Italiens illegaler Online Glücksspielsektor erreicht jährlich €20 Mrd.

Der illegale Online-Glücksspielsektor in Italien erwirtschaftet Schätzungen zufolge einen Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro. Dies geht aus neuen Erkenntnissen hervor, die vom „Observatory on Illegal Online Gambling“ bei Data Room Nexus veröffentlicht wurden. Der Bericht hebt die anhaltende Ausbreitung nicht lizenzierter Glücksspielangebote über digitale Kanäle hervor und weckt erneut Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Präsenz illegaler Anbieter auf Social-Media-Plattformen.
Die Studie zeichnet das Bild eines äußerst anpassungsfähigen Ökosystems, in dem Tausende illegaler Glücksspiel-Websites für italienische Verbraucher trotz laufender Durchsetzungsmaßnahmen weiterhin zugänglich sind. Forscher schätzen, dass allein im ersten Quartal 2026 etwa 4,5 Millionen Nutzer in Italien mit illegalen Glücksspieldiensten interagierten. In diesem Zeitraum wurden Berichten zufolge mehr als 13 Millionen Zugriffe auf nicht lizenzierte Glücksspiel-Websites verzeichnet.
Die Zahlen dürften die Debatte innerhalb des regulierten Glücksspielsektors in Italien verschärfen, wo lizenzierte Betreiber und Behörden wiederholt davor gewarnt haben, dass illegaler Wettbewerb weiterhin die Verbraucherschutzstandards und die behördliche Aufsicht untergräbt.
Illegale Glücksspielnetzwerke entwickeln sich weiter
Laut der Beobachtungsstelle hat sich der illegale Markt in den letzten Jahren zunehmend dezentralisiert. Anstatt sich auf eine kleine Anzahl dominanter Betreiber zu stützen, besteht das Ökosystem nun aus einem fragmentierten Netzwerk kleinerer Websites und sich schnell ändernder Domains.
An der Studie beteiligte Forscher gaben an, dass sie digitale Aktivitäten und Online-Umgebungen während des gesamten ersten Quartals des Jahres überwacht haben. Dabei identifizierten die Analysten durchschnittlich vier bis fünf neue illegale Domains pro Tag.
Der Bericht umfasste letztlich eine Stichprobe von 500 Glücksspiel-Websites und kam zu dem Schluss, dass in Italien im Laufe eines einzigen Jahres bis zu 5.000 illegale Glücksspiel-Domains betrieben werden könnten.
Dieser ständige Wechsel stellt eine erhebliche Herausforderung für Regulierungs- und Vollzugsbehörden dar. Wenn eine Website gesperrt oder entfernt wird, tauchen oft innerhalb von Stunden oder Tagen Ersatzdomains auf. In vielen Fällen starten die Betreiber sogenannte „Spiegel“- oder „Zwillings“-Websites, die unter einer neuen Webadresse dieselben Glücksspielprodukte und dieselbe Benutzererfahrung anbieten.
Branchenbeobachter haben festgestellt, dass diese Taktik es illegalen Betreibern ermöglicht, die Kundenbindung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig langfristige Unterbrechungen zu vermeiden. Infolgedessen könnten Durchsetzungsmaßnahmen, die sich ausschließlich auf die Sperrung von Domains konzentrieren, Schwierigkeiten haben, dauerhafte Wirkung zu erzielen.
Soziale Medien entwickeln sich zu einem wichtigen Vertriebskanal
Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse des Berichts betrifft die wachsende Rolle von Social-Media-Plattformen bei der Werbung für illegale Glücksspieldienste.
Das Observatorium identifizierte Facebook, Instagram und TikTok als die wichtigsten digitalen Kanäle, auf denen weiterhin Werbung und Werbeinhalte für illegales Glücksspiel zirkulieren. Die Forscher wiesen darauf hin, dass soziale Plattformen zu einem entscheidenden Zugangspunkt geworden sind, um Nutzer zu nicht lizenzierten Betreibern zu leiten.
Im Gegensatz zu traditionellen Formen der Online-Werbung erscheinen Werbeaktionen in sozialen Medien oft in vertrauten Nutzerumgebungen. Dem Bericht zufolge kann dies das wahrgenommene Risiko im Zusammenhang mit illegalen Glücksspieldiensten verringern und bei den Nutzern ein stärkeres Gefühl von Glaubwürdigkeit oder Legitimität erzeugen.
