Verkehrsministerium unter Druck wegen Direktvergaben

In der zweiten Hälfte des Jahres 2024 erteilte das maltesische Verkehrsministerium unter der Leitung von Minister Chris Bonett und seinem parlamentarischen Staatssekretär Omar Farrugia etwa 30 Direktaufträge unter Verwendung öffentlicher Mittel. Diese Maßnahmen haben erhebliche Kritik ausgelöst, insbesondere aufgrund der Empfänger dieser Aufträge, von denen viele politisch verbunden oder persönlich mit Personen innerhalb der Labour-Partei-Regierung verbunden sind. Die Kontroverse dreht sich nicht nur um die Art dieser Direktaufträge, sondern auch um die wahrgenommene mangelnde Transparenz, die Einhaltung von Beschaffungsrichtlinien und den potenziellen Missbrauch von Steuergeldern.
Direkte Beschaffung und öffentliche Gelder: Ein wiederkehrendes Muster
Eine detaillierte Überprüfung der im Staatsanzeiger veröffentlichten Verträge zeigt, dass viele Direktaufträge an einen bekannten Kreis von Begünstigten vergeben wurden, von denen einige wiederholt staatliche Mittel über verschiedene Ministerien erhalten haben. Zu diesen Personen und Unternehmen gehören der Eigentümer von Malta Today, Saviour Balzan, der offizielle Fotograf des Premierministers, Gareth Degiorgio, und die Grafikdesignfirma Ikona Artworks, die zuvor mit der Labour Party zusammengearbeitet hat.
Diese Direktaufträge waren in der Regel so strukturiert, dass sie knapp unter der Schwelle von 10.000 Euro lagen – dem maximal zulässigen Wert für solche Verträge, ohne dass gemäß den maltesischen Beschaffungsvorschriften eine öffentliche Ausschreibung erforderlich ist. Dieser Ansatz ist zwar technisch legal, wurde jedoch von Beobachtern kritisiert, die argumentieren, dass er den Grundsatz eines wettbewerbsorientierten und transparenten öffentlichen Beschaffungswesens untergräbt.
Insgesamt führt dies dazu, dass öffentliche Mittel in einer Weise verteilt werden, die einer ausgewählten Gruppe zugute kommt, während die Verfahrensgarantien zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs und einer optimalen Verwendung öffentlicher Gelder umgangen werden.
Ministerien und Behörden mit begrenzter Aufsicht
Bezeichnenderweise umfasst die im Amtsblatt veröffentlichte Liste der Direktaufträge nicht alle Behörden, die in den Zuständigkeitsbereich von Minister Bonett fallen. Nicht aufgeführt sind Transport Malta und Infrastructure Malta – zwei große öffentliche Einrichtungen, die direkt dem Ministerium unterstehen und beide ebenfalls befugt sind, eigenständig Verträge zu vergeben.
Diese Auslassungen haben Fragen über den vollen Umfang der während des fraglichen Zeitraums erteilten Direktaufträge aufgeworfen. Ohne umfassende Offenlegung bleibt unklar, wie viel öffentliche Gelder über diese Beschaffungsmethode im gesamten Zuständigkeitsbereich des Ministeriums ausgegeben wurden. Forderungen nach mehr Transparenz und einer vollständigen Prüfung sind bisher von Regierungsbeamten unbeantwortet geblieben.
RSM erhält Beratungsauftrag trotz politischer Verbindungen
Ein bemerkenswerter Nutznießer dieser Verträge ist RSM, eine private Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, die seit langem mit der Labour Party verbunden ist. Das Unternehmen ist seit mehreren Jahren an der Prüfung der Finanzen der Partei beteiligt. In diesem Fall erhielt RSM mehrere Direktaufträge zur Durchführung von Beratungsstudien im Auftrag des Verkehrsministeriums.
Darunter befindet sich ein Auftrag im Wert von 10.000 Euro für die Bewertung der vor Jahren an ein spanisches Unternehmen vergebenen Konzession für den öffentlichen Nahverkehr. Kritiker argumentieren, dass die Vergabe einer solchen Beratungsleistung an ein politisch verbundenes Unternehmen ohne offene Ausschreibung Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit und Rechenschaftspflicht aufkommen lassen könnte.
RSM ist zwar eine renommierte internationale Marke mit einer Niederlassung in Malta, doch die fortgesetzte Vergabe öffentlicher Aufträge an einen bekannten politischen Dienstleister hat den Eindruck einer parteiischen Begünstigung innerhalb der Beschaffungsprozesse des Ministeriums verstärkt.
Saviour Balzans Verbindungen zur Regierung sorgen für erneute Kritik
Saviour Balzan, Eigentümer und Chefredakteur von Malta Today, ist seit langem Gegenstand von Kontroversen aufgrund seiner Doppelrolle als Medienpersönlichkeit und Auftragnehmer der Regierung. Der jüngste Auftrag im Wert von 10.000 Euro wurde für nicht näher bezeichnete Dienstleistungen an das von Chris Bonett geleitete Ministerium vergeben.
