EGBA) hat die europäischen Delegierten aufgefordert, einen neuen Standard zu verabschieden, der den Spielerschutz im gesamten Online-Glücksspielsektor verbessern soll. Der vorgeschlagene Rahmen konzentriert sich auf „Marker für Schäden“ – Verhaltensindikatoren, die auf riskante oder problematische Glücksspielaktivitäten hinweisen können. Wenn der Standard verabschiedet wird, soll er als freiwilliges Instrument eingeführt werden, um die Einheitlichkeit zu fördern und die Maßnahmen zur Schadensverhütung in ganz Europa zu verbessern.
Die Debatte über die Regulierung des Glücksspiels hat sich in den letzten Jahren verschärft, da Regulierungsbehörden, politische Entscheidungsträger und Branchenvertreter versuchen, einen Ausgleich zwischen Verbraucherschutz und dem Wachstum regulierter Glücksspielmärkte zu finden. Der Vorschlag der EGBA stellt einen der umfassendsten Versuche dar, einen europaweiten Ansatz zur Erkennung von riskantem Spielverhalten zu schaffen, bevor es zu schwerwiegenderen Schäden kommt.
Hintergrund des vorgeschlagenen europäischen Standards
Die Initiative zur Schaffung eines europaweiten Standards für Indikatoren für Glücksspielschäden begann im Jahr 2022, als die EGBA Gespräche mit dem Europäischen Komitee für Normung (CEN) aufnahm. Dieses Komitee, das für die Entwicklung freiwilliger Standards in verschiedenen Branchen zuständig ist, berief Arbeitsgruppen ein, denen Regulierungsbehörden, Wissenschaftler, Glücksspielanbieter und auf Schadensprävention spezialisierte Organisationen angehörten.
Das Ergebnis dieser Gespräche ist der vorgeschlagene europäische Standard, der sich speziell auf die Erstellung einer einheitlichen Liste von Verhaltensindikatoren konzentriert. Diese Indikatoren sollen den Betreibern klarere Leitlinien für die Erkennung von Glücksspielverhalten geben, das auf ein Risiko hindeuten könnte.
Derzeit verwenden Glücksspielanbieter in ganz Europa ihre eigenen internen Definitionen und Überwachungssysteme, um das Verhalten der Spieler zu verfolgen. Während einige Systeme fortschrittlich sind, unterscheiden sich andere erheblich in ihrem Umfang und ihrer Wirksamkeit. Das Fehlen einer einheitlichen Norm bedeutet, dass ein Spieler, der in einer Gerichtsbarkeit als gefährdet gilt, in einer anderen Gerichtsbarkeit möglicherweise nicht die gleichen Interventionsmechanismen auslöst.
Durch die Harmonisierung der Indikatoren auf den europäischen Märkten sind die Anbieter nach Ansicht der EGBA besser in der Lage, Probleme frühzeitig zu erkennen und einheitlich zu reagieren, unabhängig davon, in welcher Gerichtsbarkeit sie tätig sind.
Die Rolle des Europäischen Komitees für Normung
Das Europäische Komitee für Normung (CEN) spielt in diesem Prozess eine entscheidende Rolle. Es bietet die formelle Plattform für die Entwicklung freiwilliger europäischer Normen in einer Vielzahl von Bereichen, darunter auch dem Verbraucherschutz. Die Abstimmung über den Standard für Glücksspielschäden erfolgt nach den Verfahren des CEN, wobei die Delegierten der nationalen Normungsgremien in ganz Europa gebeten werden, ihre Stimme bis zum 25. September abzugeben.
Wenn die Norm angenommen wird, wird sie fertiggestellt und voraussichtlich Anfang 2026 veröffentlicht. Wichtig ist, dass der Rahmen freiwillig bleibt. Die nationalen Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträger können nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie die Norm in ihre eigenen nationalen Rechtsrahmen übernehmen.
Was sind „Marker für Schäden“?
Das zentrale Merkmal des vorgeschlagenen Rahmens ist die Identifizierung von „Markern für Schäden“. Dabei handelt es sich um Verhaltensindikatoren, die bei gemeinsamer Analyse Aufschluss über potenziell riskantes Spielverhalten geben können.
Beispiele für solche Marker sind:
- Deutlicher Anstieg der Häufigkeit von Spielsitzungen.
- Veränderungen in der Dauer oder Intensität des Spiels.
- Schnellere Wetten oder verkürzte Zeitintervalle zwischen den Einsätzen.
- Muster, die auf ein Verlustverhaltensmuster hindeuten.
- Anzeichen finanzieller Belastung, wie z. B. wiederholte Einzahlungen innerhalb kurzer Zeiträume.
Einzeln betrachtet sind diese Verhaltensweisen möglicherweise nicht aussagekräftig. In Kombination und im Zeitverlauf betrachtet können sie jedoch auf ein erhöhtes Risiko hinweisen, dass ein Spieler Glücksspielschäden erleidet oder sich darauf zubewegt.