Die Studie zeigt, dass Werbung in sozialen Medien vielfältige Formen annehmen kann, darunter gesponserte Beiträge, Werbeaktionen im Influencer-Stil, Direktnachrichten-Kampagnen und Links, die über private Communities oder nutzergenerierte Inhalte geteilt werden.
Regulierungsexperten sind zunehmend der Ansicht, dass illegale Glücksspielanbieter von der Geschwindigkeit und Reichweite der Verbreitungssysteme in sozialen Medien profitieren. Die Möglichkeit, schnell neue Konten, Anzeigen und Werbeseiten zu erstellen, macht die Durchsetzung von Vorschriften erheblich komplexer als bei der Überwachung traditioneller Medien.
Der Bericht legt zudem nahe, dass jüngere digitale Zielgruppen aufgrund der Struktur der Empfehlungsalgorithmen und der gezielten Werbesysteme, die von großen Plattformen genutzt werden, dieser Art von Inhalten besonders ausgesetzt sein könnten.
Regulierungsbehörden richten ihren Fokus auf die Verantwortung der Plattformen
Die Ergebnisse haben die Diskussion darüber angeheizt, welche Rolle Online-Plattformen bei der Verhinderung der Verbreitung illegaler Glücksspielwerbung spielen sollten.
Giorgio Greppi, Direktor für Mediendienste und den Schutz der Grundrechte bei der AGCOM, erklärte:
„Illegale Glücksspielwerbung findet man nicht in Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen. Alles hat sich in die sozialen Netzwerke verlagert.“
Seine Äußerungen spiegeln einen umfassenderen regulatorischen Wandel wider, der sich derzeit in ganz Europa vollzieht, wo sich die Behörden zunehmend auf die Rechenschaftspflicht der Plattformen konzentrieren, anstatt sich ausschließlich auf die traditionelle Medienaufsicht zu verlassen.
Greppi verwies auch auf den Digital Services Act der Europäischen Union, allgemein bekannt als DSA, der im Februar 2024 in Kraft trat. Das Gesetz führte strengere Verpflichtungen für große Online-Plattformen in Bezug auf illegale Inhalte, Transparenz und Risikomanagement ein.
Laut Greppi könnte der DSA zu einem wichtigen Durchsetzungsinstrument werden, wenn er im gesamten digitalen Sektor konsequent und wirksam angewendet wird.
Das Gesetz wird von vielen europäischen Regulierungsbehörden als potenziell bedeutende Entwicklung angesehen, da es die Erwartungen an Technologieplattformen, die innerhalb der EU-Gerichtsbarkeit tätig sind, erweitert. Theoretisch könnte dies den Behörden wirksamere Instrumente an die Hand geben, um gegen illegale kommerzielle Aktivitäten, einschließlich der Werbung für nicht lizenziertes Glücksspiel, vorzugehen.
ADM hebt internationale Bedenken hinsichtlich der Durchsetzung hervor
Luca Turchi von der ADM, der italienischen Zoll- und Monopolbehörde, äußerte sich ebenfalls zu der wachsenden Herausforderung durch illegale Glücksspielnetzwerke.
Turchi räumte Berichten zufolge ein, dass der Digital Services Act zusätzliche Unterstützung bei der Eindämmung illegaler Online-Glücksspiele bieten könnte. Er betonte jedoch auch, dass das Problem über nationale Grenzen hinausgeht und nicht allein durch innerstaatliche Maßnahmen gelöst werden kann.
Eines der von den Regulierungsbehörden identifizierten Haupthindernisse ist der internationale Charakter vieler Glücksspielbetriebe. Websites können in mehreren Rechtsordnungen gehostet werden, während Zahlungssysteme, Werbekanäle und Netzwerke zur Nutzerakquise oft grenzüberschreitend operieren.
Dies erschwert die Durchsetzung für einzelne Länder, die versuchen, illegale Dienste zu blockieren oder zu entfernen. Selbst wenn Behörden gegen eine Domain vorgehen, kann die zugehörige Infrastruktur an anderer Stelle aktiv bleiben.
Infolgedessen argumentieren Experten zunehmend, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen europäischen Regulierungsbehörden, digitalen Plattformen und internationalen Vollzugsbehörden notwendig sein wird, um die langfristige Sichtbarkeit illegaler Glücksspielnetzwerke zu verringern.