Dieser Auftrag kommt zu seinen bestehenden finanziellen Verbindungen mit dem staatlichen Rundfunkveranstalter PBS und verschiedenen Ministerien hinzu. Seine Publikationen, darunter Malta Today, haben im Laufe der Jahre erhebliche staatliche Werbeeinnahmen erhalten.
Zwar gibt es keine Hinweise auf Rechtsverstöße, doch die wiederkehrende Zuweisung öffentlicher Gelder an einen Journalisten und Medienunternehmer wirft berechtigte Fragen hinsichtlich der redaktionellen Unabhängigkeit und der ethischen Grenzen zwischen Journalismus und staatlicher Förderung auf.
Medienverträge und politische Nähe
Weitere medienbezogene Verträge verdeutlichen die engen Beziehungen zwischen politischen Akteuren und öffentlichen Ressourcen. Marouska Pisani Bugeja, die zuvor bei Net TV tätig war, bevor sie zur Labour-Partei wechselte, erhielt einen Beratungsvertrag im Wert von 10.000 Euro. Obwohl die genaue Art ihrer Beratungstätigkeit nicht bekannt ist, geht aus Unterlagen hervor, dass sie kürzlich auch für die parlamentarische Staatssekretärin Rebecca Buttigieg tätig war und an der Organisation der EuroPride 2023 beteiligt war – einem Projekt, das später vom Rechnungshof wegen Managementfehlern kritisiert wurde.
Die Vergabe solcher Aufträge an Personen, die kürzlich parteipolitische Funktionen innehatten, lässt auf eine unklare Grenze zwischen politischer Loyalität und der Berechtigung zur Vergabe öffentlicher Aufträge schließen. Die Situation wird noch komplizierter, wenn diese Personen gleichzeitig medienbezogene Funktionen ausüben oder in den Medien präsent sind.
Ein Medienvertrag im Wert von 40.000 Euro für einen politischen Wahlkampfmanager
Antilia Ltd, ein privates Unternehmen im Besitz von Aryton Bonnici – einem bekannten Labour-Aktivisten und Wahlkampfmanager von Finanzminister Clyde Caruana – erhielt einen Auftrag im Wert von 40.000 Euro für die Erbringung von „Mediendienstleistungen” für das Büro von Minister Bonett.
Zwar wurde kein offizielles Fehlverhalten festgestellt, doch werfen Umfang und Zweck des Auftrags weitere Fragen hinsichtlich der Neutralität der Dienstleister auf, die im Rahmen des maltesischen Direktvergabeverfahrens ausgewählt wurden. Kritiker argumentieren, dass Verträge dieser Größenordnung, insbesondere wenn sie ohne Ausschreibung vergeben werden, einer strengeren Prüfung unterzogen werden sollten, um potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden.
Dieser Auftrag, der deutlich über dem für andere Aufträge üblichen Schwellenwert von 10.000 Euro liegt, fällt nicht nur durch seine Größe auf, sondern auch durch seine Verbindung zu einer Person, die bereits fest in die Arbeit der Labour-Partei eingebunden ist.
Fotograf des Premierministers erhält zusätzlichen Auftrag
Gareth Degiorgio, bekannt für seine langjährige Beziehung zu Premierminister Robert Abela, erhielt vom Verkehrsministerium einen Auftrag im Wert von 30.000 Euro für fotografische Dienstleistungen. Degiorgio ist weithin dafür bekannt, eine zentrale Rolle in Abelas Wahlkampf gespielt zu haben.
Obwohl er sich als Fotograf in politischen Kreisen etabliert hat, wirft die Höhe des jüngsten Auftrags erneut Fragen hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit der Ausgaben auf und ob solche Dienstleistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten wurden oder an den Marktpreisen orientiert waren.
Öffentliche Mittel für Unterhaltungslogistik
Als Beispiel für Ausgaben im Bereich Kultur und Veranstaltungen erhielt der DJ und Logistikdienstleister Commander Jay über 7.000 Euro für die Unterstützung eines Weihnachtskonzerts in Ta' Qali. Obwohl diese Zahlung im Vergleich zu den anderen Verträgen eher gering ist, trägt sie dennoch zur allgemeinen Diskussion darüber bei, wie öffentliche Mittel für Unterhaltung verteilt werden und inwieweit sie eine wettbewerbsorientierte Dienstleistungsbeschaffung widerspiegeln.
Derzeit ist unklar, ob dieser Vertrag unter Notfallbestimmungen vergeben wurde oder ob andere Anbieter für die Dienstleistung in Betracht gezogen wurden.
Weiterreichende Auswirkungen auf das öffentliche Beschaffungswesen in Malta
Die fortgesetzte Verwendung von Direktaufträgen – insbesondere solchen, die an der gesetzlichen Schwelle liegen und es an Transparenz mangeln – wirft strukturelle Bedenken hinsichtlich der Beschaffungsprozesse in Malta auf. Zwar erlaubt das Gesetz in bestimmten Fällen Direktaufträge, insbesondere für zeitkritische oder kleinere Arbeiten, doch untergräbt die systematische Abhängigkeit von ihnen zur Finanzierung politisch verbundener Personen die Grundprinzipien einer guten Regierungsführung.