Das Ziel besteht nicht darin, Spieler zu stigmatisieren, sondern den Betreibern Instrumente an die Hand zu geben, die ein frühzeitigeres und wirksameres Eingreifen ermöglichen. Durch das Erkennen von Mustern könnten die Betreiber Schutzmaßnahmen wie das Versenden von Warnmeldungen, die Auferlegung von Abkühlungsphasen oder die Bereitstellung von Links zu Unterstützungsdiensten ergreifen.
Konsultation und Einbeziehung von Interessengruppen
Die Erstellung des vorgeschlagenen Standards ist das Ergebnis umfangreicher Konsultationen. An den nationalen Delegationen beim CEN war eine Vielzahl von Interessengruppen beteiligt, darunter
- Glücksspielaufsichtsbehörden aus verschiedenen europäischen Ländern.
- Wissenschaftliche Experten aus den Bereichen Psychologie, Sucht und Verhaltenswissenschaften.
- Lizenzierte Betreiber mit Erfahrung im Bereich Instrumente für verantwortungsbewusstes Glücksspiel.
- Fachleute für Schadensprävention und gemeinnützige Organisationen.
Dieser kooperative Prozess hat dazu beigetragen, dass der Rahmen unterschiedliche Perspektiven widerspiegelt. Er erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Standard in allen Rechtsordnungen akzeptiert wird, da viele nationale Stimmen zu seiner Gestaltung beigetragen haben.
Das Gambling Regulators European Forum (GREF), ein Netzwerk von Regulierungsbehörden aus ganz Europa, hat bereits seine Unterstützung für die Initiative bekundet. Diese Zustimmung signalisiert die Anerkennung des Wertes harmonisierter Instrumente zur Überwachung des Glücksspielverhaltens durch die Regulierungsbehörden.
Die Sichtweise der EGBA auf den Standard
Die EGBA hat sich ausdrücklich für die Initiative ausgesprochen und sie als Meilenstein für verantwortungsbewusstes Glücksspiel in Europa bezeichnet.
Maarten Haijer, Generalsekretär der EGBA, betonte die Bedeutung der bevorstehenden Abstimmung und erklärte:
„Die Abstimmung ist ein Meilenstein für mehr Sicherheit beim Glücksspiel in Europa. Diese von der EGBA vorgeschlagene Initiative ist ein Beispiel für genau die Art von Zusammenarbeit, die wir brauchen – sie bringt Interessengruppen zusammen, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen und etwas zum Wohle aller zu schaffen.
Wir fordern die nationalen Delegierten auf, diesen wichtigen Standard zu verabschieden, der zu einem besseren Verständnis von problematischem Spielverhalten beitragen und eine wirksamere Schadensprävention in ganz Europa unterstützen wird.“
Diese Sichtweise spiegelt das langjährige Engagement der EGBA für einheitliche, evidenzbasierte Ansätze zur Regulierung des Glücksspiels wider. Durch die Förderung der Angleichung zwischen den Rechtsordnungen können Betreiber nach Ansicht der EGBA wirksamer zum Schutz der Spieler beitragen, während die Regulierungsbehörden von klareren Benchmarks profitieren können.
Mögliche Auswirkungen auf Betreiber und Regulierungsbehörden
Wenn der europäische Standard verabschiedet wird, könnte dies mehrere bedeutende Auswirkungen haben:
Größere Einheitlichkeit zwischen den Rechtsordnungen
Betreiber, die in mehreren europäischen Märkten tätig sind, stehen oft vor der Herausforderung, sich an unterschiedliche nationale Rahmenbedingungen anzupassen. Ein harmonisierter Standard würde die Einhaltung der Vorschriften vereinfachen und einheitlichere Überwachungssysteme ermöglichen.
Verbesserte Frühintervention
Durch die Bereitstellung einer strukturierten Liste von Verhaltensmerkmalen könnte der Standard den Betreibern ermöglichen, riskantes Spielverhalten früher zu erkennen. Dies könnte die Wahrscheinlichkeit verringern, dass durch Glücksspiel verursachte Schäden zu schwerwiegenderen Folgen eskalieren.
Gestärktes Vertrauen und Reputation
Die Einführung einer europaweiten Norm könnte auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in den regulierten Glücksspielsektor stärken. Das Bekenntnis zu einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Maßnahmen zur Schadensprävention könnte dazu beitragen, Kritik von Interessengruppen und politischen Entscheidungsträgern entgegenzuwirken.
Freiwillig, aber einflussreich
Obwohl der Rahmen freiwillig ist, ist es wahrscheinlich, dass nationale Regulierungsbehörden ihn in ihre eigenen Vorschriften integrieren werden, insbesondere in Ländern, in denen Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Glücksspiel bereits eine politische Priorität sind.
Herausforderungen und Einschränkungen
Trotz seiner potenziellen Vorteile steht der Standard vor einigen Herausforderungen.