Der Druck auf lizenzierte Betreiber wächst
Das anhaltende Wachstum illegaler Glücksspielaktivitäten erzeugt zudem wirtschaftlichen Druck auf lizenzierte Betreiber, die auf dem regulierten Markt Italiens tätig sind.
Lizenzierte Glücksspielunternehmen sind verpflichtet, strenge Verbraucherschutzstandards, Steuervorschriften und Werbebeschränkungen einzuhalten. Illegale Betreiber hingegen umgehen in der Regel Regulierungskosten und Aufsichtspflichten.
Dieses Ungleichgewicht ist zu einem großen Problem für legale Betreiber geworden, die argumentieren, dass nicht lizenzierte Konkurrenz die Nachhaltigkeit regulierter Märkte gefährdet.
Vertreter der Branche haben wiederholt darauf hingewiesen, dass illegale Plattformen Verbraucher durch weniger Einschränkungen, aggressive Boni oder einfachere Registrierungsprozesse anziehen können. Die Behörden warnen jedoch, dass diesen Diensten in der Regel die im regulierten Sektor erforderlichen Verbraucherschutzmaßnahmen fehlen.
Zu den Risiken für den Verbraucherschutz können begrenzte Streitbeilegungsmechanismen, ein geringerer Schutz vor Betrug, fehlende Kontrollen für verantwortungsbewusstes Spielen sowie ein unsicherer Umgang mit Kundengeldern oder personenbezogenen Daten gehören.
Die Regulierungsbehörden betonen daher weiterhin, dass das Problem über entgangene Steuereinnahmen oder den Wettbewerb auf dem Markt hinausgeht. Die Behörden argumentieren, dass illegales Glücksspiel auch ein umfassenderes gesellschaftspolitisches Problem darstellt, das mit finanzieller Sicherheit, digitaler Sicherheit und Standards für verantwortungsbewusstes Spielen verbunden ist.
Durchsetzungsstrategien erfordern möglicherweise eine umfassendere Koordinierung
Der Bericht der Beobachtungsstelle für illegales Online-Glücksspiel unterstreicht eine Herausforderung, mit der viele regulierte europäische Glücksspielmärkte bereits konfrontiert sind. Zwar können Sperranordnungen und behördliche Durchsetzungsmaßnahmen den Zugang zu illegalen Websites vorübergehend einschränken, doch gelingt es ihnen oft nicht, das umfassendere kommerzielle Ökosystem zu beseitigen, das diese Aktivitäten stützt.
Das rasche Auftauchen von Ersatzdomains zeigt, wie niedrig die Eintrittsbarrieren im digitalen Glücksspielumfeld nach wie vor sind. Betreiber können ihre Dienste schnell wieder aufnehmen und gleichzeitig über Werbenetzwerke und Werbung in sozialen Medien weiterhin dieselbe Nutzerbasis ansprechen.
Dies bedeutet, dass künftige Durchsetzungsbemühungen zunehmend von einer umfassenderen Koordinierung zwischen Regulierungsbehörden, Technologieunternehmen und grenzüberschreitenden Institutionen abhängen könnten.
Der Digital Services Act könnte in diesem Prozess zu einem der am meisten beachteten Instrumente werden. Bei einer konsequenten Umsetzung könnte das Regelwerk den Druck auf große Online-Plattformen erhöhen, illegale Glücksspielwerbung schneller zu identifizieren und zu entfernen.
Gleichzeitig warnen Beobachter, dass Durchsetzungsmaßnahmen allein das Problem möglicherweise nicht vollständig lösen können. Aufklärungskampagnen für Verbraucher, stärkere digitale Überwachungssysteme und eine engere internationale Zusammenarbeit dürften ebenfalls eine wichtige Rolle dabei spielen, die Ausbreitung illegaler Glücksspielnetzwerke einzudämmen.
Fazit
Italiens geschätzter Markt für illegales Online-Glücksspiel im Wert von 20 Mrd. Euro verdeutlicht die wachsende Komplexität der Regulierung digitaler Glücksspielaktivitäten in einem zunehmend vernetzten Online-Umfeld. Die neuesten Erkenntnisse der Beobachtungsstelle für illegales Online-Glücksspiel deuten darauf hin, dass nicht lizenzierte Betreiber trotz laufender Durchsetzungsmaßnahmen weiterhin eine erhebliche Präsenz aufweisen.