Kritiker argumentieren, dass diese Art der Beschaffung das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben, den Eindruck von Begünstigung erwecken und den Zugang zu Regierungsaufträgen für Unternehmen und Fachleute außerhalb des politischen Bereichs einschränken kann.
Es werden nun zunehmend Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung der Beschaffungspraktiken des Ministeriums und nach der Einführung strengerer Kontrollmechanismen für alle öffentlichen Einrichtungen – einschließlich derjenigen, die nicht direkt im Staatsanzeiger aufgeführt sind – laut.
Reaktion der Regierung und laufende Bemühungen um Rechenschaftspflicht
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels gab es noch keine offizielle Reaktion von Minister Bonett, Parlamentssekretär Farrugia oder einem der genannten Auftragnehmer. Die Regierung hat weder erklärt, warum bestimmte Direktaufträge von der Veröffentlichung ausgenommen wurden, noch hat sie zusätzliche Informationen zu den Kriterien für die Vergabe dieser Aufträge vorgelegt.
Oppositionspolitiker und zivilgesellschaftliche Kontrollinstanzen haben mehr Transparenz gefordert, wobei einige den Rechnungshofpräsidenten dazu aufforderten, eine Sonderprüfung aller Aufträge durchzuführen, die in den letzten 12 Monaten im Zuständigkeitsbereich von Bonett vergeben wurden. Ob diesen Forderungen nachgekommen wird, bleibt abzuwarten.
Fazit
Das Muster der Direktaufträge, die vom maltesischen Verkehrsministerium in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 vergeben wurden, unterstreicht die wachsenden Bedenken hinsichtlich der Transparenz, Rechenschaftspflicht und Unparteilichkeit der öffentlichen Beschaffungspraktiken. Zwar wurde keine Rechtswidrigkeit endgültig festgestellt, doch wirft die wiederholte Vergabe von Aufträgen an Personen, die enge politische oder persönliche Beziehungen zu Regierungsbeamten unterhalten, einen Schatten auf die Integrität der Vergabe öffentlicher Mittel. Ohne eine stärkere Aufsicht und vollständige Offenlegung aller Aufträge – einschließlich derjenigen, die von Behörden wie Transport Malta und Infrastructure Malta vergeben werden – besteht die Gefahr, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Beschaffungssystem weiter schwindet. Die Situation macht deutlich, dass Reformen dringend erforderlich sind, um Fairness, Transparenz und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Verwendung staatlicher Mittel zu gewährleisten.
FAQ
Was ist eine Direktvergabe im maltesischen Beschaffungssystem?
Eine Direktvergabe ermöglicht es Ministerien oder staatlichen Stellen, Aufträge ohne öffentliche Ausschreibung zu vergeben, wenn der Wert unter 10.000 Euro liegt oder bestimmte gesetzliche Ausnahmen vorliegen.
Warum sind einige Direktvergaben umstritten?
Obwohl sie legal sind, können Direktvergaben Bedenken hervorrufen, wenn sie häufig an politisch vernetzte Personen oder Unternehmen vergeben werden und damit möglicherweise den fairen Wettbewerb umgehen.
Wer sind die wichtigsten Personen, die in diesem Fall genannt werden?
Der Bericht nennt Saviour Balzan, Gareth Degiorgio, Aryton Bonnici, Marouska Pisani Bugeja und andere, die öffentliche Aufträge im Zusammenhang mit dem Verkehrsministerium erhalten haben.
Sind Transport Malta und Infrastructure Malta in diese Untersuchung einbezogen?
Nein, die Direktaufträge dieser Behörden wurden nicht im veröffentlichten Staatsanzeiger aufgeführt, was Bedenken hinsichtlich einer unzureichenden Offenlegung hervorruft.
Verstoßen die vergebenen Aufträge gegen Gesetze?
Derzeit gibt es keine Hinweise auf Rechtsverstöße, aber es bestehen Bedenken hinsichtlich ethischer Grenzen und Transparenz.
Warum sind die Aufträge unter 10.000 Euro angesiedelt?
Aufträge unter 10.000 Euro erfordern keine öffentliche Ausschreibung, sodass Ministerien sie einfacher direkt und schnell vergeben können.
Was ist das Problem bei wiederholten Vergaben an bestimmte Unternehmen?
Wiederholte Vergaben an dieselben politisch verbundenen Personen oder Firmen können auf Voreingenommenheit, Begünstigung oder mangelnde Chancengleichheit hindeuten.
Welche Art von Dienstleistungen wurden in Auftrag gegeben?
Zu den Dienstleistungen gehörten Medienberatung, Fotodienstleistungen, Logistik für Veranstaltungen und verschiedene Formen der Beratung.
Hat die Regierung auf diese Bedenken reagiert?
Bislang gab es keine offizielle Stellungnahme von Minister Bonett oder Staatssekretär Farrugia zu dieser Kritik.
Welche Aufsicht gibt es für solche Verträge?
Die Aufsicht wird in erster Linie von internen Prüfungsstrukturen und dem Nationalen Rechnungshof wahrgenommen, allerdings werden Forderungen nach einer unabhängigeren Kontrolle immer lauter.













