- Freiwilliger Charakter: Ohne verbindliche Umsetzung kann die Akzeptanz variieren, und einige Betreiber könnten sich gegen die Übernahme des Rahmens entscheiden.
- Interpretation von Markern: Verhaltensdaten können komplex sein, und die Identifizierung von Schäden erfordert eine sorgfältige Interpretation. Es kann zu falsch positiven oder negativen Ergebnissen kommen.
- Technologische Kapazitäten: Kleinere Betreiber könnten Schwierigkeiten bei der Implementierung fortschrittlicher Überwachungssysteme haben.
- Nationaler Ermessensspielraum: Regulierungsbehörden könnten das Rahmenwerk anpassen oder modifizieren, was zu Abweichungen in der Praxis führen würde.
Diese Herausforderungen machen deutlich, dass der Standard zwar ein wichtiger Schritt ist, aber keine vollständige Lösung für die mit Glücksspielen verbundenen Schäden darstellt. Er muss durch kontinuierliche Forschung, technologische Innovationen und die Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen unterstützt werden.
Fazit
Die Forderung der EGBA nach einer Anerkennung des europäischen Standards für sichereres Glücksspiel ist ein wichtiger Schritt in den laufenden Bemühungen zum Schutz der Spieler auf dem gesamten Kontinent. Durch die Festlegung einheitlicher Verhaltensindikatoren zielt die Initiative darauf ab, die Konsistenz zu verbessern, frühzeitigere Interventionen zu ermöglichen und einen stärker evidenzbasierten Ansatz zur Schadensverhütung zu unterstützen.
Wenn dieser Rahmen angenommen wird, wäre er einer der umfassendsten Versuche, verantwortungsbewusste Glücksspielpraktiken in ganz Europa zu vereinheitlichen. Obwohl er freiwillig ist, könnte er als Maßstab für Regulierungsbehörden und Betreiber dienen und höhere Standards für den Verbraucherschutz in einer sich schnell entwickelnden Branche fördern.
Die endgültige Entscheidung liegt bei den nationalen Normungsbeauftragten, die bis zum 25. September abstimmen sollen. Sollte der Vorschlag angenommen werden, könnte seine Veröffentlichung im Jahr 2026 eine neue Ära der Zusammenarbeit beim Schutz der Spieler in ganz Europa einläuten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die EGBA?
Die European Gaming and Betting Association (EGBA) ist ein Branchenverband, der führende Online-Glücksspielanbieter in der Europäischen Union vertritt und sich für faire Regulierung und Maßnahmen für verantwortungsbewusstes Glücksspiel einsetzt.
Was ist der Zweck der vorgeschlagenen europäischen Norm?
Die Norm zielt darauf ab, einheitliche Verhaltensindikatoren oder „Marker für Schaden“ zu schaffen, die den Anbietern helfen sollen, riskantes Spielverhalten zu erkennen und frühzeitig einzugreifen.
Was sind Beispiele für Schadensindikatoren?
Zu den Indikatoren können eine erhöhte Spielhäufigkeit, längere Spielsitzungen, schnellere Wettmuster und wiederholte Einzahlungen innerhalb kurzer Zeiträume gehören.
Wer überwacht die Abstimmung über den Standard?
Das Europäische Komitee für Normung (CEN) ist für die Überwachung der Abstimmung verantwortlich, an der nationale Normungsgremien aus ganz Europa beteiligt sind.
Wann wird der Standard veröffentlicht?
Wenn sie genehmigt wird, wird die Norm voraussichtlich Anfang 2026 veröffentlicht.
Ist der Rahmen verbindlich?
Nein, der Rahmen ist freiwillig, sodass die nationalen Regulierungsbehörden entscheiden können, ob sie ihn in ihre nationalen Regulierungsrahmen übernehmen.
Warum unterstützt die EGBA die Initiative?
Die EGBA betrachtet die Norm als Meilenstein für sichereres Glücksspiel, da sie die Zusammenarbeit, Konsistenz und ein besseres Verständnis für problematisches Spielverhalten fördert.
Müssen alle Betreiber die Norm befolgen?
Nicht unbedingt. Da es sich um einen freiwilligen Rahmen handelt, hängt die Übernahme von den regulatorischen Entscheidungen der einzelnen Länder und der Bereitschaft der Betreiber ab, ihn umzusetzen.
Wie könnte dies den Spielern zugutekommen?
Indem den Betreibern klarere Instrumente zur frühzeitigen Erkennung von Schäden an die Hand gegeben werden, könnte der Standard zu schnelleren Interventionen und einem besseren Schutz für gefährdete Spieler führen.
Welche Herausforderungen bleiben bestehen?
Zu den Herausforderungen gehören die Gewährleistung einer einheitlichen Umsetzung, die korrekte Interpretation von Verhaltensdaten und die Berücksichtigung des Ressourcenbedarfs kleinerer Betreiber.









