Der Bericht zeigt zudem, wie Social-Media-Plattformen zu einer zentralen Rolle bei der Verbreitung und Werbung für illegale Glücksspieldienste geworden sind. Angesichts der Weiterentwicklung digitaler Werbesysteme sind die Regulierungsbehörden gezwungen, ihren Fokus auf die Rechenschaftspflicht der Plattformen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verlagern.
Für den regulierten Glücksspielsektor Italiens beschränkt sich die Herausforderung nicht mehr auf die Sperrung einzelner Websites. Die Behörden sehen sich nun mit einem umfassenderen Ökosystem konfrontiert, das auf sich schnell ändernden Domains, internationaler Infrastruktur und groß angelegter digitaler Werbung basiert.
Ob neue europäische Rechtsrahmen wie der Digital Services Act die Reichweite illegaler Anbieter deutlich einschränken können, bleibt ungewiss. Die Ergebnisse machen jedoch deutlich, dass künftige Durchsetzungsstrategien wahrscheinlich koordinierte Maßnahmen unter Einbeziehung von Regulierungsbehörden, Online-Plattformen und internationalen Partnern erfordern werden, um dem langfristigen Wachstum des illegalen Online-Glücksspielmarktes entgegenzuwirken.
FAQs
Wie groß ist der illegale Online-Glücksspielmarkt in Italien schätzungsweise?
Das Observatorium für illegales Online-Glücksspiel schätzt, dass der illegale Online-Glücksspielmarkt in Italien einen Wert von etwa 20 Mrd. € jährlich hat.
Wie viele Nutzer haben in Italien auf illegale Glücksspiel-Websites zugegriffen?
Der Bericht schätzt, dass im ersten Quartal 2026 rund 4,5 Millionen Nutzer illegale Glücksspielplattformen genutzt haben.
Wie viele illegale Glücksspiel-Websites sind in Italien in Betrieb?
Forscher schätzen, dass im Laufe eines Jahres mindestens 5.000 illegale Glücksspiel-Websites in Italien in Betrieb sein könnten.
Welche Social-Media-Plattformen wurden in dem Bericht erwähnt?
Die Studie identifizierte Facebook, Instagram und TikTok als wichtige Plattformen, auf denen Werbung für illegales Glücksspiel verbreitet wird.
Warum ist es schwierig, illegale Glücksspiel-Websites dauerhaft zu sperren?
Viele Betreiber richten nach der Sperrung von Domains schnell Ersatz- oder Spiegel-Websites ein, wodurch sie ihren Betrieb mit minimalen Unterbrechungen fortsetzen können.
Was ist der Digital Services Act?
Der Digital Services Act ist eine Verordnung der Europäischen Union, die darauf abzielt, die Rechenschaftspflicht von Online-Plattformen in Bezug auf illegale Inhalte und digitale Risiken zu erhöhen.
Wann trat der Digital Services Act in Kraft?
Der Digital Services Act trat im Februar 2024 in der gesamten Europäischen Union in Kraft.
Warum sind die Regulierungsbehörden besorgt über Glücksspielwerbung in sozialen Medien?
Die Behörden sind der Ansicht, dass Werbung in sozialen Medien illegale Glücksspieldienste für Verbraucher vertrauenswürdiger und zugänglicher erscheinen lassen kann.
Welche Risiken sind mit illegalen Glücksspielplattformen verbunden?
Zu den potenziellen Risiken zählen ein eingeschränkter Verbraucherschutz, begrenzte Möglichkeiten der Streitbeilegung, schwache Kontrollen für verantwortungsbewusstes Spielen und unklare Datensicherheitsstandards.
Warum ist internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels wichtig?
Viele illegale Glücksspielnetzwerke sind in mehreren Rechtsräumen tätig, weshalb eine grenzüberschreitende Koordination für eine wirksame Durchsetzung unerlässlich ist.
Ash
Ich halte mich gerne kurz. Ich bin ein Schriftsteller, der auch weiß, wie man seine Zeilen reimt. Ich kann Artikel schreiben, sie redigieren und auch einige poetische Zeilen aus meinem Kopf herausschnitzen. Ausbildung B.A. - Englisch, Delhi University, Indien, Abschluss 2017.









































